Modedesignerin Gabriele Strehle "Jedes gute Design braucht einen Bruch"
"Schön, oder?" In unserer neuen Serie fragen wir Designer, welcher Gegenstand für sie Schönheit symbolisiert. Die Antwort der Strenesse-Gründerin Gabriele Strehle

Gabriele Strehle mit einer der Schalen, die aus dem Holz ihres Birnbaums gefertigt wurden
Schönheit bedeutet für mich Klarheit. Klarheit und Reinheit. So wie diese Schale hier. Sie ist nicht perfekt, sie hat zum Beispiel eine unebene Kante. Aber schöne Gegenstände müssen nichts verstecken. Jedes gute Design braucht einen Bruch.
Die Schalen sind aus dem Holz unseres alten Birnbaums gemacht. Er war irgendwann brüchig geworden und hatte bei einem starken Sturm Äste verloren. Die Idee, das Holz dieses Baums wieder aufleben zu lassen, kam mir, als ich an meine Kindheit dachte. Wir haben früher oft aus großen Holzschüsseln gegessen.
Ein befreundeter Künstler, Ernst Gamperl, hat die Schalen in verschiedenen Größen und Formen gefertigt. Das Besondere an seiner Arbeit ist, dass er das Holz genau ansieht, seine Maserungen berücksichtigt und jedes einzelne Stück als Unikat betrachtet.
Mein Verständnis von Schönheit und Ästhetik ist sehr durch mein Elternhaus geprägt. Meine Mutter war eine fantastische Köchin. Sie hat alle Lebensmittel selbst hergestellt, es gab immer frische Butter und selbst gebackenes Brot. Zwar hatten wir nichts im Überfluss, aber das Wenige war von guter Qualität.
Um aus der Fülle heraus zur Reduktion zu kommen, muss ich ein Gespür für Qualität und ein gutes Auge haben - egal, ob ich koche oder mich mit Kleidung beschäftige. Wenn ich eine Tomate in Händen halte und weiß, welche Zutaten man benötigt, um ihren Gehalt und ihr Aroma zu entfalten, dann brauche ich nicht viel drum herumzumischen. Das Gleiche gilt für Stoffe. Das Entscheidende ist das Qualitätsbewusstsein.

Gabriele Strehle, 1951 in Hawangen im Allgäu geboren, trat nach ihrer Ausbildung an der Münchner Meisterschule für Mode 1973 in das Nördlinger Familienunternehmen Strehle ein. Als Chefdesignerin baute sie gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann Gerd Strehle eine der wichtigsten Modemarken Deutschlands auf. Seit 1995 laufen ihre Kollektionen unter dem Label "Strenesse".
In meinen Kollektionen versuche ich, edle Materialien nicht auf ganz klassische Art zu verarbeiten, sondern sie mit modernen Techniken zu kontrastieren. Etwa, indem ich einen Kaschmirstoff mit dicken Handkantenstichen bearbeite oder Leder mit Animal-Prints bedrucke. Es ist reine Handwerkskunst, etwas so zu brechen, dass es nicht kantenlos wird.
Die Menschen sind heute wieder qualitätsbewusster und legen mehr Wert auf natürliche Materialien. Egal, was sie kaufen, es soll eine gewisse Langlebigkeit haben. Und es darf nicht laut sein.
Ich schöpfe viel aus der Natur. Bei einem Spaziergang am Tegernsee oder einer Radtour an der Weißach kann ich mich am besten entspannen. Oder wenn ich auf die Sumpfeiche in unserem Garten schaue, deren Blätter sich so richtig tief rotbraun färben, inspiriert mich das. Das Reinste auf der Welt ist doch eigentlich die Natur.
Protokoll: Bettina Hensel
- Datum 13.01.2010 - 09:55 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf mehreren Seiten lesen
- Serie Designer über Schönheit
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










einer der besten Kunsthandwerker überhaupt!
http://www.ernst-gamperl.de/
Nicht so Gabriele Strehle - 2002 entwarf Strenesse die Damenuniform der Lufthansa. Es gibt vermutlich wenig ehren- und auch anspruchsvollere Designaufgaben als eine solche Uniform zu entwickeln. Die Schnitte sind zum Teil richtig gut, die Qualität aber eine Katastrophe.
Jeder Jackenellenbogen, jedes Hinterteil in Rock oder Hose glänzt nach kürzester Zeit wie eine Speckschwarte. Die Baumwollblusen sind nach drei Wäschen nicht mehr dunkelblau, was ja nicht so schlimm wäre, da man sie nachfärben könnte. Wäre da nicht diese gelbe Paspel - leider nicht aus 100% Kunstfaser. Die Oberbekleidung ist im Winter zu kalt, im Sommer viel zu warm - und so weiter und so fort.
Gutes Design geht wirklich anders. Das arbeitet mit und nicht gegen Material und Funktion. Wie Ernst Gamperl eben.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren