Designer Markus Becker"Ich wollte keinen weiteren Lampenschirm entwerfen"

Markus Beckers Leuchtobjekte glimmen wie der Märchenwald aus der "Unendlichen Geschichte". Wie er diesen Effekt erzielt, erklärt der Designer er im Interview.

Lichtpflanzen, die aus sich selbst heraus glimmen: Leuchtobjekte aus Markus Beckers Serie "Perelin"

Lichtpflanzen, die aus sich selbst heraus glimmen: Leuchtobjekte aus Markus Beckers Serie "Perelin"

ZEIT ONLINE: Herr Becker, am Wochenende sind Sie auf der Lichtmesse light+building in Frankfurt vertreten. Wie sind Sie mit dem Thema Lichtdesign in Berührung gekommen?

Markus Becker: Mein Interesse erwachte, als ich die Leuchten des Designers Ingo Maurer zum ersten Mal gesehen habe. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ich war begeistert davon, wie anders Lampen sein können.

ZEIT ONLINE: Welche Anforderungen muss ein guter Lampenentwurf heute erfüllen?

Becker: Es gibt mittlerweile sehr viel gutes und funktionales Leuchtendesign. Mich interessiert vor allem die Schnittstelle zwischen Funktionalität und Design eine "All-in-One"-Lösung. Dieser Gedanke war auch der Anreiz zu meiner Perelin-Serie. Der Name entstammt dem Märchen Die unendliche Geschichte von Michael Ende, die ich als Kind sehr geliebt habe. Darin ist von "Perelin, dem Nachtwald" die Rede, einem Wald, der aus blühendem Licht besteht. Die Leuchtobjekt-Serie ist meine Interpretation dieser Lichtpflanzen, die aus sich selbst heraus glimmen.

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ZEIT ONLINE: Ihre Leuchtobjekte bestehen aus einem ganz besonderen Material.

Becker: Es handelt sich um eine Elektrolumineszenz-Leuchtfolie, die ich zufällig während einer Recherche entdeckt habe. Ich war derart fasziniert von dem Material, dass ich unbedingt damit arbeiten wollte.

Markus Becker
Markus Becker

Markus Johannes Becker, geboren 1978 in Saarlouis, studierte Produktdesign an der Bauhaus-Universität in Weimar. Für seine Lichtobjekt-Serie Perelin wurde er mit dem red dot award: product design 2010 und dem iF material award 2010 ausgezeichnet. Auf der Lichtmesse light+building in Frankfurt ist Beckers Arbeit vom 11. -16. April im Rahmen der Sonderschau "Young Design" zu sehen.

ZEIT ONLINE: Welche Eigenschaften besitzt diese Folie?

Becker: Das Material ist sehr robust, gleichzeitig aber extrem biegsam und dünn. Bisher wird es vor allem in der Luftfahrt und Außenwerbung eingesetzt. Die Leuchtstreifen in den Fußleisten bei Flugzeugen und Kinosälen bestehen zum Beispiel aus EL-Folie. Sie setzt sich aus mehreren Schichten zusammen, unter anderem aus einer Kupferschicht, auf die eine spezielle Farbe per Siebdruck aufgetragen wird. Diese pastellfarbene Pigmentierung reagiert auf Stromspannung mit weißem Licht. Meine Perelin-Leuchtobjekte geben also ein indirektes Licht ab.

ZEIT ONLINE: Wird das Material in Zukunft häufiger auch im Hausgebrauch eingesetzt werden?

Becker: Leider ist die Leuchtfolie technisch noch nicht so ausgereift, als dass sie eine größere Lichtleistung gewährleisten könnte. Die Leuchtkraft nimmt nach 10.000 Brennstunden ab, bis die Folie irgendwann gar nicht mehr leuchtet. Sie besitzt also in etwa die Brenndauer einer Energiesparglühbirne. Wünschenswert wären langlebigere und leistungsstärkere Folien, die auch für den Hausgebrauch einsetzbar wären und ein warmes Licht produzieren könnten. Ich denke aber, in diesem Bereich wird sich noch viel tun.

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