Mode-Ausstellung in Paris: Die Welt des Yves Saint Laurent
Mehr als 40 Jahre kreativen Schaffens hat das Modehaus Yves Saint Laurent in seinem Archiv festgehalten. In Paris ist nun eine große Retrospektive des Designers zu sehen.
Als Pierre Bergé gefragt wurde, was ihn dazu antreibe, immer wieder das Werk seines 2008 verstorbenen Lebensgefährten Yves Saint Laurent auszustellen, schien er die Frage nicht ganz zu verstehen. Dabei wäre die simpelste Antwort gewesen: "Weil ich es kann."
Kein anderes Modehaus hat seine Entwürfe so sorgfältig archiviert wie YSL. Vier Jahrzehnte kreativen Schaffens sind in der Pierre-Bergé-Yves-Saint-Laurent-Fondation gesichert. "Andere Modehäuser", sagt Bergé, "müssen Aufrufe an Kunden starten, dass sie alte Kreationen stiften. Die sind aber dann meistens getragen oder entsprechen nicht mehr den Originalentwürfen, weil die Kundinnen beispielsweise Ärmel oder Farbe eines Entwurfes ändern ließen. Die Modelle in dieser Ausstellung sind alle absolut authentisch." In dieser Hinsicht, scherzt Bergé, sei er, der sonst sehr Liberale, konservativ – im Französischen ein Wortspiel mit konservierend. "Wir haben alles aufgehoben."
307 Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Entwürfe präsentiert das Pariser Petit Palais in seiner Yves-Saint-Laurent-Retrospektive – nur ein Bruchteil des 5000 Stücke umfassenden Archivs. Eine weitere Ausstellung, die sich auf die Rive-Gauche-Linie konzentriert, ist bereits für Februar 2011 geplant.
"Die Vorbereitungen haben ein Jahr gedauert", sagt Florence Müller, die gemeinsam mit Farid Chenoune die Ausstellung designt hat. "Für uns war das eine Reise durch 40 Jahre Kreation, in der wir an die Quelle seines Schaffens gelangen konnten. Yves Saint Laurent war ein Couturier, der das perfekte Gleichgewicht zwischen Barock und nüchternem Minimalismus gefunden hatte."
Diese Bandbreite ist in der Ausstellung zu erkennen. Der legendäre Damen-Smoking, eine Art Markenzeichen YSLs, nimmt eine ganze Wand des Palais ein. Einige hundert Smokings hat er im Laufe seiner Karriere kreiert. Ein weiterer Raum ist "Imaginären Reisen" gewidmet und explodiert beinahe vor Farben, Mustern und Materialmix. Wenige Schritte weiter sind das berühmte schlichte Mondrian-Kleid zu sehen oder auch die Modelle, die Catherine Deneuve in Luis Buñuels Belle de Jour getragen hat. Seine letzte, bejubelte Kollektion aus dem Jahr 2002 ist als Video zu sehen.
Die Ausstellung spart aber auch die Misserfolge Yves Saint Laurents nicht aus. Ein Saal ist der "Skandalkollektion" des Jahres 1971 gewidmet, die von der Presse in Grund und Boden geschrieben worden war. "Die hässlichste Kollektion von ganz Paris", lautete eine Schlagzeile, oder auch "Eine Tour-de-Force des schlechten Geschmacks". Saint Laurent hatte seinen Mannequins Samtturbane aufgesetzt, wie sie heute nur noch in Filmsatiren gezeigt werden, und sie in eine grüne Fuchspelzjacke oder enge Jerseykleider gesteckt, die von der Kritik als "Revival der Besatzungszeit nach dem 2. Weltkrieg" geschmäht wurden. Die Kollektion war ein kommerzieller Misserfolg, trotzdem hatte sie starken Einfluss auf die Mode der folgenden Jahre. Saint Laurent hatte die Frauen nach dem bubenhaften Styling der Sechziger Jahre wieder wie Frauen aussehen lassen.
Chanel, wo Saint Laurent die ersten Jahre seiner Karriere verbrachte, habe die Frauen befreit, sagt Pierre Bergé, "Saint Laurent hat ihnen die Macht gegeben."
Die Yves-Saint-Laurent-Retrospective ist bis 29. August 2010 im Petit Palais in Paris zu sehen









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