Haute Couture SchauenDie Rückkehr der Glamourgirls

Nach acht Jahren zeigte das Modehaus Versace wieder eine Haute Couture Kollektion in Paris. Die Krönung eines beschwerlichen Wegs zurück an die Spitze der Mode.

Hat die richtigen Kanten: Versaces Haute-Couture-Kollektion für den Sommer 2012

Hat die richtigen Kanten: Versaces Haute-Couture-Kollektion für den Sommer 2012

Perlen, Spitze, mit Laser geschnittene Seide und hauchdünne Metallriemen, das alles auf den Körper gegossen wie eine zweite Haut. Mehr Zutaten brauchte Donatella Versace nicht, um ihre Gäste für sich zu gewinnen. Vergessen war beim Anblick dieser glänzenden Couture-Kriegerinnen, dass das goldene Plastik-Dekor im Saal der École des Beaux Arts am Ufer der Seine ein bisschen billig aussah, vergessen auch die Callas, die übertrieben dramatisch aus den Boxen tönte. 15 Models schickte Versace in unifarbenen Kleidern in durchscheinenden Grautönen, Gold, Zitronengelb, Orangerot und Limettengrün die riesige goldene Treppe des Saales Melpomène hinunter und jedes Kleid bestätigte, dass die Entscheidung des italienischen Modehauses nach acht Jahren Abwesenheit wieder eine Haute Couture Kollektion in Paris zu zeigen, richtig war.

Gekommen waren nicht nur die Schauspielerinnen Cameron Diaz, Diane Kruger und Ludivigne Sagnier, die für ein Unternehmen wie Versace die beste Werbung sind, wenn sie irgendwo auf der Welt in einem Versace-Kleid über einen roten Teppich laufen. Auch die New-York-Times-Modekritikerin Suzy Menkes und die beiden Vogue-Chefinnen Anna Wintour und Emmanuelle Alt wollten die 56-jährige Versace, wie immer gezwängt in ein enges schwarzes Minikleid, die platinblonden Haare streng geglättet, bei ihrer Rückkehr auf den Gipfel der Mode mit warmen Worten in Empfang nehmen.

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Und die sichtlich nervöse Designerin genoss den Zuspruch der Kritikerinnen, hatte sich die Modepresse doch bald nach dem Tod des Firmengründers Gianni Versace von ihr und ihrer geerbten Firma abgewandt. Als Versace 1997 vor den Stufen seiner Villa in Miami ermordet wurde, machte das Haus sofort seine elf Jahre jüngere Schwester Donatella zur Kreativchefin. Gianni Versace war damals mit seiner auffälligen Bling-Bling-Mode, seinen berühmten Freunden und seinem verschwenderischen Lebensstil eine Institution des verwöhnten Jetset. Der Medusen-Kopf im Logo sah einer rosigen Zukunft entgegen, Versace war auf dem Weg ein Modegigant wie Gucci oder Giorgio Armani zu werden.

Versace wagt den Spagat zwischen H&M und hochwertiger Handarbeit

Doch unter dem Druck, dieses Versprechen einzulösen, fiel Donatella in eine schwere Drogensucht. Irrationale Unternehmensführung und kreative Fehlentscheidungen waren die Folge. Langjährige Versace-Kunden wanderten ab zur italienischen Konkurrenz, kauften Gucci, Dolce & Gabbana und Roberto Cavalli, wichtige Einzelhändler wie das New Yorker Kaufhaus Bergdorf Goodman schmissen die Marke aus dem Sortiment. Unter Donatella sah Versace seine Umsätze innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte schrumpfen.

Erst der 18. Geburtstag von Versaces Tochter Allegra brachte die Wende. Freunde und Familie organisierten im Juni 2004 eine Feier, bei der die zugedröhnte Designerin vor versammelter Runde mit ihrer Sucht konfrontiert wurde. Am selben Abend noch soll sie nach Arizona in eine Entzugsklinik geflogen sein. "Wenn Du jeden Tag Kokain nimmst, funktioniert dein Gehirn irgendwann nicht mehr", sagte sie im Jahr darauf der amerikanischen Vogue. Mit Donatellas Läuterung begannen auch Sparmaßnahmen und Entlassungen, um das gebeutelte Modehaus zu sanieren.

Von diesem Tiefpunkt aus hat sich Donatella Versace Stück für Stück die Zuneigung des Jetset und damit auch jener Käufer, die sich wenigstens ein Stück Jetset-Leben in den Kleiderschrank hängen möchten, zurückerobert. Zuletzt trug die Sängerin Lady Gaga in einem ihrer Videos Versace, Angelina Jolie kam Anfang Januar in einem hautengen Satin-Kleid des Labels zur Verleihung der Golden Globes. Seit sich das Designteam rund um Donatella Versace auf das konzentriert, was die Marke einst groß gemacht hat, respektiert auch die Modewelt die Mailänder wieder. Givenchy-Designer Riccardo Tisci ließ sich zuletzt von Versace-Klassikern inspirieren und im vergangenen Jahr bot die Modekette H&M Donatella Versace eine Kooperation an. Damit stand der Name Versace wieder in einer Reihe mit Karl Lagerfeld, Lanvin und Comme des Garçons. Im November 2011 kam das kleidgewordene Versace-Best-Of für Preise zwischen 50 und 200 Euro in die Läden der Schweden, seither schreiben die Italiener wieder schwarze Zahlen.

"Die Verkaufszahlen steigen kontinuierlich", sagt auch Elke Brämer vom Departmentstore Quartier 206 in Berlin. Dort wird die Prêt-à-porter-Kollektion seit vier Saisons angeboten. Die Kundinnen stammten vor allem aus der Unterhaltungsindustrie und der Musikbranche, sagt Brämer. "Durch die H&M-Kooperation kommt aber auch immer mehr junges Publikum in die Boutique, um nach der Marke zu fragen."

Strategisch ist es natürlich geschickt, direkt im Anschluss an diese Kooperation mit einer Haute Couture Präsentation klar zu stellen, dass Versace auch für Eleganz und hochwertige Handarbeit steht. "Das hat mir alles so gefehlt," sagt Donatella Versace nach der Präsentation, "Paris, die Haute Couture". Obwohl das Atelier Versace auch in den vergangenen acht Jahren für besondere Kunden Einzelstücke gefertigt hat. Nur gab es keine Präsentationen für die Presse. Die bekam nun moderne, dank der perfekt eingepassten Metallriemen fast dreidimensionale Kleider zu sehen, die eindeutig Donatellas Handschrift tragen. Aber eben auch den Namen Versace.


 

 
Leserkommentare
  1. Wenn die Namen bei H%M sind sollte die Zeit auch drueber schreiben, das macht die Mode dann demokratisch...vom Preis her

    • essilu
    • 26.01.2012 um 14:45 Uhr

    ...hochwertige Handarbeit wieder mehr gefragt würde, wäre das sehr erfreulich. Besonders für die, die das hochwertige Handwerk noch beherrschen, weil sie es einmal erlernt haben.

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