Die allerwichtigste Bilanz zuerst: Berlin ist immer noch nicht Paris, ist immer noch nicht Mailand, ist immer noch nicht New York, Berlin ist nicht einmal London. Berlin ist einfach Berlin.

Wer auf dieser Fashion Week nach Anzeichen gesucht hat, dass Berlin endlich eine Modemetropole internationalen Zuschnitts geworden ist, ist wieder einmal enttäuscht worden. Es ist schon wieder nicht gelungen, große Marken zu bewegen, von einer anderen Modemetropole nach Berlin umzuziehen. Und sogar einige deutsche Marken wie Joop! und Strenesse schickten diesmal keine Models auf den Laufsteg. Anna Wintour, die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue , tauchte nicht auf, stattdessen Boris Becker.

Wer also meint, in der deutschen Hauptstadt müsse eine Kopie der schon etablierten Modewochen heranwachsen, wird alle seine Vorurteile bestätigt finden – und übersehen, dass in Berlin längst ein Modegroßereignis ganz eigener Qualität herangewachsen ist. Zusammen mit der Streetwear-Messe Bread & Butter und der Modemesse Premium spült die Fashion Week nach Angaben des Berliner Wirtschaftssenators Harald Wolf 140 bis 180 Millionen Euro in die Kassen der Stadt und beschert den Hoteliers 200.000 zusätzliche Übernachtungen.

Es lohnt sich also durchaus, darauf zu schauen, was in der Modestadt Berlin passiert – anstatt ständig Vergleiche mit den etablierten Fashion-Metropolen zu bemühen.

Wie haben sich die Kollektionen entwickelt? Bei vielen der etwa 40 Schauen war das auffälligste die Ausgewogenheit der Entwürfe. Haben Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler von Kaviar Gauche einst damit auf sich aufmerksam gemacht, dass sie ihre Models nur mit Taschen bekleidet auf den Laufsteg schickten oder sie mit so viel Pailletten beluden, dass sie wie Diskokugeln wirkten, war die Kollektion, die sie diesmal im Zelt auf dem Bebelplatz präsentierten, vergleichsweise leise. Creme- und Sandtöne, fließende Stoffe, die mit Spitze oder Latex kombiniert wurden, dazu weich fallende Hosen.

Lena Hoschek, deren vorhergegangene Kollektion vom Rockabilly-Stil geprägt war, zeigte nun hochgeschlossene Blusen, Bleistiftröcke, Blumenmuster und Kord – und erinnerte damit an die TV-Serie Mad Men . Auch die Marke Mongrels in Common von Livia Ximénez Carillo und Christine Pluess präsentierte sich überaus bürgerlich: Bei ihrer Show im Bärensaal zeigten sie zur Anfangsmelodie von Denver Hosenanzüge, Marlenehosen, überlange Jacketts in Grün und Cremetönen mit floralen Drucken.

Die Berliner Mode, murrte mancher auf den Schauen sei "kommerziell" geworden anstatt neuen Ideen zu glänzen. Aber das ist den Marken kaum vorzuwerfen. Mode ist immer kommerziell. Die kleinen Marken sind erwachsen geworden, kennen ihre Kundinnen und brauchen eine Kollektion, die nicht nur in den Medien auffällt, sondern sich tatsächlich verkauft.