Designer Haider Ackermann Der Mann, den alle wollen

Karl Lagerfeld könnte ihn sich als seinen Nachfolger vorstellen und die Pariser Modewelt applaudiert ihm. Der Designer Haider Ackermann ist der Mann der Stunde.

Als Karl Lagerfeld vor Kurzem gefragt wurde, wer ihm denn dereinst bei Chanel nachfolgen könnte, sagte er: "Im Moment würde ich sagen, das wäre Haider Ackermann!" Diese kleine Bemerkung lenkte plötzlich den Blick der gesamten Modewelt auf einen Mann, den bis dahin nur wenige kannten. Und da bekanntlich auch Dior einen neuen Chefdesigner braucht, waren in Paris alle Augen auf Ackermann gerichtet. Und tatsächlich zeigte der Designer die wohl interessanteste Show der Prêt-à-Porter-Schauen.

Zunächst ohne Musik, begleitet nur von dumpfen, rhythmischen Schlägen, kamen die Models im Zeitlupentempo über den Laufsteg geschritten. Sie sahen aus wie nicht von dieser Welt: die Haare streng zurückgekämmt und am Hinterkopf spitz zulaufend zum Helm geformt.

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Ackermanns Silhouette für den Herbst/Winter 2011 ist schmal, lang und gleichzeitig cool und elegant. Seine Kleider sind von Kimonos und Djellabas inspiriert, kombiniert mit breiten, zu übergroßen Schnallen geformten Ledergürteln und aristokratischen Lederhandschuhen.

In der letzten Saison brachte der Modeschöpfer, der bislang zur schwarzen Avantgarde zählte, erstmals Farbe in sein eher düsteres Design. In der aktuellen Kollektion zeigte er nun sogar eine ganze Reihe satter Farbtöne: Burgunder, Elfenbein, Nachtblau, Moos- und Petrolgrün. Glänzende Materialien, sogar Pailletten waren zu sehen. Im Hintergrund lief die Rezitation von Leonard Cohens A Thousand Kisses Deep. Es war unbestritten ein magischer Momente in der Mode, im Publikum herrschte andächtige Stille.

Die Mischung verschiedener kultureller Einflüsse, die in seinen Kollektionen immer wieder zu sehen ist, gehört zu den Markenzeichen des Designers und spiegelt seine eigene Lebensgeschichte wider. Ackermann wurde 1971 in Santa Fe de Bogotá in Kolumbien geborenen und von einem französischen Paar adoptiert. Da der Vater als Kartograph arbeitete, verbrachte er seine Kindheit in Äthiopien, im Tschad und in Algerien. Als er zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern in die Niederlande. Die Erinnerung an die vielen Reisen verarbeite er noch immer in seinen Kollektionen, sagt der Designer.

Nach dem Abitur ging Ackermann nach Antwerpen, um dort Mode an der Academy of Fine Arts zu studieren. Nach drei Jahren brach er  das Studium aus finanziellen Gründen ab. Dennoch wird er gern zur Riege der Antwerpen-Abgänger wie Ann Demeulemeester oder Martin Margiela gezählt. Denn seine Kleider haben etwas von der Nüchternheit, die man oft in der belgischen Mode findet.

Um Geld für sein eigenes Label zusammenzubekommen, arbeitete Ackermann zunächst nächtelang in Bars und Restaurants; bis er eines Tages zufällig dem belgischen Designer Raf Simons begegnete, dem er seine Zeichnungen zeigte. Simons wurde eine Art Mentor und ermutigte ihn zu seiner ersten Kollektion. 2002 präsentierte Ackermann dann zum ersten Mal in Paris.

Leser-Kommentare
  1. Die Mode von Ackermann ist einfach total wearable und doch so distinguished. Einfach toll. Man wird noch von Ackermann hören.
    Neben den Kröten für die Fetzen dürfte es den Begeisterten aber noch mehr an der entsprechenden Körperlichkeit fehlen.
    Wirklich geil an der Szene finde ich die illustren Leute, diese völlig abgedrehten Illusionisten und den Backstage-Spass.

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Entfernt wegen Spam. Die Redaktion/cs

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