Wenn die Produkte von Katerina Jebb käuflich wären, Jebb wäre Trilliardärin. Für ihre neueste Arbeit Simulacrum and Hyperbole hat die britische Fotografin und Video-Künstlerin einen fantastischen Fernsehkanal erfunden: Lucid TV, reines Teleshopping. Sieben Produkte werden dort angeboten, "7 Produkte, ohne die sie diesen Herbst nicht leben können". Die Formulierung sei "eine Satire auf die großen Versprechen der Frauenmagazine", sagt Jebb, die Zahl eine Anspielung auf die sieben Sünden.

Was genau gibt es bei Lucid TV? Real Woman auf Bestellung: Eine Frau, groß, bombastisch gebaut, rote, lange Haare, großer Busen. Die ironische Unterzeile lautet: "The real thing, only better". Dann gibt es die Creme Life Eraser. Botschafterin (so werden heutzutage die Models genannt, mit deren Hilfe Firmen wie L’Oreal ihre Cremes verkaufen) ist Tilda Swinton. Die Oscar-Preisträgerin ist in Jebbs Video hingerissen davon, Creme-Botschafterin zu sein, denn die Creme strafft nicht nur die Haut besser als jede Operation, die Extrakte von Life Eraser dringen ins Gehirn ein und eliminieren die Vergangenheit, alles Unliebsame.

In Paris wird die Installation Simulacrum and Hyperbole zum ersten Mal in der Galerie Trading Museum gezeigt, ein im Oktober 2011 eröffnetes Projekt des japanischen Avantgarde Labels Comme des Garcons. Die Galerie befindet sich versteckt im dritten Hinterhof der 54, Rue Faubourg Saint Honoré. Die Künstlerin ist hier meistens anwesend: Katerina Jebb ist 49 Jahre alt, von ihrem Charakter her ein Punk, und von ihrem Kleidungsstil ein Hippie. Ein teuer gekleideter, Celine-Chloé-Yves-Saint-Laurent-Hippie. Am liebsten trägt sie Karamelltöne, dunkelgrün oder weinrot – englische Farben. Die leicht gewellten Haare sind sehr lang, die Nägel kurz und unlackiert, das Gesicht ungeschminkt.

Geboren ist Jebb Anfang der sechziger Jahre im Nordwesten Englands. Ihre Eltern sind streng und religiös, die Tochter bekommt eine elitäre Ausbildung an einer Klosterschule, lernt Latein, Griechisch und alles über Gott. "Ich konnte es kaum erwarten, von zu Hause zu flüchten. Zu viel religiöse Indoktrination, zu viel Moral", sagt Jebb.