Berlin Fashion Week Party statt ModeSeite 2/2
Wenn die Choreografie nicht stimmt, ist eine große Bühne fatal. Die gesamte Style Nite krankte an mangelnder Dramaturgie. Anstatt die Dynamik eines Revuetheaters zu nutzen, legten die Veranstalter zwischen den einzelnen Modenschauen jeweils eine halbe bis dreiviertel Stunde "Theaterpause“ ein.
Demütig nahm das Publikum nach stundenlangem Warten schließlich den Auftritt der "Hauptgruppe“ Michalsky hin – einige Plätze blieben allerdings leer. Der Mann aus Bad Oldesloe, der am London College of Fashion studierte und dann für Levi’s, Adidas und Yamamoto arbeitete, präsentierte auf einer aufwändigen Laufsteg-Konstruktion seine recht unspektakuläre Herren- und Damenkollektion. Die Damen durften noch ein bisschen schillern in Pailletten-Catsuits und -Anzügen, bei den Herren dominierten erdfarbene Anzüge, die der Designer mit dreiviertel-Hosen mit seltsam abgerundeten Westen oder gleich mit Kapuzenpullis kombinierte.
Am Ende konnte Michalsky sein Publikum tatsächlich noch überraschen. Nicht mit seiner Mode, sondern mit der Ankündigung des wahren "Main Acts“ des Abends: der Achtziger-Jahre-Band Spandau Ballet. Über die Band schrieb einst die berühmte Musikzeitschrift "Melody Maker“, sie hätte "musikalisch nichts zu sagen“. Dieses Urteil wird auch an der Style Nite haften bleiben. Sie ist ein ehrenwerter Versuch, der Berliner Modeszene jenseits der Bierzeltatmosphäre am Bebelplatz Weltläufigkeit zu verleihen. Michalsky, der vor seiner Karriere in der Modebranche Türsteher in der Londoner Clubszene war, weiß auch, wie man’s macht. Es wurde sogar gemunkelt, Madonnas Liebhaber Jesus würde sich noch zeigen. Der Abend war für den Designer sicherlich ein Erfolg, allein deswegen, weil das Haus voll war und die Zeitungen und Magazine es auch sein werden.
Man kann es jungen Labels wie Lala Berlin und Kaviar Gauche nicht verdenken, dass sie sich an Michalsky gehängt haben. Ob sie sich selbst damit einen Gefallen getan haben, ist zu bezweifeln. Beide Labels sind mit dem Außenseiter-Status auf der Fashion Week bekannt und beliebt geworden. Die Erwartungen auf der großen Bühne haben sie nicht erfüllt. Und nichts prangern die auf Avantgarde-Mode erpichten Berliner so schnell an wie den Griff zur Kommerzialität.
- Datum 23.01.2010 - 14:38 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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