Pop-up-MuseumUnverkäufliches bei Prada

Der Künstler Francesco Vezzoli spiegelt in seinen Werken den schönen Schein Hollywoods. In Paris hat er dafür ein eigenes Museum bekommen – für 24 Stunden.

Miuccia Prada und Francesco Vezzoli

Miuccia Prada und Francesco Vezzoli

Auf dem Boden des Palais D’Iena, der Handelskammer für Finanzen und Umwelt in Paris, liegt ein langer, himbeerfarbener Teppichstreifen aus Flokati. Die Wände sind in neon-pinkfarbenes Licht getaucht, beides hat sich der Architekt Rem Koolhas ausgedacht für Miuccia Prada. Die hat seit einem Jahr eine Art Sondergenehmigung der Stadt Paris und darf im Palais d’Iena Mode- und Kulturevents veranstalten. Prada wird in Paris ernst genommen, nicht nur als Designerin, auch als Kunstsammlerin und -förderin mit beträchtlichem Kapital. Vor mehr als zehn Jahren hat sie ihre Prada Stiftung gegründet, die Künstler mit Stipendien ausstattet und Ausstellungen ausrichtet. Seit drei Jahren veranstaltet Prada zusätzlich kurzweilige Pop-up-Kunstevents – Ausstellung, die irgendwo für eine kurze Zeit aufgebaut werden und schnell wieder verschwinden – auf denen sich die Reichen und Schönen treffen. Diese Woche gab sie für genau so ein Event das Palais D’Iena für 24 Stunden dem italienischen Performance- und Videokünstler Francesco Vezzoli.

Dass Künstler und Modedesigner zusammenarbeiten, ist nicht neu. Aber seit Elsa Schiapparelli und Salvador Dalí gab es kaum eine Zusammenarbeit ohne kommerziellen Hintergrund. Vezzolis Videokunst dagegen ist bislang unverkäuflich. Nicht weil niemand die Videos haben möchte, in denen Vezzoli ausnahmslos Hollywoodstars auftreten lässt. Er will sie einfach nicht verkaufen. Sie sind nur für den Moment gemacht, in dem er sie zeigt. Für das New Yorker Guggenheim Museum beispielsweise hat Vezzoli das Pirandello Theaterstück Wenn es Ihnen so scheint neu geschrieben und mit Cate Blanchet, Natalie Portman und Anita Ekberg aufgeführt. Mit minimalem Budget und nur in einer Nacht. Damals entwarf Miuccia Prada für die Schauspielerinnen die Kostüme, so lernten sich der junge Künstler und die Modemäzenin kennen.

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Wovon lebt ein Künstler, der seine Arbeiten nicht verkauft? "Ich bin sparsam und führe keinen pompösen Lebenstil. Ich habe beispielsweise nicht mal ein Zuhause. In Mailand, wo ich die meiste Zeit verbringe, lebe und arbeite ich im Showroom von Flos," sagt Vezzoli. Am Nachmittag vor der Eröffnung des 24-Stunden-Museums sitzt er beim Essen im Hotel Costes. Er ist groß, schlank, sportlich, spricht fließend Englisch, mit einem charmanten italienischen Akzent. Flos ist ein Leuchtenhersteller. "Achille Castiglioni hat die Räume in den achtziger Jahren gestaltet. Damals war es in Italien üblich, Gästezimmer in großen Firmen einzugliedern. Wenn niemand Wichtigeres da ist, lebe und arbeite ich dort." Besitz impliziere Verantwortung, Ängste und Versicherungen – und mit diesen Dingen wolle er so wenig wie möglich zu tun haben, sagt Vezzoli. Vielleicht liegt seine Abneigung daran, dass Besitz und die Verantwortung dafür in Brescia, wo seine Familie auch heute noch lebt, das Wichtigste waren. "Es ist die absolute Provinz. Manchmal denke ich, man sieht das meinen Arbeiten an: die Phantasien eines Jungen aus der Provinz von der großen, glamourösen Welt."

Weil die Arbeiten unverkäuflich sind, machen die Stars mit

Tatsächlich hat Francesco Vezzoli immer davon geträumt, von den schönen, reichen und einflussreichen Menschen seiner Zeit umgeben zu sein. Kunst sollte ihm den Weg dahin ebnen, also ging er Anfang der 1990er Jahre nach London an das Central Saint Martins College. Nach dem Abschluss kam New York, wo er noch Architektur studieren wollte. Aber Vezzoli brach ab und beschloss, doch als Künstler zu leben und zu arbeiten. Er wollte Kurzfilme drehen, Seifenopern, Theaterstücke schreiben. Nicht für Hollywood und nicht für den Broadway, sondern fürs Museum.

"Ich wollte einen Weg finden, die Menschen in Bewegung zu zeigen, die Andy Warhol als Abpausbild für seine Siebdrucke genommen hätte," sagt Vezzoli. Das erkläre, warum er von Anfang an ausschließlich mit sehr bekannten Schauspielerinnen arbeiten wollte. "Wie man große Stars bekommt? Geld konnte ich keines anbieten, also dachte ich mir, ich schicke Blumen. Wunderbare, große Blumensträußen. Und ich habe ihnen Briefe geschrieben, in denen ich erklärt habe, das Projekt ist nur für Sie gemacht." Es funktionierte jedes Mal.

Leserkommentare
  1. in der kunst: eine ausgelutschte methode von gestern

    • k2
    • 23.02.2012 um 8:40 Uhr

    Gegen Gucci in Milano gestern hat heute Prada um 18.00 Uhr einen schweren Stand
    http://www.youtube.com/wa...
    Wie Estée Lauder & Emporio Armani ist Prada an der Via Fogazzaro Nr. 36 nicht an den Mann zu bringen.

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