Berlin Fashion WeekÖkomode im Luxushotel

Im noblen Berliner Hotel Adlon zeigen Designer und Stoffproduzenten, wie mondän ökologische Mode aussehen kann. Und dass Nachhaltigkeit ein gutes Geschäft ist.

Man fühlt sich an diesem Vormittag im Adlon zurückversetzt in eine Zeit, in der die großen Couturiers ihre Kundinnen noch exklusiv in einem Boudoir empfingen. In jedem Zimmer auf dem Flur im ersten Stock des Berliner Luxushotels wird der Besucher von einem Vertreter eines exklusiven Modezirkels empfangen: Designern und Herstellern von grüner Mode. " Green Showroom " heißt die Veranstaltung, die Magdalena Schaffrin und ihre Designerkollegin Jana Keller nun zum zweiten Mal in Berlin veranstalten. Vier Tage lang präsentieren sie und 38 weitere Aussteller ökologische Mode, Schmuck und Accessoires.

Schaffrin hat sich ganz bewusst für das noble Adlon entschieden, denn sie will den Begriff "Ökomode" von seinem muffigen Beigeschmack erlösen. Nach dieser Maxime hat sie alle Aussteller ausgesucht: "Die Kollektionen müssen sich im höheren, luxuriösen Bereich bewegen."

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Dass High Fashion und ökologische Mode sehr gut zusammengehen, beweist die Berliner Designerin seit drei Jahren mit ihrem eigenen Label . Schaffrin stellt sehr strenge Regeln für ihre Kollektion auf: Sie verwendet ausschließlich natürliche Materialien. Kunstfasern wie Polyester sind nur in recycelter Form erlaubt, Färbungen nur ohne Chlorbleichung und Leder nur, wenn es mit pflanzlichen Mitteln gegerbt wurde.

Die anderen Teilnehmer des Green Showroom verwirklichen ihre Vorstellung von grüner Mode auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Die einen benutzen recycelte Produkte, andere legen besonderen Wert darauf, dass der ökologische Kreislauf des Produktes sich schließt, also das Kleidungsstück selbst auch komplett wiederverwertet werden kann, wieder andere legen den Fokus auf faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung und arbeiten mit sozialen Projekten zusammen.

Grüne Mode nimmt bei dieser Berlin Fashion Week ungewöhnlich viel Raum ein. Neben dem eher kleinen und exklusiven Green Showroom gibt es mit The Key To eine große Messe für Ökomode. Das Projekt BerliNordik präsentierte eine Ausstellung von deutschen und skandinavischen Designern , dazu kommen zahlreiche weitere, kleine Showrooms grüner Modemacher sowie zahlreiche Symposien zum Thema Ökologie und Nachhaltigkeit.

Wenn man durch den Green Showroom schlendert, beeindruckt vor allem die Vielfalt der Produkte. Während früher organische Baumwolle schon das höchste der Gefühle war, überbieten sich die Hersteller inzwischen mit exquisiten Materialien. Es gibt Stoffe aus recycelten Jeans oder Polyester, aus Krabbenschalen oder Lachsabfall.

Ein Armband aus Lachshaut - absolut nachhaltig

Ein Armband aus Lachshaut - absolut nachhaltig

Das so genannten "Lachsleder" ist vor allem bei Berliner Designern sehr beliebt, "Mongrels in Common" etwa bauten darauf ihre letzte Kollektion auf. Das Material, das aussieht wie Kroko, ist ein Abfallprodukt aus der Lachsherstellung. Eine deutsche Firma verarbeitet das Material weiter zu einer Art Leder. Im Green Showroom findet man es in Form der kapriziösen Armreifen von Jana Keller wieder.

Das Nebeneinander von Herstellern und Designer ist neu bei diesem Green Showroom, und das Konzept geht sehr gut auf. So findet man etwa die Stoffe der Firma Weisbrod, dem weltweit einzigen Hersteller ökologischer Seide, im gleichen Raum wie die Designerin Andrea Klüsener, die daraus elfengleiche Hängerkleidchen schneidert.

Grüner Glamour: Ein Kleid aus der Linie Ica Watermelon

Grüner Glamour: Ein Kleid aus der Linie Ica Watermelon

Der glamouröse Höhepunkt des Green Showrooms befindet sich in einem Kleiderschrank in der Suite von Julia Knüpfer. Ihre Kollektion besteht aus verträumten, feenhaften Kleidern, mit denen man auf jedem Roten Teppich bestehen kann. "Einfache Basics designen, das kann ich gar nicht", sagt die 25-jährige Absolventin der Modeschule Esmod. Für ihre avantgardistische Strickkollektion aus rein ökologischen Materialien hatte sie 2009 den auf der Fashion Week ausgelobten Newcomer-Preis "Designer for Tomorrow" bekommen. Zur ökologischen Mode sei sie durch ihren eigenen Lebensstil gekommen, sagt die Vegetarierin. "In einem konventionellen Modebetrieb hätte ich nicht arbeiten können. Da wäre ich eher zur Tierschutzorganisation Peta gegangen." Mit ihrem eigenen Label Ica Watermelon hofft Knüpfer nun, Einkäufer zu begeistern.

Ist es für einen Ökodesigner, der hochwertige Produkte und höhere Löhne einkalkulieren muss, besonders schwierig, rentabel zu arbeiten? "Mit Mode Geld zu verdienen ist immer schwierig", sagt Magdalena Schaffrin. Aber es sei für Ökomode nicht härter als für konventionelle Produkte. Eher im Gegenteil: "Es hilft beim Verkauf", sagt die Designerin. "Wenn man als Verbraucher die Wahl hat zwischen einem Kleidungsstück, das konventionell, und einem, das grün hergestellt wurde, würde man sich bei gleichem Look natürlich für das ökologische entscheiden. Und dafür auch ein bisschen mehr bezahlen."

Dass die Nachfrage für Ökomode existiert, beweist auch das Label Grüne Erde . Die österreichische Firma, die ursprünglich ökologische Matratzen, Bettwäsche und Naturholzmöbel herstellte, wurde von ihren Kunden gebeten, doch bitte auch eine Ökomodelinie anzubieten. Die erste Kollektion ist nun fertig, die Kataloge werden gerade verschickt. Die Pullover, Shirts, Hosen und Kleider sind leger, schlicht geschnitten, in Erdtönen gehalten und liegen im mittleren Preissegment. Ein Top kostet 40 Euro, ein Strickpulli 80 Euro. Der Green Showroom sei wegen seines intimen Charakter die perfekte Ausstellungsplattform für ihre Marke, sagt die Pressesprecherin Barbara Freund. "Das passt unserer Philosophie: ein Ort der Ruhe, wo man sich mit dem Kunden unterhalten kann.

Zwei Mäuse gucken frech aus dem Saum hervor: Die Illustratorin Sybille Hein hat die Kollektion für Kissa Kinderwelten entworfen

Zwei Mäuse gucken frech aus dem Saum hervor: Die Illustratorin Sybille Hein hat die Kollektion für Kissa Kinderwelten entworfen

Die Kunden von Kissa Kinderwelten sind zwischen drei und zwölf Jahre alt und sollen mit Monstern geködert werden. Die Kinderbuchillustratorin Sybille Hein, die unter anderem auch für die Kinder- ZEIT -Edition zeichnete, entwarf die Drachenfänger und Grinsekatzen, die auf den liebevoll gefertigten Pullis, Jacken und Kleidchen zu sehen sind. Als Designerin versteht sich Hein nicht: "Ich erzähle Geschichten auf Kleidern", sagt sie. Ökologische Kindermode gehört zu den Bereichen, die besonders boomen, schließlich wollen Eltern nicht, dass die zarte Haut ihrer Kinder mit Schwermetallen belastet wird. Nur in einem Punkt konnte sich die Illustratorin Hein nicht zurückhalten: "Ich wollte unbedingt eine goldene Schleife für eines meiner Monster. Und die Farbe Gold gibt es eben nicht Öko. Wir haben es trotzdem gemacht."

 
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