Diese Kaffeebohne stellt für mich vollkommene Schönheit dar. Ich trinke gar keinen Kaffee, aber ich liebe seinen Geruch. Die Kaffeebohne spricht mit ihrer Form und Farbe, ihrem Geruch und der Art, wie sie sich anfühlt, gleich mehrere meiner Sinne an. Sie hat mich zum Design eines Seidenstoffes inspiriert.

Das Spannendste an Schönheit ist das Gefühl, das sie in uns auslöst. Ich erinnere mich an eine Geschichte aus der Sesamstraße: Ein kleines Mädchen sucht die schönste Frau der Welt. Die anderen Protagonisten können ihm bei seiner Suche nicht helfen, da die ältere Dame – die Mutter des Mädchens – eben nur in den Augen der Tochter die schönste Frau der Welt ist.

Das Gefühl von Schönheit entwickelt sich also aus Bewunderung, Verehrung – letztlich aus Liebe.

Ich glaube, das Gefühl für Schönheit wird einem in die Wiege gelegt. Natürlich wandelt es sich im Laufe des Lebens, doch ein tiefes Urgefühl dafür empfindet man schon als Kind. Mein Elternhaus hat mich sicherlich in meinem Verständnis für Ästhetik beeinflusst. Ich bin umgeben von antiken Möbeln, schweren Teppichen, vielen Bildern aufgewachsen. Wahrscheinlich stammt daher mein Faible für klassisches Design. Ich habe anfangs Kollektionen und Filialen im zeitlosen Stil gestaltet.

 

Angefangen habe ich mit einem Verleih für gebrauchte Herrengarderobe im Hamburger Karolinenviertel, das damals noch ziemlich heruntergekommen war. Meinen ersten eigenen Anzug habe ich vor zehn Jahren zusammen mit meiner Schwester entworfen.

Ich werde oft als der Mann dargestellt, der die Anzüge wieder auf die Straße bringt. In Deutschland ist das Anzugtragen abseits konservativer Businesskreise noch wenig verbreitet. Meine Kunden sind vor allem Menschen aus kreativen Berufen, die sich für Kunst, Kultur, Design, Lifestyle – eben auch für Mode interessieren.

Wenn ich über Schönheit nachdenke, muss ich mir immer bewusst machen, an welchem Ort der Welt und aus welcher Kultur heraus ich sie betrachte.

 Das ist mir klar geworden, als ich das erste Mal in Tokio war: Nahezu alle japanischen Männer tragen sehr gut sitzende Sakkos – vom Studenten bis zum Geschäftsmann; unabhängig von gesellschaftlichem Status. Dies stünde auch uns Deutschen sehr gut.

Protokoll: Friederike Milbradt