Modeförderung Berlins junge Designer – sexy aber arm
Berlin will sich als Modestadt etablieren. Die finanzielle Unterstützung von Jungdesignern soll dabei helfen. Doch im Vergleich zu London fließt immer noch zu wenig Geld.
© Mercedes Benz Fashion Week Berlin

Ein Entwurf aus Hien Les Frühjahr-/Sommerkollektion 2012, die er im Juli in Berlin präsentierte.
"Eine Stunde", sagt Cimen Bachri und lacht. "Eine Stunde war das Geld auf unserem Konto." Sie sitzt in der Küche ihres Kreuzberger Ateliers. Wie ihre Geschäftspartnerin Derya Issever stammt sie aus einer türkischstämmigen Familie. Zusammen gründeten sie 2010 Issever Bahri.
Ihre Mode ist perfekt und avantgardistisch geschnitten und mit filigranen Häkelarbeiten aus Leder düster-poetisch aufgeladen. Dafür hat sie die zehnköpfige, aus Journalisten, Designern und Investoren bestehende Jury mit dem zweiten Platz beim wichtigsten Modewettbewerb der Hauptstadt Start your Fashion Business ausgezeichnet. 15.000 Euro bekamen sie. Eine Stunde, dann war das Geld ausgegeben – "und das stimmt auf den Cent und auf die Minute", betont Bachri – für offene Rechnungen von Stoffhändlern, Schneidern, fleißigen Helfern.
In Start your Fashion Business, kurz: SYFB, investiert der Berliner Senat jährlich 100.000 Euro, es werden Preisgelder, aber auch Sachleistungen wie Beratungsprogramme oder Messeteilnahmen vergeben. Auf diesem Weg will der Senat junge Talente an den Berliner Standort binden, "die Infrastruktur noch verdichten", wie es offiziell heißt. Wer sich bewirbt, muss einen Businessplan einreichen und möglichst schon eigene Kollektionen entwerfen. Die Jury hat in diesem Jahr mit Issever Bahri, Augustin Teboul und Hien Le drei Labels ausgewählt, die schon zu den neuen Berliner Design-Hoffnungen gehören.
Vier Monate ist es jetzt her, dass Issever Bahri während der Berliner Fashion Week im Römischen Hof ihre Entwürfe präsentierten. Der Gewinn hat ihnen eine Verschnaufpause verschafft. "Das ist gut", sagt Derya Issever. Sie konnten ihre Schulden tilgen und bei Null starten. "Das soll keinesfalls wie eine Beschwerde klingen – wir sind dankbar für den Preis. Aber wer Designer mehr als punktuell unterstützen will, muss mehr Geld in die Hand nehmen."
Bedenkt man die Kosten, die bei der Produktion einer Kollektion anfallen – von der Präsentation während der Fashion Week, der Ateliermiete und den eigenen Lebenshaltungskosten ganz abgesehen – sind 15.000 Euro nicht viel. Zum Vergleich: Der Gewinner des BFC/Vogue Designer Fashion Fund, den das British Fashion Council jährlich zusammen mit der britischen Vogue verleiht, erhält 200.000 Pfund.
"Eine enorme Erleichterung wäre, wenn die Finalisten des Senatspreises früher feststehen würden", sagt Bachri. Sie erfuhren Anfang Juni, sprich einen Monat vor Kollektionspräsentation, dass sie zu den letzten drei gehörten und somit mindestens 10.000 Euro gewonnen hatten. Bei einem weiteren britischen Wettbewerb, dem Fashion Fringe, werden die Finalisten schon drei Monate vorher informiert; ihnen werden Personal, Geld und Berater zur Seite gestellt, so dass sie sich auf die Arbeit an ihrer Kollektion konzentrieren können. "Wenn man früher diese Sicherheit hat, geht man ganz anders an die Planung heran", sagt Cimen Bachri.
In einem frisch ausgebauten Dachgeschoss in Neukölln leben und arbeiten Annelie Augustin und die Französin Odély Teboul. Die beiden lernten sich während ihres Studiums in Paris kennen. Für ihre Kollektionen, bei denen sie traditionelles Handwerk mit moderner, dramatischer Eleganz verbinden, erhielten sie den ersten, mit 25.000 Euro dotierten Euro Preis.
- Datum 16.11.2011 - 12:59 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk
Die Hauptstadt fördert mit Geld die Modeindustrie in Berlin. Daneben werden noch Modemesse gefördert - was kostet allein der Standort Tempelhof. Aber ist das Geld gut angelegt? Was passiert, wenn die Subventionen aufhören? Gehen dann die Designer nach London? Wieviel richtige Jobs werden so geschaffen? Geht es um die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadt - oder um "sexy" Termine für den Regierenden?
"... muss mehr Geld in die Hand nehmen."
Dann wenden Sie sich doch mal an ihre etablierten Kollegen und die Wirtschaft zwecks Nachwuchsförderung, statt nach staatlicher Stütze zu rufen.
Das wäre übrigens ein tragfähiges Modell, von dem man leider wenig hört: wer heute gefördert wird, fördert morgen selbst.
Also wo bleibt das Geld der Kreativen (nicht nur aus der Hauptstadt) für den Kreativnachwuchs?
Solange die Exhibitionisten uns nicht mit ihrer Show in der U-Bahn auf den Zeiger gehen.
Vielleicht sollte Berlin einfach mal lernen sich am Markt zu bewähren, statt noch mehr in die roten Zahlen zu gehen und das Geld aus dem rest Deutschlands ab zu saugen.
Wenn man an Mode denkt, denkt man an Mailand Paris und New York in Deutschland an Düsseldorf.
Aber selbst in meiner Heimatregion Ostwestfalen gibt es mehr angesagte Modelabels als in Berlin.
Die sollten einfach mal mit der Geldverbrennung aufhören und sich wie alle anderen auch am Markt durch den Verkauf von Kleidung finanzieren!
Wenn Mode in Deutschland gefördert werden soll,
dann da wo es Teilnehmer gibt die zumindestens eine Erfolgsperspektive haben und den Erfolgswille.
Leider wird in der DRR 2.0 immer nur geschaut wie der Staat noch mehr Geld verschwenden kann.
Also macht Kleidung die man kaufen kann!
(Und coole Events wie den Amerikan Apreal Lager Verkauf in der Arena...)
ebenso ab, wie die Architektur an der Berliner "Traufhöhe".
Von Stil und Herausragendem weit und breit keine Spur.
da bleibt halt nicht viel übrig für die Mode.
Sarrazin weiß, wo das Geld gebraucht wird, er war ja Finanzsenator.
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