Kunst und Mode: Das visionäre PaarSeite 3/3
So ermöglicht die Trussardi-Gruppe, die unter ihrer jungen Vorstandsvorsitzenden Beatrice Trussardi dieses Jahr das 100-jährige Jubiläum feiert, seit 2003 mit der vom Kurator Massimiliano Gioni geleiteten Fondazione Nicola Trussardi spektakuläre Projekte im Mailänder Stadtraum und engagiert sich darüber hinaus in der Klima- und Recyclingforschung. Pierre-Alexis Dumas, Vorsitzender der Umweltstiftung von Hermès, ist eine Partnerschaft mit Iddri eingegangen, einem Institut, das für Biodiversität kämpft. Außerdem produziert er eine neue Linie, "petit h", kleines h, für die der Lederabfall des Hauses zu niedlichen Objekten verarbeitet wird – einer Schaukel, einem Springseil oder einem Rehlein. Darüber hinaus entwirft das Unternehmen mit Künstlern wie Daniel Buren neue Muster für seine Seidentücher und lädt junge Künstler in seine Werkstätten ein. Damit ist es ebenfalls am Puls der Zeit, denn viele konzeptkunstmüde Künstler wie Grayson Perry oder Isabelle de Borchgrave stürzen sich gerade wieder aufs Handwerk.
Eine Pionierin des Crossover war und ist auch Miuccia Prada, die zusammen mit ihrem Mann Patrizio Bertelli bereits 1993 ihre Stiftung in Mailand gründete und seitdem in einer riesigen Fabrikhalle aufsehenerregende Ausstellungen finanziert. Ähnlich früh, seit 1996, verleiht die deutsche Marke Hugo Boss alle zwei Jahre zusammen mit dem New Yorker Museum Guggenheim ihren "Boss Prize", das italienische Label Max Mara tut es seit 2005 (s. Seite 24). Angela Missoni, die Kreativdirektorin des gleichnamigen Hauses, präsentiert ihre Kollektionen wie viele Kollegen gerne im schrägen Kunstambiente wie zuletzt im Londoner Museum of Everything, und Karl Lagerfeld, als Fotograf schon länger gefeiert, ließ Zaha Hadid einen "Chanel Mobile Art Pavilion" bauen, der 2008 durch Hongkong, Tokio und New York tourte.
Beinahe zur Norm geworden ist auch, dass Stars wie Designer Peter Marino (Louis Vuitton) und Architekten von Rem Koolhaas (Prada) bis David Adjaye (Ozwald Boateng) inzwischen die Läden der Modemacher bauen und stylen. Immer mehr Künstler von Jeff Koons bis Damien Hirst entwerfen Unternehmensprodukte, und die russische Mäzenin und Sammlerin Dasha Zhukova, Initiatorin des Moskauer Kunstzentrums Garage, gründete gar 2006 mit Jugendfreundin Christina Tang die Modemarke Kova & T und war kurzzeitig Chefredakteurin des Pop-Magazins. Es scheint eindeutig: Die Paarung von Kunst und Mode zum ArtStyle-Gesamtkunstwerk ist vollzogen.
Dieser Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Weltkunst 02/2011








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