Jede Zeit und ihre Stimmung kann man fast akribisch ablesen an dem, was die Leute tragen. In den grellen Hochzeiten des Kunstmarktes war eine laute Garderobe der Soundtrack zum Hochgefühl. Zu einem neuen Koons stellte man sich nicht ohne ein anständiges Paar Louboutins! Und wer noch vor zwei Jahren über die Londoner Frieze Art Fair schlenderte, nach der Art Basel die wichtigste, europäische Messe für zeitgenössische Kunst, genoss nicht nur die knalligen, unbezahlbaren XXL-Skulpturen. An den Ständen von Stargalerien wie Gagosian aus New York ergaben sich die reizvollsten Farbinszenierungen gerade erst dann, wenn vor dem bunten Punkte-Bild von Damian Hirst eine Galerieassistentin in knallgelben Pucci-Dress zu goldenen Stilettos stand und auf ihr Blackberry einhackte. Mode funktionierte wie ein Verkaufsförderer, denn die Damen schwerreicher Sammler konnten plötzlich sehen, wie gut ihre Haute Couture mit dem Werk korrespondierte. Pucci passend zu den Punkten.

Bei der diesjährigen Frieze funktionierte all das überhaupt nicht mehr. Farblosigkeit war das neue Pink, sowohl an den Stellwänden der über 170 internationalen Galerien, als auch bei der Garderobenwahl der Besucher. Zwar trugen die Damen ihr Haar nach wie im perfekten Volumen amerikanischer Nachrichtensprecherinnen. Doch man hatte verinnerlicht, dass knallige Cavalli-Roben einfach nicht in die Zeit passen.

Stattdessen übten sich die Besucher in Bescheidenheit und hatten endlich den passenden Stil zu Mode, Zeitgeist und Kunst gefunden: respektvoll gegenüber der weltweiten Krise und dem eigenen Nummernkonto. Die Vogue taufte diesen Stil kürzlich New Minimalism, die Kunst, sich glamourös unglamourös anzuziehen. Und tatsächlich war dieser Trend auf sämtlichen Laufstegen zu sehen. Selbst Marken wie Gucci gaben sich dermaßen kühl reduziert, als hätten sie mit Korsagen und Leopardenmustern nie etwas zu tun gehabt. Beeinflusst ist diese neue Reduziertheit von der Kunstbewegung der amerikanischen Minimal-Art der sechziger Jahre um Stars wie Donald Judd und Dan Flavin.

Der Minimalismus strebt nach Objektivität, Klarheit, Logik. Wie perfekt das im Grunde ja zur Krise passt und wie ernst es um die grellen It-Bags und Lackstilettos wirklich steht, konnte man auf der Frieze studieren wie in einem Lehrbuch.

Wirkte die Farbe Schwarz vor einem Jahr, knietief in der Kunst- und Wirtschaftskrise, noch wie ein symbolisch-verzweifelter Traueraufzug, war sie nun eine schicke Kampfansage. Wir leben noch. Wir kaufen noch! Die Kunstmesse präsentierte ein farbliches Festival aus hellschwarz, dunkelschwarz, mausgrau, steingrau, betongrau, hellweiß, grellweiß, strenge Reiterstiefel, kastige Mäntel, züchtige Blusen.