Mode in Israel Schneidern gegen den Konformismus

Israel ist bislang nicht als Modeland in Erscheinung getreten. Ausgerechnet die Kinder der Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR machen sich nun daran, das zu ändern.

Tel Aviv präsentiert sich gerne als stilvolle Stadt. Die weltstädtischste Metropole Israels zieht vor allem die Jungen, Ambitionierten und Kreativen des Landes an. Am Kleidungsstil ist das jedoch nicht zu erkennen. T-Shirt, Jeans, Turnschuhe oder Flipflops beherrschen das Straßenbild – nur wenige ältere Männer tragen Oberhemden. Selbst der Vorsitzende eines großen High-Tech-Unternehmens zeigt sich zu offiziellen Anlässen mit buntem Polohemd, schwarzer Jeans und Sportschuhen.

"In Tel Aviv sehen alle immer aus, als würden sie gerade zum Strand gehen, selbst Geschäftsleute", sagt die Modedesignerin Alla Eizenberg. "Das hat zwar einen gewissen Charme, aber es ist schade um die Tradition." Die Inhaberin des kleinen Modelabels "Maison Rouge" hat sich vorgenommen, den Israelis wieder Lust auf edle Kleidung zu machen. "Wenn man sich Fotografien der europäischen Einwanderer aus den frühen Jahren von Tel Aviv ansieht, haben damals alle Anzüge getragen – diese Tradition würde ich gerne wiederbeleben."

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Klassische Männermode, modern interpretiert: Entwürfe aus der Kollektion von Alla Eizenberg

Klassische Männermode, modern interpretiert: Entwürfe aus der Kollektion von Alla Eizenberg

Entsprechend präsentiert sich Eizenbergs Kollektion mit eleganten Oberhemden in freundlichen Farben sowie leichten, weiten Stoffhosen. Durch spezielle Schnitte und Faltenwürfe bekommen ihre klassischen Entwürfe einen modernen Touch.

Eizenbergs Wunsch, europäische Wurzeln wiederzubeleben, ist in ihrer eigenen Biografie begründet. Wie mehr als eine Million und damit fast ein Siebtel der heutigen Israelis, ist sie in der ehemaligen Sowjetunion geboren, in der heutigen Ukraine. Erst im Alter von 14 Jahren kam sie nach Tel Aviv. Diese Prägung, sagt sie, sei Teil ihres Anspruchs: "Mein Vater und mein Großvater haben immer Anzug getragen. In unserer Familie wurde viel Wert auf Stil gelegt. Ich war fast geschockt, als ich nach Israel kam."

Dass nur wenig Modeeinflüsse von außen in das kleine Land dringen, liegt unter anderem daran, dass Israel für viele internationale Modeunternehmen als Markt schlicht zu klein ist und deshalb links liegen gelassen wird. Selbst die schwedische Modekette H&M eröffnete ihre erste israelische Filiale erst in diesem Frühjahr.

Junge, urbane Geschäftsleute sind die Kunden von Alla Eizenberg

Junge, urbane Geschäftsleute sind die Kunden von Alla Eizenberg

Auch Maßschneider, erzählt Eizenberg, fände man in Tel Aviv derzeit kaum. Es gibt schlicht keine Nachfrage. "Mir haben viele gesagt, dass es in Israel keinen Bedarf für Herrenmode gibt. Und immer wird behauptet, es sei zu warm um sich anständig anzuziehen – aber das ist Unsinn." Ein Aufenthalt in Mailand öffnete Eizenberg die Augen: "In Italien ist es auch warm – aber trotzdem ist es üblich, dass die Männer dort Hemden und Anzughosen tragen."

Eizenbergs Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt. Sie freue sich, sagt die Designerin, dass sie genau die Kundschaft anziehe, die sie im Blick hatte: junge, erfolgreiche und stilbewusste Geschäftsleute.

Bunt und fantasievoll sind die meisten Entwürfe aus dem Hause "Frau Blau"

Bunt und fantasievoll sind die meisten Entwürfe aus dem Hause "Frau Blau"

Eizenbergs "Maison Rouge" ist nicht das einzige Label, das sich außerhalb des israelischen Mainstreams bewegt. Den gleichen Anspruch, wenn auch einen ganz anderen Stil, hat das Tel Aviver Modelabel "Frau Blau" . Hier schreit alles geradezu nach Aufmerksamkeit: Der Name, der Wertschätzung für deutsches Design ausdrücken soll, aber in Israel durchaus auch als Provokation gedacht ist, und die knallbunten Entwürfe von Philip Blau und seiner Ehefrau Helena Blaunstein.

"Israelis legen nicht viel Wert auf außergewöhnliche Kleidung. Ein weißes oder schwarzes T-Shirt, Jeans, Turnschuhe, das war's", sagt Blau, der selbst eine eher auffällige Erscheinung ist: Seine schulterlangen Haare hat er zu einem Pferdeschwanz gebunden und in der Mitte des Kopfes zu einer blonden Tolle hochtoupiert.

"Man darf nicht vergessen", sagt er, "dass Israel ein sehr junges Land ist. Und bestimmt spielt die Idee der Kibbutzim auch eine gewisse Rolle: In den frühen, sozialistisch organisierten Landkommunen in Israel war vor allem zweckmäßige Kleidung gefragt und Individualismus verpönt. Jetzt ist aber eine andere Zeit. Und das wollen wir mit unserer Kleidung auch zum Ausdruck bringen." 

Ein Kleid wie ein Kirchenfenster - Modell  aus der Kollektion von "Frau Blau"

Ein Kleid wie ein Kirchenfenster - Modell aus der Kollektion von "Frau Blau"

Die Kollektion von Frau Blau ist schrill und fantasievoll: Ein schulterfreies Oberteil ist mit dem Muster eines Kirchenfensters bedruckt, ein Abendkleid wallt in großen schwarz-weißen Bienenwaben zu Boden und ein Mini-Strechkleid ist bedruckt, als sei es ein Matrosenhemd. "Mit Frau Blau wollen wir Farbe in die Straßen von Israel bringen", sagt der Designer. "Unser Ziel ist es, dass unsere Kundinnen mit einen Lächeln durchs Leben gehen."

Auch Blau und Blaunstein kommen aus den ehemaligen russischen Teilrepubliken: Blau ist in der Ukraine geboren, in Turkmenistan nahe der afghanischen Grenze aufgewachsen und siedelte mit 18 Jahre nach Israel über. Blaunstein kam im Alter von 13 Jahren aus Usbekistan. 

Was er an Israel sehr schätze, sagt Blau, sei der multikulturelle Aspekt, der durch die Zusammenkunft der jüdischen Diaspora aus verschiedenen Weltregionen entstanden sei: "Nach Israel kamen und kommen Menschen aus aller Welt und bringen ihre Geschichte, ihre Kultur, ihre Identität und ihre Ideen mit."

Das Designer-Paar Philip Blau und Helena Blaunstein

Das Designer-Paar Philip Blau und Helena Blaunstein

Bei Blau und Blaunstein ist es vor allem der Einsatz moderner Technologien, die ihre Entwürfe so unnachahmlich erscheinen lassen. Per Laser lassen sie kleinteilige Formen aus Synthetikstoffen schneiden. Für ihre selbst entwickelte Drucktechnik, mit der man gestochen scharf auf dehnbare Stoffe drucken lässt, wurde das Designerduo 2007 mit einem Preis des Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet. 

Blau und seine Frau sind glücklich darüber, in Israel zu leben. Dennoch haben sie sich ein gewisses Außenseitertum und einen Blick von außen erhalten – und behalten stets die internationale Modeszene im Visier. Das könnte ein Grund dafür sein, dass ihre Kollektion auch außerhalb Israels gefragt ist. Mittlerweile gibt es Kleider von "Frau Blau" auch in Berlin zu kaufen.
 

 
Leser-Kommentare
  1. im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?

    Unabhängig mal davon, die HErrenanzüge und Oberteile sehen wirklich sehr gut aus. Ich würde sie sofort tragen.

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    • Gizzle
    • 14.07.2010 um 18:48 Uhr

    "Macht die Dame auch eine Boutique
    im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?"

    Eine nun wirklich sinnlose und unnötige Bemerkung, die überhaupt nichts zu Sache tut...

    ... die Designerin vermutet, wenn sie einen Laden in Tel Aviv hat und wie es zu lesen ist, Israelis einkleiden möchte. Ich denke nicht, dass zu diesem Zweck ein Ausflug in besetzte Gebiete von nutzen wäre und modisch ist es auch kaum sinnvoll.

    «Macht die Dame auch eine Boutique im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?»

    Wozu? Wer aus Jerusalem, ob Ost oder West, Kleidung von Frau Blau kaufen möchte, kann das in Tel Aviv gerne tun. Ich befürchte nur, dass viele diese Mode entweder qua islami(sti)scher Bekleidungsvorschriften oder eines selbstverordneten „Kaufe nicht beim Juden“ gar nicht werden tun wollen. Das aber nur als Randbemerkung zu Ihrem blödsinnigen und das Thema verfehlenden Kommentar.

    Ansonsten wünsche ich den jungen Modemachern viel Erfolg, auch wenn ich das israelische laissez-faire ja sehr schätze.

    • Gizzle
    • 14.07.2010 um 18:48 Uhr

    "Macht die Dame auch eine Boutique
    im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?"

    Eine nun wirklich sinnlose und unnötige Bemerkung, die überhaupt nichts zu Sache tut...

    ... die Designerin vermutet, wenn sie einen Laden in Tel Aviv hat und wie es zu lesen ist, Israelis einkleiden möchte. Ich denke nicht, dass zu diesem Zweck ein Ausflug in besetzte Gebiete von nutzen wäre und modisch ist es auch kaum sinnvoll.

    «Macht die Dame auch eine Boutique im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?»

    Wozu? Wer aus Jerusalem, ob Ost oder West, Kleidung von Frau Blau kaufen möchte, kann das in Tel Aviv gerne tun. Ich befürchte nur, dass viele diese Mode entweder qua islami(sti)scher Bekleidungsvorschriften oder eines selbstverordneten „Kaufe nicht beim Juden“ gar nicht werden tun wollen. Das aber nur als Randbemerkung zu Ihrem blödsinnigen und das Thema verfehlenden Kommentar.

    Ansonsten wünsche ich den jungen Modemachern viel Erfolg, auch wenn ich das israelische laissez-faire ja sehr schätze.

  2. Immerhin gibt es seit Jahrzehnten das, zumindest im internationalen Vergleich als solches zu bezeichnende kleine Modelabel Castro Mode, welches immerhin Deutschland seinen größten internationelen Markt sieht.
    Prinzipiell ist von israelischer Mode noch eine Menge zu erwarten, da hier sicherlich Innovationen in unterschiedlichsten Bereichen geboren werden.

    Und zu dem ersten Kommentar kann ich mir nur ein müdes Lächeln abringen. Irgendwie war es ja klar, dass auch ein vollkommen unpolitisches Thema schnell mal in Richtung Palästinakonflikt gebogen wird. Ist nicht irgendwie alles zionistisch-böse? Lassen wir uns mal überraschen, was die Kommentarfunktion in den nächsten Tagen so zu bieten hat.

    • Gizzle
    • 14.07.2010 um 18:48 Uhr

    "Macht die Dame auch eine Boutique
    im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?"

    Eine nun wirklich sinnlose und unnötige Bemerkung, die überhaupt nichts zu Sache tut...

  3. ... die Designerin vermutet, wenn sie einen Laden in Tel Aviv hat und wie es zu lesen ist, Israelis einkleiden möchte. Ich denke nicht, dass zu diesem Zweck ein Ausflug in besetzte Gebiete von nutzen wäre und modisch ist es auch kaum sinnvoll.

  4. «Macht die Dame auch eine Boutique im besetzen Westjordanland und in Ostjerusalem auf, oder vielleicht in Gaza?»

    Wozu? Wer aus Jerusalem, ob Ost oder West, Kleidung von Frau Blau kaufen möchte, kann das in Tel Aviv gerne tun. Ich befürchte nur, dass viele diese Mode entweder qua islami(sti)scher Bekleidungsvorschriften oder eines selbstverordneten „Kaufe nicht beim Juden“ gar nicht werden tun wollen. Das aber nur als Randbemerkung zu Ihrem blödsinnigen und das Thema verfehlenden Kommentar.

    Ansonsten wünsche ich den jungen Modemachern viel Erfolg, auch wenn ich das israelische laissez-faire ja sehr schätze.

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