Strick von AlludeKaschmir für Paris

Nur wenige deutsche Modehäuser präsentieren ihre Kollektion im Rahmen der Pariser Fashion Week. Am Mittwoch gab die Allude-Macherin Andrea Karg dort ihr Debüt. von 

Warme Rottöne bestimmen die Kollektion für den Herbst.

Warme Rottöne bestimmen die Kollektion für den Herbst.  |  © FRANCOIS GUILLOT/AFP/Getty Images

Andrea Karg gehört zu den wenigen Designern, die mit freiwilliger Selbstbeschränkung erfolgreich sind. Mit ihrem Label Allude fertigt sie seit 1993 Mode aus dem immer gleichen Material: Kaschmir . Am Mittwoch präsentierte sie ihre Kollektion zum ersten Mal offiziell im Rahmen der Pariser Fashion Week . Allude gehört damit zu den wenigen deutschen Unternehmen, die dort vertreten sind. 

"Es ist ein tolles Gefühl, hier zu sein," sagte Karg vor Beginn der Schau, die in der Galerie Sud-Est im prächtigen Grand Palais gezeigt wurde – in direkter Nachbarschaft zu dem großen Glaskuppelbau, in dem am Vortag noch Karl Lagerfeld seine neue Chanel-Winterkollektion präsentiert hatte. Eine gute Adresse für ein Debüt in Paris .

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Von Paris habe sie damals schon geträumt, als sie ihr Label gründete, so Karg. "Ich war aber realistisch genug, um mir zu sagen: jetzt machen wir erst mal unsere Hausaufgaben." Die 49-Jährige war damals Rechtsreferendarin und bereits Mutter von Zwillingen. Um ihre Idee eines modernen Kaschmir-Labels Wirklichkeit werden zu lassen, flog sie alleine nach China und suchte geeignete Produzenten.

Ihre erste Kollektion waren schmal anliegende V-Neck-Pullover in 15 Farben. Heute hat Allude alleine in Deutschland 200 Verkaufsstellen. Etwa 700 sind es weltweit. Vor allem in Frankreich hat das Label viele Anhänger: "Wir sind schon seit sieben Jahren sehr erfolgreich auf dem Markt, haben sehr viel Unterstützung von Vogue , Elle oder L’Officiel . Da war es nur die logische Konsequenz nach Paris zu gehen," sagte die Designerin.

Andrea Karg nach der Schau am Mittwoch

Andrea Karg nach der Schau am Mittwoch  |  © FRANCOIS GUILLOT/AFP/Getty Images

Doch die Aufnahme in den offiziellen Kalender der Fédération Française de la Couture ist keineswegs selbstverständlich. Manche Firmen bewerben sich über viele Jahre, bevor der Schneiderverband sie akzeptiert. Bei Allude klappte es gleich beim ersten Anlauf. "Die Fédération nimmt nicht jeden," bestätigte Jean Paul Cauvin der Modefachzeitschrift Fashion Daily News , der wegen des Debüts der Deutschen in die Galerie Sud-Est gekommen war. "Andrea Karg verkörpert gewisse Codes, die für die Aufnahme wichtig sind," sagte er. "Sie ist die Eigentümerin ihrer Marke, das ist für Paris ein entscheidender Faktor. Karg ist eine echte Modeschöpferin, nicht nur jemand, der aus Marketingzwecken an die Spitze eines Hauses gestellt wird."

Karg selbst glaubt, dass vor allem die Konzentration auf Kaschmir für die Aufnahme ausschlaggebend gewesen sei: "Dass wir uns über so viele Jahre mit einem Material auseinandersetzen und die Möglichkeiten der Verarbeitung weiterentwickeln, hat mit Sicherheit Interesse geweckt." Auch Jean Paul Cauvin ist dieser Meinung: "Mit Kaschmir trifft sie den Nerv der Zeit. Mich wundert es nicht, dass Allude gerade jetzt in den Kalender aufgenommen wird."

Das Interesse an Kargs Kollektion war groß. Im Saal wartete internationales Publikum, aber auch die versammelte deutsche Presse, um die Designerin zu unterstützen. 26 Modelle schickte die Designerin über den Laufsteg. Mehr Entwürfe braucht sie nicht, um zu beweisen, dass Kaschmir sich für mehr eignet als klassische Pullover und Strickjacken. Bei Karg wird daraus eine vollständige Garderobe. Schmale Röcke fürs Büro, figurbetonte Kleider für den Abend, Hosen, Blazer, Mäntel und Tops, Karg präsentierte eine abwechslungsreiche Kollektion in kräftigen Beeren- und Rosttönen. Jean Paul Cauvin über die Schau: "Das hatte überhaupt nichts Rückständiges, die Volants und Formen sind auch etwas für Frauen, die ausgefallene Mode mögen." Für ihn sei es schön zu sehen, dass mit Allude ein deutsches Label im Programm sei. Cauvin: "Davon haben wir hier nicht viele."

Im Unternehmen herrscht eine familiäre Atmosphäre

Allude ist mit Talbot Runhof das zweite deutsche Modehaus im offiziellen Programm der Pariser Fashion Week. Als "deutsch" würde Karg ihre Mode aber nicht bezeichnen. In einer globalen Welt wie der unseren könne man Mode nicht mehr so einfach einer Nationalität zuordnen, findet sie. Ihre Kollektionen seien ohnehin für den internationalen Markt bestimmt. "Aber unsere deutsche Disziplin kommt uns sicher zugute. Wir haben eine fast preußische Arbeitsmoral," sagt sie. "Glamour ist wunderschön, aber dahinter steckt beinharte Arbeit."

Bei Allude in München gehe es dennoch familiär zu, mittags werde zusammen gegessen, sich auch privat ausgetauscht. Die meisten Mitarbeiter kennt Andrea Karg schon seit vielen Jahren. Ihre erste Assistentin arbeitet heute immer noch für sie. "Es ist eine unserer Stärken," so Karg, "wir haben eine tolle Stimmung in der Firma."

Am Ende der Show hatte sich am Eingang zum Backstagebereich schnell eine kleine Schlange gebildet. Journalisten, Freunde, Bekannte, alle wollten Andrea Karg zur gelungenen Premiere gratulieren. Auf die Frage, was sie sich für die Zukunft für Allude wünsche, antwortete sie: "Ich hoffe, dass es uns gelingt, trotz Wachstum unsere familiäre Atmosphäre beizubehalten." Andrea Karg hat Bodenhaftung. Daran können auch Paris und der Grand Palais nichts ändern.

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Leserkommentare
  1. ...für Frau Karg! Großartiges Talent, noch dazu kommt sie super sympathisch und bodenständig rüber. Weiter so!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Paris | Kaschmir | Modeschöpfer | Vogue | Atmosphäre | China
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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