New York Fashion Week : Die Alexander McQueens aus Korea

Während einheimische Talente für ihre braven Entwürfe gescholten werden, stärken Designer aus Südkorea den asiatischen Einfluss auf die New Yorker Mode.
Ein Entwurf des chinesisch-stämmigen Designers Derek Lam für Sommer 2012 © Frazer Harrison/Getty Images for Mercedes-Benz Fashion Week

Bereits am zweiten Tag der New York Fashion Week regte sich die Modekritikerin der New York Times, Cathy Horyn, mächtig auf. Zu viel Braves und Verkäufliches ging ihrer Meinung nach über die Laufstege der Stadt: "Man fragt sich, was die jungen Designer von der heutigen Zeit halten. Gibt es nichts, das sie beschäftigt? Nichts, das sie mit Energie und Überzeugung vermitteln möchten? Oder fürchten sie, jemandem auf die Füße zu treten?"

Im Reigen der Modestädte verkörpert New York die etablierte Position. Was auf der New York Fashion Week gezeigt wird, gilt in erster Linie als tragbar und der Formensprache klassischer Sportswear verpflichtet. Statements, Konzepte und Experimente überlässt man dagegen den Europäern. Oder, wie es jetzt scheint, den Asiaten.

Auf der gläsernen Galerie der Avery Fischer Hall im New Yorker Lincoln Center beobachtet das aufgekratzte Publikum die Models, die auf Podesten arrangiert sind. Sie präsentieren die Gruppenschau "Concept Korea", bei der fünf koreanische Designer ihre Kollektionen präsentieren. Glänzende Stoffe, knall-bunte Farben und harte Materialkontraste: Die Mode wirkt auf den ersten Blick grell, vielleicht stellt sie aber auch nur unsere Sehgewohnheiten auf die Probe.

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild © Mike Coppola/Getty Images for Mercedes-Benz Fashion Week

Lie Sang Bong spielt in seiner Frühjahrskollektion mit abstrakten geometrischen Mustern und einer exzentrischen Mischung aus metallisch schimmernden und wollig matten Materialien. Der Designer gilt als Alexander McQueen Koreas und kleidet Popstars wie Lady Gaga und Beyoncé ein. "Ich habe mich immer gewundert, dass nur so wenige koreanische Designer den Weg in den Westen finden. Jetzt ändert sich das," sagt Lie Sang Bong lächelnd.

Seine vier Mitstreiter kennt außerhalb Asiens noch kaum jemand. In Südkorea sind sie alle etabliert und bekannt. Son Jung Wan beispielsweise ist die meistverkaufte Designerin des Landes, sie besitzt 37 Läden. Ihre Kollektion besteht hauptsächlich aus Kleidern in Beige- und Blautönen. Die italienische Insel Capri habe sie zu den fließenden Silhouetten in hochglänzenden Stoffen inspiriert, sagt die Designerin. Ihr tiefes Blau ist der La Grotta Azzura entlehnt.

In den USA schaut man schon länger auf Designer mit asiatischen Wurzeln: Phillip Lim, Alexander Wang, Derek Lam, Jason Wu und Richard Chai eint ihre Biographie als Einwanderer-Kinder. Als Rebellen gelten sie jedoch nicht. Eher schon als behutsame und kommerziell erfolgreiche Erneuerer der amerikanischen Formensprache.

Die Rolle des Provokateurs könnten nun die jungen Koreaner übernehmen: Juyoung zeigt eine Kollektion für Männer mit einer Vorliebe für Technisches. Seine Uniform-Jacken und schweren Trenchcoats sind aus Neopren, PVC und einem Stoff, der sich Shape Memory nennt. Egal wie man ihn faltet, knautscht und wendet – er kehrt immer wieder zu seiner ursprünglichen Form zurück.

Die "Concept Korea"-Show hat New York das Kantige und Außergewöhnliche geschenkt, das Cathy Horyn bisher vermisst hat. Nun müssen es die jungen koreanischen Designer nur noch vom Nebenprogramm auf die Hauptbühne schaffen.

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