Aufwendige Schnitte haben meistens den Nachteil, dass sie viele Stoffreste produzieren. Bei der Modeproduktion landen bis zu 20 Prozent im Abfall. Durch kluges Entwerfen versuchen Zero Waste -Designer, diesen Restanteil gegen Null zu drücken. Die neue Designphilosophie ist noch im Entwicklungsstadium und umfasst ganz unterschiedliche Ansätze.

Der Londoner Modeschöpfer Mark Liu benutzt etwa den Jigsaw Cut , den Laubsägenschnitt. Bei dieser Technik werden Stoffe in Zickzack-Linien geschnitten . Das Material wird dadurch tatsächlich lückenlos verarbeitet. Die ausgefransten Enden der Stoffe rafft Liu zu kunstvollen Rüschen, die seinen Entwürfe fast schon eine barocke Anmutung geben.

Die niederländische Designerin Berber Soepboer überträgt das Lego-Prinzip auf die Mode. Ihre Kundinnen kaufen kein Kleid, sondern eine Konstruktion aus mehrfarbigen Stoff-Dreiecken . Diese ist jederzeit veränderbar, und bei der Produktion entsteht kein Abfall – rechteckige Stoffrollen lassen sich ohne Reste in Dreiecke aufteilen.

Julian Roberts widmet sich dem Subtraction Cut . Der ehemalige Creative Director des Super Super Magazins , des Zentralorgans der New-Rave-Bewegung, nennt sich als Designer nun Julian And . Seine Methode, so sagt er, orientiere sich an der Idee der Leere im Zen-Buddhismus. Es geht eben nicht darum, ein Kleid zu entwerfen – Ziel ist vielmehr, die Leerstelle im Stoff, die später der Körper ausfüllt, in den Mittelpunkt des Entwurfs zu stellen. Dementsprechend schneidet Roberts keine Stoffstücke zurecht, sondern versieht die Stoffbahnen einfach mit Schlitzen und Löchern für die Gliedmaßen. Seine Entwürfe erinnern an Togen, Ponchos und Kutten. Wie bei den historischen Vorbildern entstehen dabei kaum Reste.

Roberts’ Methode hat Chancen, sich durchzusetzen. Die zahlreichen, weltweit stattfindenden Workshops des Briten sind gut besucht. Er unterrichtet unter anderem am Royal College of Art in London und am Illinois Institute of Art & Design in Chicago.