Stiftung Warentest Mode ist nur selten fair
Viele Modefirmen schmücken sich mit einer "grünen" Linie. Doch nur die wenigsten sorgen für Umweltstandards und faire Arbeitsbedingungen, belegt die Stiftung Warentest.
Wenn ein T-Shirt für 3 Euro über den Ladentisch geht, kann es dann überhaupt fair und umweltfreundlich produziert worden sein? Dieser Frage ist die Stiftung Warentest in ihrer August-Ausgabe nachgegangen und hat 20 Anbieter klassischer T-Shirts einem CSR-Test unterzogen. CSR steht für Corporate Social Responsibility, das freiwillige Engagement von Firmen für die Mitarbeiter und die Umwelt. Die Tester bekamen Zutritt zu 14 Nähereien und 9 Färbereien in 10 Ländern. Dort überprüften sie die Umweltfreundlichkeit des Materials sowie die Löhne und Arbeitsbedingungen. Außerdem bewertete die Stiftung Warentest die Unternehmenspolitik, Verbraucherinformation und Transparenz der einzelnen Unternehmen.
Das Ergebnis ist desillusionierend: Obwohl sich seit einiger Zeit viele Firmen ökologisches Engagement und fairen Handel auf die Fahnen schreiben, verwirklicht in der Realität fast keine diese Vorsätze. Nur die Natur- und Ökomodefirma hessnatur erhielt die Bewertung "stark engagiert". Die Firma konnte den Anbau und die Weiterverarbeitung der Baumwolle – in ihrem Fall Biobaumwolle aus Burkina Faso – einwandfrei nachverfolgen. Außerdem engagiert sich das Unternehmen sehr für seine Mitarbeiter und den Umweltschutz. Weitere sechs Anbieter erhielten die CSR-Bewertung "engagiert": armedangels, Peek&Cloppenburg, panda, trigema, Esprit und C&A.
Die Modemarken Mexx, NKD und zero verweigerten hingegen vollkommen die Auskunft. Das gilt auch für H&M, obwohl der schwedische Konzern seit Jahren seine "grüne" Linie in den Fokus rückt.
Auch andere Anbieter, die sich explizit als Ökomode-Labels vermarkten, konnten nicht in allen Punkten des Tests bestehen. Das junge Modelabel armedangels aus Köln – das einzige mit Fairtrade-Siegel im Test – spricht auf seiner Webseite etwa von "unseren Biobauern", was eine gewisse Nähe suggeriert. Laut Stiftung Warentest hat die Firma aber keinen engen Kontakt zu ihnen, auch nicht zur Färberei in Portugal. Bei Nachforschungen der Tester stellte sich heraus, dass dort keiner armedangels kannte. Weiter berichteten die Prüfer, dass armedangels zwar faire Preise für die Baumwolle zahle, nicht aber für deren Verarbeitung. Hier stoße das Fair-Trade-Siegel an Grenzen, da es nur einen Teil der Kette abdecke.
In vielen Fällen ergaben die Prüfung der Unterlagen und Gespräche vor Ort, dass die Fabrikarbeiter ihre Lebenskosten mit ihrem Lohn kaum decken können. Deutlich mehr als den Mindestlohn zahlen nur wenige Häuser, etwa hessnatur in Litauen. Trigema bezahlt seine deutschen Angestellten über Tarif. Panda tut das gleiche für die Mitarbeiter in der deutschen Färberei. Die Konzerne Ernsting’s Family und Peek&Cloppenburg lassen in Bangladesch in anständiger Weise produzieren und zahlen neben den kargen Mindestlöhnen zumindest extra Boni.
Auch die ökologischen Kriterien waren in vielen Fällen unklar. Der Otto-Versand konnte nach Angaben der Stiftung Warentest nicht nachweisen, dass sein T-Shirt tatsächlich aus Bio-Baumwolle besteht – und das, obwohl für jede Stufe vom Anbau bis zum Händler Zertifikate vorliegen müssten. Auch bei weiteren Bio-Baumwoll-T-Shirts konnten die Tester nicht bestätigen, ob beim Anbau Biokriterien eingehalten wurden. In einigen Betrieben konnte man zudem nicht ausschließen, ob nicht konventionelle Baumwolle zugemischt wurde.
Der konventionelle Baumwollanbau verbraucht 10 Prozent aller weltweit eingesetzten Pestizide. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich Tausende Feldarbeiter an den Folgen. Der Bioanbau verzichtet hingegen auf chemische Pflanzenschutzmittel.
Der Bundesverband der Verbraucherzentrale fordert nun eine gesetzliche Informationspflicht von Unternehmen zu den Umwelt- und Sozialstandards ihrer Produkte. "Die Politik muss dafür sorgen, dass dieser Etikettenschwindel ein Ende hat“, forderte der Vorstand Gerd Billen. Dafür sei ein entsprechender Auskunftsanspruch im Verbraucherinformationsgesetz zu verankern. Darüber hinaus fordert der Verband verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für Baumwolle, die regelmäßig von unabhängiger Seite kontrolliert werden sollen.
- Datum 29.07.2010 - 17:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:










Wenn man sich viele Produktionsstätten in so genannten Drittweltländern betrachtet, fällt mir zu dieser globalisierten Unternehmensform leider nichts anderes ein als [...], der sich kaum von der kolonialisierten Sklaverei und Schinderei der alten Zeit unterscheidet. Zum einen, in welcher brutalst möglichen Form so manche Firmen ihre Waren gewinnen und produzieren und zu anderen, wie sehr die Verbraucher im Westen mit Weißwäscherei und schnödem Schein betrogen werden. Nicht nur der Kunden-Boykott gegen solche Unternehmen, sondern vor allem nachhaltige Kontrollen und strenge Sanktionen gegen solche Wirtschaftskriminelle können hier eine Änderung bewirken - zumindest wenn Brüssel solches ernsthaft bestrebt, z.B. in Form einer Ampel-Kennzeichnung. Zudem sollten Firmen, die ihre Produkte in Europa sozial- und umweltgerecht produzieren und vertreiben, gefördert werden. Statt dem schnellen Blut-Euro für wenige, ginge es dann sicher vielen besser. Diese Logik - entgegen dem ausbeuterischen Neo-Liberalismus - kann JEDER nachvollziehen und praktizieren.
Bitte verzichten Sie auf Polemik und formulieren Sie Ihre Kritk sachlich. Vielen Dank, die Redaktion /ft
Danke für die Recherche kann man da nur sagen. Ohnen den Einsatz dieser Damen und Herren wäre sowas doch nie rausgekommen. Warum gibt es eigentlich keine richtige offizielle Stelle, die überprüft ob die Vorgaben für BIO, FAITRADE oder was auch immer erfüllt werden. Das muss sehr genau geprüft werden wenn eine Firma sich mit einem solchen Siegel schmückt.
wenn man genau diese Sauerrei des Freihandels - immer da wo am billigsten, immer da, wo kein Recht und Gesetz existiert produzieren und hier zu Premiumpreisen verkaufen und damit unsere Sozialsysteme mutwillig kaputtzuschlagen - in Zeit-Foren anspricht wird gerne editiert.
Weil ist ja die Schuld der Verbraucher, dass sie ihre Klamotten aus dem asiatisch-indischen Raum beziehen, genauso wie den Fernseher, das Kinderspielzeug, den (ganzen) Computer und auch die Schuhe...
...und nicht nur bei Kik, nein von A wie Addidas bis Z wie weißnicht Markenprodukten.
Jedoch freue ich mich ja über jede kritische Berichterstattung über das "Modell Elektronikdiscounter" und Co.
H&M, S.Oliver, Esprit usw. usf. verkaufen Waren, auf denen ein Biosiegel prangt.
Eine Produktionsfirma ist mal mit der Kamera zu den Herstellern in Indien gefahren: Ein Chef der Zulieferer wurde interviewt, ob bei seinem Lagerungssystem überhaupt zwischen Bio-Baumwolle und normaler Baumwolle unterschieden werden könne. Der hat nur gelacht und mit nem Augenzwinkern gesagt "So ist das eben in Indien".
Und selbst die Bio-Baumwolle ist voll mit Pestiziden, das kontrolliert niemand da unten! Die gentechnisch extra veränderten Pflanzten locken einfach nur neue, andere Schädlinge. Also wieder sprühen.
Damit nicht genug: Ein Bio-Siegel auf schwarzer Kleidung ist IMMER eine Lüge! Denn Schwarz geht gar nicht ohne BASF Dichlor- und andere künstliche Farbstoffe, im Zweifel sogar mit Schwermetallbelastung.
Wer hier in Europa teuer einkauft mit Bio-Siegel bekommt sehr sehr häufig ein mit Produkt, das unter Einsatz von Pestiziden und giftigen Farbstoffen hergestellt wurde, bei Leder oft sogar gesundheitsschädlich. Die Verbraucherschutzämter DÜRFEN das gar nicht verhindern, weil es keine entsprechenden Gesetze gibt.
Die Modeketten können meistens gar nicht wissen, was Sie da überhaupt verkaufen, das ist für keinen Mneschen nachvollziehbar. Der Zulieferer aus Indien, hat zwar ne Ökoplakette aus Holz in seinem Rumpellager rumfliegen. Aber das heißt: Absolut gar nichts!
"Darüber hinaus fordert der Verband verbindliche Umwelt- und Sozialstandards für Baumwolle, die regelmäßig von unabhängiger Seite kontrolliert werden sollen."
Wie und wo denn??? Die Plakette kriegen die fast alle. Wer soll denn die Inder, Bangladeshis und Kasachen kontrollieren? Deutsche denken immer es müsse doch für alles eine administrative Lösung geben, auch in anderen Kulturen, bei deren wirtschaftlich noch schwachen Situation.
Absolut naiv. Die machen was sie wollen, hauptsache Kohle.
Wir Westeuropäer leben schon so lange im Wohlstand und unter festen Normen, dass wir uns total naiv ausnutzen lassen und es gar nicht merken. Die Joint-Venture-Firmen in Asien und Südostasien haben das teilweise gar nicht verstanden. Stihl z.B. produzierte in China, und die chinesischen Mitarbeiter hauen ab und machen mit der Technologie exakte Kopien. Das konnten die gar nicht verstehen, was soll denn das, das Geschäft war doch gut.
Das ist eben unsere naive Mentalität vom größeren Kollektivnutzen aus allseitiger Kooperation, ein fragiles Vertrauensgleichgewicht, bei dem letzten Endes alle profitieren. Das aber nicht so leicht übertragbar ist und einfach ganz spezieller wirtschaftlicher Umstände und kultureller Wurzeln bedarf, auch Institutionen und Bürokratie.
Kontrolle... die lachen uns aus, die Beamten und Politiker kassieren höchstens mehr Schmiergeld von den Zulieferern und wir zahlen höhere Preise dafür. Die Zertifizierungsfirmen fahren wieder und alles läuft wie vorher. ;)
Verzichten Sie auf das Posten von sinngleichen Kommentaren in vielen Threads. Die Redaktion / mh
Liebe Leser,
hier finden Sie die Stellungnahme des Labels armedangels nachlesen: http://www.armedangels.de...
Ihr armedangels-Team
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren