Models auf der Fashion Week 2011 präsentieren Entwürfe von Augustin Teboul. © Soeren Stache/dpa

Vor einigen Jahren sagte der Designer Kostas Murkudis, wenn er noch einmal den Aufwand betreiben würde, eine Modenschau auf die Beine zu stellen, würde er es vielleicht in Paris tun, aber bestimmt nicht in Berlin. Denn in Berlin fehle alles: die Infrastruktur, das Publikum, das Geld. Nun präsentierte Kostas Murkudis seit Langem seine erste Modeschau – auf der Berliner Fashion Week .

In einer Lichtinstallation des Künstlers Carsten Nicolai flirrten schwarze und weiße Streifen über die Wand, es knackte und knisterte aus den Lautsprechern – es sah aus als würden sich die Kreationen des deutsch-griechischen Designers in einem Raster auflösen. Geknotete Kleider, die wirkten, als seien sie einfach aus einer einzigen Stoffbahn geschaffen, die um das Model herumgewickelt wurde. Ein verblüffendes Gesamtkunstwerk auf höchstem Niveau. Wo hatte man so etwas schon einmal gesehen?

Dass Murkudis seine Show nun gerade in Berlin gezeigt hat, bedeutet nicht, dass der Designer sich geändert hat. Die Stadt hat sich weiter entwickelt.

Die Berliner Modewoche, die am Samstag zu Ende ging, wird von Saison zu Saison größer, professioneller und internationaler. Und das in einem Tempo, dass alle Beteiligten nur darüber staunen können: Die Tourismus-Marketing-Gesellschaft Visit Berlin geht von 120.000 Besuchern der Modewoche aus, die dem Hotelgewerbe 200.000 zusätzliche Übernachtungen bringen. Und die Investitionsbank Berlin Brandenburg hat in einer Modellrechnung ermittelt, dass die Ausgaben der Modewoche-Besucher eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 119 Millionen Euro generieren.

Die Frage, ob Berlin eine Modestadt wird, ist schon längst beantwortet. Laut der Studie der Investitionsbank Berlin Brandenburg verdienen in Berlin mehr Menschen ihr Geld mit Mode als in jeder anderen deutschen Großstadt: Rund 3.700 Firmen, Agenturen und Einzelunternehmer arbeiten in der Branche, etwa 30 Prozent mehr als im Jahr 2000 und nochmals 177 Unternehmen stellen Bekleidung Lederwaren oder Schuhe her.

Der Modewoche wurde immer wieder nachgesagt, sie sei zwar ein Riesenzirkus, habe aber kein wirkliches Profil. Mittlerweile stimmt auch das nicht mehr. Mehr denn je kristallisierte sich bei den mehr als 40 Schauen und Präsentationen ein gemeinsamer Stil heraus. Ein Look der zu einer Stadt passt, in der man oft mit wenigen Mitteln viel Effekt schaffen muss und in der die Kunst- und Modeszene eng verbunden sind.

Man könnte es einen neuen Purismus nennen: Man sah es gleich zu Anfang bei den raffiniert drapierten Roben von Michael Sontag, sowie bei den bodenlangen schlichten Kleidern mit Lederapplikationen, die die Newcomerin Karlotta Wilde präsentierte. Sogar die Mega-Show der Hugo Boss Linie Hugo war angenehm reduziert. Es wurden Looks in stahlblauen Anzügen und neonorangene Kleider präsentiert in einer Show, die der Markenidentität treu blieb. Und bei den Modellen von Vladimir Karaleev, dem es gelang, mit wenigen Schnitten und Farben eine der ausdruckstärksten Kollektionen auf der Fashion Week zu schaffen.