Designer Vladimir Karaleev Das Innerste nach außen kehren
Der Designer Vladimir Karaleev experimentiert mit Formen. Jetzt zeigt er sie zum zweiten Mal auf der Fashion Week — und krempelt die Mode grundlegend um.

Karaleevs Prinzip: das Innere nach außen drehen.
Ein viereckiger Tisch in einem viereckigen Raum in einem rechteckigen Teil eines Gebäudes, das man zu DDR-Zeiten mit anderen Rechtecken zu einem Plattenbau übereinander gestapelt hat. An diesem simpel geschnittenen Ort entwickelt sich Vladimir Karaleev gerade zu einem Meister der Dekonstruktion. Hier denkt, skizziert, schneidet, faltet und produziert der Designer Mode, die gegebene Formen hinterfragt und dabei trotzdem klar bleibt.
Im Januar entsandte der gebürtige Bulgare eine Armee von Grunge-Mädchen und -Jungs auf den Berliner Laufsteg, verdrehte und drapierte ihre karamellfarbenen Wollmäntel, violetten Kleider und schwarzen Lederwesten. Das beeindruckte nicht nur H&Ms Kreativdirektorin Margareta van den Bosch, die während der Show im Publikum saß, sondern auch die britische Modekette Topshop. Karaleevs Kollektion wird ab Herbst dort in der Abteilung für aufstrebende Designer hängen.

Vladimir Karaleevs verschlungenen karamellfarbenen Wollmäntel wurden auf der vergangenen Berlin Fashion Week gelobt.
Jetzt ist er zurück auf der Berlin Fashion Week, mit einer Reformation. Das ist der Titel seiner neuen Kollektion. Es geht dem 30-Jährigen dabei aber nicht um religiöse Bekehrung, sondern darum, die Mode umzukehren, von innen nach außen.
Futterstoffe, die rau sind und die man gewöhnlich auf der Innenseite eines Kleidungsstückes trägt, krempelt er an die Oberfläche. Das Futter besteht in seiner Reformation-Kollektion zum Beispiel aus hochwertigen, weichen Seidenstoffen. "Es ist das Spiel mit den Formen", sagt Karaleev und nimmt, um diese Idee zu illustrieren, eine königsblaue Bluse zur Hand – außen rau, innen weich. Eine seegrüne Jacke ist dagegen mit doppelter Ärmelschicht ausgestattet. Die obere Lage reicht bis zum Ellenbogen, darunter lugt die zweite Lage aus halbtransparentem Seidenfutter hervor. Und ein khakifarbenes Abendkleid ist aus einem einzigen Stück Viskose drapiert. "Das haben wir erst gestern Nacht gefertigt", sagt er. "Ich wollte mit einem Stoff und einer Farbe arbeiten, die im klassischen Abendkleidbereich gar nicht vorkommt."

Der Designer Vladimir Karaleev in seinem Studio.
Karaleev ist nicht erst seit gestern im Geschäft, es ist schon seine elfte Saison. Seine experimentelle Haltung erinnert aber trotzdem an die Anfänge des Labels. Vor fünf Jahren, im Sommer 2006, als es noch gar keine Fashion Week in Berlin gab, präsentierte Karaleev in einem Berliner Hinterhof. Für das Projekt Cut 210 beschäftigte er sich mit einem der populärsten Kleidungsstücke der Welt: dem schwarzen T-Shirt. Das erste Model betrat damals den Hof bekleidet mit einem einzigen schlichten Shirt. Look Nummer zwei bestand aus zwei T-Shirts, die der Designer in Oberteil und Shorts verwandelte. In Look drei, einem asymmetrischen Kleid, steckten drei T-Shirts. In zwanzig Outfits brachte Karaleev damals insgesamt 210 T-Shirts unter. "Daraus sollte aber kein Quatsch entstehen, sondern eine Komposition", sagt er heute. "Wenn man meine Mode kauft, dann möchte ich die Idee dahinter mitgeben."
Da ist zum Beispiel eine papierdünne Seidenbluse aus seine Reformations-Kollektion. Man könnte annehmen, sie sei nur provisorisch abgesteckt worden, der Stoff an den Seiten zu Taschen gefaltet, die Ärmel hochgerollt, der Saum nicht vernäht. Dabei sind offene Nähte alles andere als ein Provisorium in Karaleevs Label. Sie sind sein Markenzeichen.
- Datum 07.07.2011 - 16:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...lauter dicke Leute sitzen da und gucken sich Klamotten an, die sie selbst nie tragen werden können.
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