Sein neues Haus ist gerade fertig geworden. In den Hollywood Hills, mit Blick über das Lichtermeer von Los Angeles . Hier lebt Hedi Slimane zusammen mit seinem Lebensgefährten. Vor sechs Jahren hat sich der Designer mit dem derzeit radikalsten Geschmack nach Los Angeles zurückgezogen und konzentriert sich seither auf seine Fotografie. An den Bildern, die er täglich auf seinem Blog Hedi Slimane Diary postet, lässt sich Slimanes ästhetische Welt ablesen, die bevölkert wird von modernen Mick Jaggers. Das Kaputte, Raue wird in Slimanes Augen glamourös. Die Art und Weise wie er sich selbst kleidet, seine Autos, sein Haus, sein gesamter Besitz sprechen die gleiche Sprache, Slimane macht da keine Kompromisse. Ab sofort wird er so auch wieder Mode entwerfen, bei Yves Saint Laurent (YSL). Am vergangenen Montag hat der bisherige YSL-Designer Stefano Pilati seine letzte Kollektion über den Laufsteg geschickt.

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Zuletzt machte Slimane Mode für Dior Homme, eine Marke, deren Grundstein er selbst gelegt hat. Vor Slimane gab es für Männer von Dior nur Krawatten und Socken. Er entwickelte eine komplette Kollektion und mit ihr eine Marschrichtung, der Jedermann folgen wollte. Extra schmale Hosen, weiße Hemden, schmale Krawatten, Sakkos, Stiefeletten, alles schwarz oder weiß – das Äußerste war mal etwas Graues. In der Geschichte der Mode wurde kein Look so konsequent kopiert, überschwemmte derart die Straßen wie dieser. Das war schon eine Leistung.

Der Grund für Slimanes Abschied: Der heute 44-Jährige wollte die kreative Leitung des ganzen Konzerns übernehmen, doch damals entwarf die Frauenkollektion bei Dior noch John Galliano. Als Slimane nicht bekam, was er wollte, da ging er.

Bernard Arnault hat den Kürzeren gezogen

Seit einem Jahr ist John Galliano nun weg und für seine Nachfolge sind deutlich mehr Namen gefallen als es Talente gibt, die Christian Dior tatsächlich führen könnten. Auf Facebook, Twitter und in den Modeblogs wurde eine Lawine von Gerüchten losgetreten. Eines davon behauptete, Slimane solle und wolle Dior endlich übernehmen, aber Karl Lagerfeld habe sein Veto eingelegt. Aber warum sollte der Chanel-Designer Lagerfeld diese Macht über Bernard Arnault , den Eigentümer von Christian Dior und des Luxuskonzerns LVMH, haben?

Weil Lagerfeld durch sein Engagement bei Fendi, das ebenfalls zur LVMH Gruppe gehört, für ordentliche Umsätze sorgt. Wie jedes andere Billiarden-Business auch ist die Modebranche mitunter ein brutales Geschäft. Dazu kommen Sensibilitäten, die leicht zu Animositäten führen. Karl Lagerfeld , der seiner Meinung nach die Welt auf das Talent Hedi Slimanes aufmerksam machte, als er sagte "Ich habe radikal abgenommen, um Dior Homme zu tragen", fühlte sich später von Slimane gekränkt, als der wiederum sagte "Karl Lagerfelds Meinung bedeutet mir nichts." Eine an sich langweilige Affäre, die, sofern oben erwähntes Gerücht stimmt, jedoch weitreichende Konsequenzen hat.

Dior hat bis heute nicht bekannt gegeben, wer die kreative Leitung übernimmt. Seit einem Jahr liefert der interimsmäßig eingesetzte Designer Bill Gayten traurige Vorstellungen ab. Bernard Arnault hat den Scoop verpasst. Hätte er auf seine Intuition vertraut und den von ihm über so viele Jahre protegierten Hedi Slimane auf Gallianos Posten gesetzt – die Modewelt würde jetzt auf Christian Dior schauen.

Dass man sich auch bei der Konkurrenz des anderen großen Modekonzerns PPR , zu dem unter anderen Gucci und Stella McCartney gehören, nach einem neuen Kreativchef für Yves Saint Laurent umsieht, muss Arnault gewusst haben. Seit Donnerstag ist das Gerücht nun bestätigt: Hedi Slimane kommt und Stefano Pilati wird seinen Job verlieren.