Der Gegenstand meiner Inspiration ist diese Achat-Schnecke. Sie gehört zu den Afrikanischen Riesenschnecken und wird bis zu 30 Zentimetern groß. Für eine Mode-Installation hatte ich fünf Tiere im Atelier. Ich war fasziniert davon, wie sie sich bewegen, wie sie fressen und wie sie ihre Fühler ausstrecken – in einer Langsamkeit, in einer Schönheit und einer unglaublichen Eleganz. Ich kann stundenlang vor ihnen sitzen und sie beobachten.

Ich finde es spannend, dass Schnecken Zwitter sind und sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale besitzen. In meiner Mode mache ich auch keinen Unterschied zwischen Mann und Frau, ich entwerfe Unisex-Kollektionen.

Manche Achatschnecken sehen wie kleine Schmuckstücke aus

Ich wusste lange nicht so richtig, wohin es in meinem Leben gehen soll: Eine Lehre zum Schreiner habe ich nach der Hälfte abgebrochen, dann habe ich drei Jahre eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht, später in Paris und Mailand gemodelt, aber erst im dritten Jahr auf der Modeschule in München ist der Knoten geplatzt.

Seitdem beschäftige ich mich mit geometrischen Formen. Dreiecke, Quadrate und Rauten sind wiederkehrende Elemente in meinen Kollektionen. Alles Eckige und Kantige hat mich schon immer fasziniert. Vielleicht, weil ich selbst sehr eckig und kantig bin.

Schönheit wird oft verbunden mit Glitzer und Glamour, aber das ist nicht meine Welt. Letztes Jahr auf der Berlin Fashion Week haben Obdachlose meine Kollektion vorgeführt. Das hat mit meiner Vergangenheit zu tun. Ich bin selbst mal fast in der Gosse gelandet und weiß, wie es ist, wenn man nichts hat. Natürlich wollte ich mit dem Auftritt auch ein bisschen provozieren, ganz klar. Aber vor allem wollte ich zeigen, dass es nicht nur Reichtum gibt.