Tätowierungen

Die Haut als Leinwand

Bild oben: Motiv von Dana Engfer, Tätowierung von Lionel Fahy  |  © Gerald von Foris für ZEIT ONLINE

Es gab eine Zeit, da waren Tattoos noch etwas für Individualisten. Immerhin haftete ihnen noch bis weit in die achtziger Jahre ein Hauch von sozialem Außenseitertum an. Außerdem konnte man damit hervorragend seine Zugehörigkeit zu bestimmten Kreisen und Jugendkulturen zum Ausdruck bringen.

Spätestens seit den neunziger Jahren allerdings hat sich das Tattoo zum austauschbaren Massenphänomen entwickelt, man denke an Phänomene wie das berüchtigte Arschgeweih, esoterische Goa-Sonnen oder den Revolutionsstern. Die Funktion als Distinktionsmittel haben die unter die Haut gestochenen Farbpigmente so inzwischen weitestgehend eingebüßt.

Und doch – insbesondere unter jungen Großstädtern feiert die Tätowierung jenseits klassischer Airbrush-Optik und tribalen Motiven seit einigen Jahren eine beeindruckende Renaissance.

Denn galten möglichst realistische Darstellungen und klar umrissene Motive lange Zeit als State-of-the-Art der Tätowierkunst, wirft eine junge Generation von Tattookünstlern und deren Kunden derzeit so ziemlich alle Regeln über den Haufen, die sich rund um das Tattoo in den vergangenen Jahrzehnten so etabliert haben.

Besonders beliebte Motivwahl derzeit: grafische Darstellungen wie geometrische Formen und gerade Linien, aber auch völlig anarchische Experimente wie wilde Schraffuren und Krakeleien im Stil von Kinderzeichnungen.