Vezzoli liebt die Dekonstruktion
© Jina Khayyer

Palais D’Iena in Paris
Vezzoli drehte mit Cate Blanchet, mit Natalie Portman, mit Sharon Stone und jetzt gerade erst mit der Golden-Globe-Gewinnerin Michelle Williams. Er garantiert allen, dass seine Arbeiten unverkäuflich sind. Auch das ist Teil seiner Kunst. Es ist seine Antwort auf das überkommerzialisierte Hollywood, auf die überkommerzialisierte Kunstwelt und auf die seiner Meinung nach verrückte Tatsache, dass es heute reicht, sich in Anwesenheit eines Prominenten zu zeigen, um seinen gesellschaftlichen Wert zu bestimmen. Vezzoli weiß natürlich, dass Letzteres ihm selbst zu Aufmerksamkeit und Ruhm verholfen hat. Sein Galerist Larry Gagosian ist wohl der am meisten Gewinnorientierte im Kunstgeschäft. Und doch hat Vezzoli Gagosian überzeugen können, dass seine Kunst nicht zu verkaufen ist.

Jina Khayyer, geboren 1975, studierte am Bauhaus in Dessau Malerei und später Journalismus. Sie verantwortete unter anderem Elle Girl, schreibt für die FAZ, 032c und die internationalen Magazine Fantastic Men und Gentlewomen. Seit 2006 lebt und arbeitet die Autorin und Dozentin in Paris. Für ZEIT ONLINE berichtet Jina Khayyer aus aller Welt über Mode.
"Gerade beginnt eine neuer Abschnitt für mich. Ich habe meine Gefühle der Celebrity- und Medienkultur gegenüber ausgereizt und aufgehört, mit Stars zu arbeiten. Jetzt wird es Zeit für was Neues, ich möchte Skulpturen machen." Für die bedient er sich, wie schon bei seinen Arbeiten zuvor, an Elementen aus der Kunstgeschichte und dekonstruiert sie. In New Orleans beispielsweise hat Vezzoli eine Giorgio-de-Chirico-Skulptur nachgeahmt und als Kopf Sophia Loren in Bronze darauf gegossen. "Ich mag es, Dinge aus dem intellektuellen Kühlschrank heraus zu nehmen, respektlos mit der Vergangenheit umzugehen und dadurch etwas Neues Entstehen zu lassen."
Auch im Palais D’Iena spielt Vezzoli mit gefälschten Skulpturen. Digitale Prints von bekannten Marmorskulpturen wurden auf Leuchtboxen aufgezogen. Die Köpfe durch Papierkollagen ersetzt: Natalie Portman ist darauf zu erkennen, Cate Blanchet und Michelle Williams. Noch einmal die alten Bekannten, die bei der Eröffnung auch anwesend sind. Dann wird mit allen zu Abend gegessen, aber es muss schnell gehen. Das 24-Stunden-Programm ist eng getaktet: Dîner, Disco, Defilée, Eröffnung für das breite Publikum, Schulführungen, Finissage. Am 25. Januar um Punkt halb neun abends ist Schluss. Das neon-pinkfarbene Licht geht aus. Zu kaufen gab es nichts.
- Datum 27.01.2012 - 16:58 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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