Frage: Frau Perret, Frau Schaad, schon vor Ihrer ersten Show sind Sie von der Presse als „Jil Sanders Töchter“ gefeiert worden. Dieses Etikett ist kleben geblieben. Nervt Sie das Image mittlerweile?


Tutia Schaad: Wir haben uns ja nicht selbst so genannt. Das wurde mal geschrieben und ist ja auch kein schlechter Vergleich. Zum Glück haben die Jil Sander gesagt …

Johanna Perret: Wir mögen das gerne. Es schmeichelt uns.

Frage: Was hat sich durch das erfolgreiche Debüt auf der Fashion Week im Januar für Sie verändert? Ist eine so begeisterte Resonanz eher eine Bestätigung, dass man als Label auf dem richtigen Weg ist, oder schafft sie auch Druck?



Perret: Beides wahrscheinlich.

Schaad: Bei der zweiten Kollektion steht man sicherlich unter Druck. Beim ersten Mal hatten wir nichts zu verlieren. Wir haben sie einfach gemacht, und niemand erwartete etwas. Beim zweiten Mal möchten wir natürlich wieder uns selbst und die anderen überraschen, uns aber auch treu bleiben.

Frage: Hat sich der Erfolg auf der Fashion Week auch wirtschaftlich ausgezahlt?



Perret: In gewisser Weise schon, weil wir dadurch sofort Läden gefunden haben, die unsere Kollektion anbieten wollen. Es war ja immer unser Ziel, dass wir unsere Sachen auch sofort verkaufen wollen. Am Anfang ist es natürlich schwierig, wirklich rentabel zu arbeiten.

Frage: Zur neuen Kollektion: Wie wird die sich zur vorigen verhalten? Hatten Sie für das Debüt bereits Ihre Vision ausformuliert und entwickeln diese nun weiter oder experimentieren Sie noch?



Schaad: Eine Mischung aus beidem. Es ist unser Leitmotiv, dass wir unserer ästhetischen Vorstellung treu bleiben, aber immer uns und die anderen überraschen möchten.

Perret: Es ist eine Gratwanderung.

Schaad: Aber wenn man Kunden hat, möchte man schon, dass die sich in den neuen Sachen wiederfinden.

Frage: So pragmatisch, auf die Erwartungen der Kunden einzugehen, sind Sie schon?



Perret: So präzise ist das noch nicht. Nach einer Saison kann man noch nicht sagen, dass wir einen Kundenstamm hätten. Es ist eher so, dass wir ein Gefühl dafür bekommen haben, was die Leute möchten – und dafür, wie sie unsere DNA sehen. Das weiß man ja manchmal selbst nicht, man macht einfach etwas, und dann wird es von jemand anderem ausgewertet. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir auch weiterhin experimentieren können.