Alexander McQueen Modenschau eines Toten

Welches Erbe hat Alexander McQueen hinterlassen? In Paris wurde seine letzte Kollektion einem erlesenen Kreis hinter geschlossenen Türen präsentiert.

Wenn Sie alle 16 Kreationen aus der letzten Kollektion Alexander McQueens sehen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild

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Egal, wen man während der Pariser Prêt-à-Porter-Schauen fragte, man bekam immer die gleiche Antwort: "Ich habe keine Einladung für Alexander McQueen. Ich kenne auch niemanden, der eine hat." Vor einem Monat hatte sich McQueen, einer der bedeutendsten Modeschöpfer seiner Generation, in seinem Londoner Haus erhängt. Trotz der Trauer war schnell klar, dass seine kurz zuvor fertiggestellte Winterkollektion in Paris gezeigt werden sollte. Über das Wo und Wie herrschte hingegen großes Schweigen.

McQueen war bekannt für seine spektakulären Modenschauen. Er sagte sogar einmal, seine Shows überträfen seine Kleidung. Für seine letzte Kollektion galt das nicht - still und leise wurde sie am Dienstag einer Handvoll erlesener Gäste präsentiert. Nicht einmal große Fashion-Magazine oder Nachrichtenagenturen erhielten Zutritt zu der exklusiven Veranstaltung.  

Ob diese hermetische Abriegelung im Sinne des unkonventionellen Modeschöpfers gewesen wäre, darf man bezweifel.n "Design wird nicht fortschrittlicher, wenn es nur für ein paar Auserwählte ist", sagte McQueen einmal in einem Interview. Er war der sogenannten Demokratisierung der Mode sehr aufgeschlossen. Seine legendäre "Plato's Atlantis"-Show im vergangenen September ließ er live im Internet übertragen. Und bei seiner Männerkollektion im Juni 2009 verzichtete er gänzlich auf eine klassische Modenschau und präsentierte seine Entwürfe als zweiminütigen Videoclip auf seiner Homepage.  

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Ein Mantel aus goldenen Federn über einem weißen Tüllrock aus Alexander McQueens letzter Kollektion. Wenn Sie alle 16 Kreationen sehen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild

Ein Mantel aus goldenen Federn über einem weißen Tüllrock aus Alexander McQueens letzter Kollektion. Wenn Sie alle 16 Kreationen sehen möchten, klicken Sie bitte auf das Bild

Man merkt, welche Irritationen verschlossene Türen plötzlich in einer Modebranche auslösen, die in der jüngsten Vergangenheit zahlreiche Schauen live gestreamt, auf Facebook veröffentlicht und auf Smartphones übertragen hat. Mit dem gewünschten Effekt für das Label Alexander McQueen: Alle wollten dabei sein. Anfragen blieben jedoch unbeantwortet. Nach dem Motto: Rufen Sie uns nicht an, wir rufen Sie an!

Doch selbst bei strengster Geheimhaltung gibt es undichte Stellen. Nur wenige Minuten nach Beginn der Schau waren die ersten Bilder der Kollektion bei Twitter und Facebook zu sehen: Schwere Brokatstoffe, Mäntel aus goldenen Federn, hoch stehende Krägen, bodenlange Roben vor der Kulisse eines goldverzierten Saals aus dem 18. Jahrhundert. Die berühmte Modekritikerin Suzy Menkes war eine der wenigen, die in François Pinaults vornehme Villa, dem Firmensitz der Gucci Gruppe PPR, geladen worden waren. "Diese private Schau war ein Requiem für einen großen Designer", schreibt Menkes in der New York Times. Der elegante Saal sei erfüllt gewesen mit der klassischen Musik, die McQueen beim Schneidern seiner letzten Kollektion gehört habe. Dies habe der Schau den passenden, herrschaftlichen Rahmen gegeben.

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