Autodesigner Gert Hildebrand Der perfekte Stuhl
Als Kind benutze Gert Hildebrand ausrangierte Designerstühle als Schlitten. Der "Panton Chair" ist für den Autodesigner noch heute der Inbegriff von Schönheit.

Für den Autodesigner Gert Hildebrand ist der Panton Stuhl mehr ein ästhetisches Objekt als ein Möbelstück
Der "Panton Chair" hat mich schon als Schüler fasziniert. Ich komme aus Inzlingen bei Lörrach. Der Firmensitz des Schweizer Herstellers Vitra liegt ganz in der Nähe, ich bin sozusagen mit seinen Stühlen aufgewachsen. Als Kinder haben wir mit dem Ausschuss gespielt, der auf dem Müllplatz gelandet ist. Auf den Kunststoffstühlen sind wir zum Beispiel Schlitten gefahren. Als 13-Jähriger habe ich dann in einer ganz kleinen Gießerei gearbeitet, dort wurden die Formen von Vitra gegossen.
Der Panton-Stuhl ist für mich eher ein ästhetisches Objekt als ein Möbelstück. Er bereichert jeden Raum, ohne dass man ihn als Stuhl benutzen muss.

Einer der wenigen Stühle, die den Namen ihres Erfinders tragen: der Panton Chair, benannt nach dem dänischen Designer Verner Panton
Ein perfekter Stuhl ist eine Art Manifest für jeden Designer und Architekten: Es gibt ganz wenige Stühle, die man mit dem Namen ihres Erschaffers verbindet. Einer davon ist der von Verner Panton. Er hat es geschafft, mit der Z-Form den kürzestmöglichen Weg zwischen Gesäß, Rücken und Boden herzustellen. Das hat vor ihm nur Marcel Breuer mit seinem Freischwinger geschafft, aber bis heute ist der Panton für mich der Beste.

Gert Hildebrand wurde 1953 in Inzlingen bei Lörrach geboren. Nach seinem Industriedesign-Studium in Braunschweig studierte er am Royal College of Art in England "Automotive Design". Er arbeitete für Opel, Volkswagen, Seat und Mitsubishi. Seit 2001 ist er Leiter der Designabteilung bei Mini.
Als Student habe ich auch einmal versucht, solch einen Stuhl zu entwerfen und dieses Modell zu übertrumpfen. An diesem Projekt bin ich leider gescheitert.
Als Autodesigner hatte ich nie den Traum, große Wagen zu entwerfen. Ich bin in der Käfer-Ära groß geworden und auch meine Karriere habe ich in der Vier-Meter-Klasse gemacht: Golf, Kadett, Seat Leon und jetzt Mini. Etwa 95 Prozent des Autodesigns sind durch gesetzliche Vorschriften oder physikalische Auflagen vorgegeben, damit bleiben uns nur fünf Prozent Gestaltungsspielraum.
Aber gerade das ist die Herausforderung daran. Die drei Designaufgaben, die mir trotz aller technischer Zwänge Freiraum für persönliche gestalterische Leistung ermöglichen, sind Proportion, Skulptur und Details.
Die größte Motivation beim Kauf eines Autos ist das Design. Der Mensch entscheidet immer emotional, er begründet es nur rational. Ein Auto ist letztlich auch eine Persönlichkeit, in der man sich widerspiegeln kann.
Der Mini verkörpert für mich drei Typen: den Mann, die Frau und das Kind. Als Mann vermittelt er mit seinen "muskulösen" Schultern und seiner Stabilität das Gefühl von Sicherheit. Mit seiner femininen Skulptur spricht er den sinnlichen Nerv an und weckt Begehrlichkeiten. Seine kleinen Proportionen wecken den Beschützerinstinkt. Wenn sich diese drei Faktoren in einem Automobil wiederfinden, wird es zu einem Produkt, das alle Zielgruppen anspricht.
Protokoll: Bettina Hensel
- Datum 02.02.2010 - 16:29 Uhr
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- Serie Designer über Schönheit
- Quelle ZEIT ONLINE
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"Der Panton-Stuhl ist für mich eher ein ästhetisches Objekt als ein Möbelstück. Er bereichert jeden Raum, ohne dass man ihn als Stuhl benutzen muss."
So isoliert betrachtet mag das stimmen. Aber wer will schon ein Plastikstuhl in der Wohnung haben?
Sehr geehrter wp,
natürlich ist der Panton-Stuhl aus Kuntsstoff, allerdings denke ich, der ich ihn nicht als "den Stuhl" betrachte, dass er durchaus im richtigen Umfeld gut aussehen kann.
Außerdem ist dieser Kunststoff-Stuhl nicht nur schön sondern obendrein und dafür werden mich die Design-Freaks unter den Lesern schlagen, auch noch sehr praktisch, quasi nicht zu verdrecken, dezent und eben, was bei Design sehr selten ist, zeitlos.
Im ganzen Gegenteil - solche Kriterien hat Design unbedingt zu berücksichtigen!
Leider gibt es zu viele schlechte Designer. Das ist besonders spürbar, was die Zeitlosigkeit von Objekten angeht - dazu müßte der Designer sich aber mal etwas zurücknehmen und weniger in Form und Material durchdringende Duftmarken setzen. Leider, auch unter dem Aspekt schneller Verkäuflichkeit, nicht jedem gegeben.
Ich wuchs mit Panton-Chairs in schlimm violett auf, meine Mutter haßte sie, mein Vater fand sie toll - also endeten sie im Garten, wo die Farbe durch das Sonnenlicht anmutig verblaßte und auch das Material spröde wurde - einen Winter Schlittenfahren mit Rückenlehne und Teilen der Sitzfläche kenne ich auch...;-)...
Im ganzen Gegenteil - solche Kriterien hat Design unbedingt zu berücksichtigen!
Leider gibt es zu viele schlechte Designer. Das ist besonders spürbar, was die Zeitlosigkeit von Objekten angeht - dazu müßte der Designer sich aber mal etwas zurücknehmen und weniger in Form und Material durchdringende Duftmarken setzen. Leider, auch unter dem Aspekt schneller Verkäuflichkeit, nicht jedem gegeben.
Ich wuchs mit Panton-Chairs in schlimm violett auf, meine Mutter haßte sie, mein Vater fand sie toll - also endeten sie im Garten, wo die Farbe durch das Sonnenlicht anmutig verblaßte und auch das Material spröde wurde - einen Winter Schlittenfahren mit Rückenlehne und Teilen der Sitzfläche kenne ich auch...;-)...
Im ganzen Gegenteil - solche Kriterien hat Design unbedingt zu berücksichtigen!
Leider gibt es zu viele schlechte Designer. Das ist besonders spürbar, was die Zeitlosigkeit von Objekten angeht - dazu müßte der Designer sich aber mal etwas zurücknehmen und weniger in Form und Material durchdringende Duftmarken setzen. Leider, auch unter dem Aspekt schneller Verkäuflichkeit, nicht jedem gegeben.
Ich wuchs mit Panton-Chairs in schlimm violett auf, meine Mutter haßte sie, mein Vater fand sie toll - also endeten sie im Garten, wo die Farbe durch das Sonnenlicht anmutig verblaßte und auch das Material spröde wurde - einen Winter Schlittenfahren mit Rückenlehne und Teilen der Sitzfläche kenne ich auch...;-)...
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