Die Haut als Leinwand

Bild oben: Motiv von Dana Engfer, Tätowierung von Lionel Fahy | © Gerald von Foris für ZEIT ONLINE
Es gab eine Zeit, da waren Tattoos noch etwas für Individualisten. Immerhin haftete ihnen noch bis weit in die achtziger Jahre ein Hauch von sozialem Außenseitertum an. Außerdem konnte man damit hervorragend seine Zugehörigkeit zu bestimmten Kreisen und Jugendkulturen zum Ausdruck bringen.
Spätestens seit den neunziger Jahren allerdings hat sich das Tattoo zum austauschbaren Massenphänomen entwickelt, man denke an Phänomene wie das berüchtigte Arschgeweih, esoterische Goa-Sonnen oder den Revolutionsstern. Die Funktion als Distinktionsmittel haben die unter die Haut gestochenen Farbpigmente so inzwischen weitestgehend eingebüßt.
Und doch – insbesondere unter jungen Großstädtern feiert die Tätowierung jenseits klassischer Airbrush-Optik und tribalen Motiven seit einigen Jahren eine beeindruckende Renaissance.
Denn galten möglichst realistische Darstellungen und klar umrissene Motive lange Zeit als State-of-the-Art der Tätowierkunst, wirft eine junge Generation von Tattookünstlern und deren Kunden derzeit so ziemlich alle Regeln über den Haufen, die sich rund um das Tattoo in den vergangenen Jahrzehnten so etabliert haben.
Besonders beliebte Motivwahl derzeit: grafische Darstellungen wie geometrische Formen und gerade Linien, aber auch völlig anarchische Experimente wie wilde Schraffuren und Krakeleien im Stil von Kinderzeichnungen.
- Datum 12.05.2011 - 14:22 Uhr
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Von wegen Individualismus: Eine Herde blökender Schafe, die Unterschicht stigmatisiert sich selbst, und dazwischen versprengte Kleinbürger auf der Suche nach streetcredentials.
Anm: Bitte achten Sie auf einen respektvollen und sachlichen Diskussionsstil. Danke. Die Redaktion/km
Herr Kraus –
Ich war beim Fotoshooting dabei und ich kann Ihnen versichern, dass die Menschen auf den Bildern weder kleinbürgerlich sind, noch prekär leben.
Und eines der im Text erwähnten Studios, nämlich AKA, war im letzten Jahr zu Gast auf der Kunstmesse "Stroke" – mit großem Erfolg. Wie genau kommen Sie nun zu dem sehr unfreundlichen Urteil, es handle sich bei den Abgebildeten um die "Unterschicht" und um "Kleinbürger"?
Und könnten Sie Ihre Meinung bitte mit ein bisschen mehr Anstand und Contenance formulieren?
Besten Dank
Daniel Erk
Unterschicht? Wie kommen sie denn auf sowas? Also ich persönlich bin studiert und habe eine Tattoo. Hatte an der Hochschule auch genug Kommilitonen, welche Farbe unter der Haut hatten (bzw. immernoch haben).
Es ist einfach nur anmaßend es als Unterschichtbeschäftigung abzutun!
[...]
Ich habe auch ein Tattoo, kein ganz gewöhnliches Motiv, und komme sicher nicht aus der Unterschicht - Studierte Eltern in Führungspositionen, selbst Studentin mit Karriere nebenher.
Das es heute tatsächlich immernoch solche Vorurteile gibt...
Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg
… da scheint aber jemand in einem sehr engen Korsett zu stecken. Persönlich würde ich mich auch schwer tun mich tätowieren zu lassen, aber dennoch muss ich doch zugestehen, dass es sich um sehr schöne Motive handelt. Teilweise so interessant, dass sogar ich darüber nachdenken könnte.
Immerhin handelt es sich nicht um den windschiefen Anker auf dem Unterarm, den irgendein Knastbruder gestochen hat.
Und Unterschicht und Kleinbürger? Ich denke aus der Zeit sind wir raus, man wäre fast geneigt zu behaupten Ihr Kommentar würde unter zweite Kategorie fallen.
Herr Kraus –
Ich war beim Fotoshooting dabei und ich kann Ihnen versichern, dass die Menschen auf den Bildern weder kleinbürgerlich sind, noch prekär leben.
Und eines der im Text erwähnten Studios, nämlich AKA, war im letzten Jahr zu Gast auf der Kunstmesse "Stroke" – mit großem Erfolg. Wie genau kommen Sie nun zu dem sehr unfreundlichen Urteil, es handle sich bei den Abgebildeten um die "Unterschicht" und um "Kleinbürger"?
Und könnten Sie Ihre Meinung bitte mit ein bisschen mehr Anstand und Contenance formulieren?
Besten Dank
Daniel Erk
Unterschicht? Wie kommen sie denn auf sowas? Also ich persönlich bin studiert und habe eine Tattoo. Hatte an der Hochschule auch genug Kommilitonen, welche Farbe unter der Haut hatten (bzw. immernoch haben).
Es ist einfach nur anmaßend es als Unterschichtbeschäftigung abzutun!
[...]
Ich habe auch ein Tattoo, kein ganz gewöhnliches Motiv, und komme sicher nicht aus der Unterschicht - Studierte Eltern in Führungspositionen, selbst Studentin mit Karriere nebenher.
Das es heute tatsächlich immernoch solche Vorurteile gibt...
Gekürzt. Bitte äußern Sie Kritik sachlich. Danke. Die Redaktion/wg
… da scheint aber jemand in einem sehr engen Korsett zu stecken. Persönlich würde ich mich auch schwer tun mich tätowieren zu lassen, aber dennoch muss ich doch zugestehen, dass es sich um sehr schöne Motive handelt. Teilweise so interessant, dass sogar ich darüber nachdenken könnte.
Immerhin handelt es sich nicht um den windschiefen Anker auf dem Unterarm, den irgendein Knastbruder gestochen hat.
Und Unterschicht und Kleinbürger? Ich denke aus der Zeit sind wir raus, man wäre fast geneigt zu behaupten Ihr Kommentar würde unter zweite Kategorie fallen.
Herr Kraus –
Ich war beim Fotoshooting dabei und ich kann Ihnen versichern, dass die Menschen auf den Bildern weder kleinbürgerlich sind, noch prekär leben.
Und eines der im Text erwähnten Studios, nämlich AKA, war im letzten Jahr zu Gast auf der Kunstmesse "Stroke" – mit großem Erfolg. Wie genau kommen Sie nun zu dem sehr unfreundlichen Urteil, es handle sich bei den Abgebildeten um die "Unterschicht" und um "Kleinbürger"?
Und könnten Sie Ihre Meinung bitte mit ein bisschen mehr Anstand und Contenance formulieren?
Besten Dank
Daniel Erk
Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und in höflichem sowie respektvollem Tonfall. Danke. Die Redaktion/km
Herr Erk. Solche Kritiker würden wahrscheinlich auch keinen Modigliani erkennen, mal ganz zu schweigen davon, dass vielen hier der wunderbare Film 'Balduin, das Nachtgespenst' mit Louis de Funès und Jean Gabin völlig unbekannt sein wird.
Einige dieser Tattoos machen Lust darauf, mal selbst Leinwand zu spielen und heute macht wahrscheinlich auch kein verrückter Kunsthändler mehr Jagd auf meine Haut ;-).
Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und in höflichem sowie respektvollem Tonfall. Danke. Die Redaktion/km
Herr Erk. Solche Kritiker würden wahrscheinlich auch keinen Modigliani erkennen, mal ganz zu schweigen davon, dass vielen hier der wunderbare Film 'Balduin, das Nachtgespenst' mit Louis de Funès und Jean Gabin völlig unbekannt sein wird.
Einige dieser Tattoos machen Lust darauf, mal selbst Leinwand zu spielen und heute macht wahrscheinlich auch kein verrückter Kunsthändler mehr Jagd auf meine Haut ;-).
Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich und in höflichem sowie respektvollem Tonfall. Danke. Die Redaktion/km
wenige Bilder, gefallen mir die Tattoos sehr.
Bei den ersten beiden Bildern würde ich die abgebildeten Personen aber wirklich gerne fragen, wieso sie sich sowas haben stechen lassen.
Das hat (für mich, also ganz subjektiv) weder eine Aussage oder Botschaft oder eine Ästhetik.
Aber das ist ja bekanntlich auch Geschmacksfrage.
Ich finde Ihre Kritik fehl am Platz. Ich bin kein Freund der Tätowierkunst, allerdings heißt das nicht dass es sich hierbei nicht um eine Kunst handelt die es nicht wert ist in diesem Magazin erwähnt zu werden.
Und ist es außerdem nicht eher die "Oberschicht" die stigmatisiert und in Klassen einteilt? Tattoo, Hoodie und Hiphop sind Symbole eines Lifestyles den Sie scheinbar nicht begreifen, ich auch nicht. Nichtsdestotrotz bin ich aufgeklärt genug um nicht in Stereotypen zu denken.
Ihre Dekadenz und Ignoranz finde ich bedauernswert.
Gehen Sie doch lieber in eine Wagner Oper trinken Ihren Moet&Chandon und wählen die FPD anstatt hier Ihre beschränkte Meinung kund zu tun.
Und entschuldigen Sie meinen unsachlichen Diskussionsstil, meine Unterschichten Erziehung untersagt es mir zwar, Menschen in Foren persönlich anzugreifen, aber ich wollte mich Ihrem Niveau angleichen, um Missverständnisse zu vermeiden.
Wenn es nach der Künsterlsozialkasse geht, haben Tätowierer nicht den Stand eines Künstlers, höchstens den eines Kunsthandwerkers und damit kein "Recht" auf Pflichtversicherung durch die KSK...
Und die Tätowierung oben sieht aus, als hätte jemand sich aus Versehen an eine frisch bemalte Leinwand gelehnt :o)
.... dass genau das der beabsichtigte Effekt ist. Mir gefällt das Bild ganz gut.
Am meisten begeistert mich (ich glaube es war Bild 17) wo das Tartanmuster unter der Haut durchkommt. Die Idee und Umsetzung ist einfach großartig! :-)
.... dass genau das der beabsichtigte Effekt ist. Mir gefällt das Bild ganz gut.
Am meisten begeistert mich (ich glaube es war Bild 17) wo das Tartanmuster unter der Haut durchkommt. Die Idee und Umsetzung ist einfach großartig! :-)
Unterschicht? Wie kommen sie denn auf sowas? Also ich persönlich bin studiert und habe eine Tattoo. Hatte an der Hochschule auch genug Kommilitonen, welche Farbe unter der Haut hatten (bzw. immernoch haben).
Es ist einfach nur anmaßend es als Unterschichtbeschäftigung abzutun!
... vergleichbar denen in der Geologie scheint es auch in der menschlichen Gesellschaft zu geben. Das macht, dass die Unterschicht nicht unbediingt dort zu finden ist, wo man sich das so denkt. Ob jemand "studiert ist" oder ein mehr oder weniger konfortables Ein- und Auskommen hat, ist dabei keine relevante Frage. Überall wird umgewälzt.
Ich habe sehr oft mit tätowierten Menschen zu tun. Jeder Einzelfall signalisiert etwas, und ich ziehe so meine Schlüsse. Das ist doch wohl der Zweck der Übung. Oder nicht?
in ein wespennest gestochen
... vergleichbar denen in der Geologie scheint es auch in der menschlichen Gesellschaft zu geben. Das macht, dass die Unterschicht nicht unbediingt dort zu finden ist, wo man sich das so denkt. Ob jemand "studiert ist" oder ein mehr oder weniger konfortables Ein- und Auskommen hat, ist dabei keine relevante Frage. Überall wird umgewälzt.
Ich habe sehr oft mit tätowierten Menschen zu tun. Jeder Einzelfall signalisiert etwas, und ich ziehe so meine Schlüsse. Das ist doch wohl der Zweck der Übung. Oder nicht?
in ein wespennest gestochen
wirkt wie eine reduzierte Kaltnadelradierung. Nicht schlecht!
Überhaupt ragt das gezeigte deutlich aus dem klischeereichen und abgedudelten Mainstream heraus. Jut!
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