Eurovision Song ContestRöhrenjeans, Glitzerflatter und Folklore

Mode und Popmusik sind Zwillingsschwestern. Was verraten die Kostüme beim Eurovision Song Contest über Trends und Massengeschmack?

Bringt das was? Den Eurovision Song Contest als Beispiel heranzuziehen, für das, was an Frauen- und Männermode derzeit in Europa so in Umlauf ist? Wer jetzt verneint, der nimmt an, dass ein Kostüm eben nur ein Kostüm ist und der Eurovision-Sänger tendenziell ein Freak. Folglich würden die Auftritte genauso wenig Alltagsrelevantes spiegeln wie die Songs den tatsächlichen Zustand der Popmusik.

Popkultur und ihre Bühneninszenierung haben aber sehr wohl Einfluss auf die Alltagsmode – und andersherum. Das zeigte sich auch beim diesjährigen Eurovision Song Contest; Freaks gab es am Samstagabend nur noch wenige. Naja, vielleicht die irischen Zwillinge in ihren Starlight-Express-Anzügen. Doch auch die legten in letzter Sekunde ihre sonst so steilen Haare in die gefällige Horizontale und folgten weniger dem abseitigen Guildo Horn als der systemimmanent durchgestylten Lady Gaga

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Den gesamten Wettbewerb dominierte bemerkenswerte Einigkeit: Die Sänger aus 26 Nationen konkurrierten fast alle im selben Koordinatensystem aus Röhrenjeans, Glitzerflatter und Folklore um die Sangestrophäe.

Dabei zeichneten sich – bei aller Modernität – die drei üblichen Kleidungsformen des Eurovision Song Contests ab: Die Moldawier zeigten eine ABBA-artige Kostümierung, die Mazedonierin stand für den Nicole-Naturalismus und nicht nur Aserbaidschan entschied sich für die klassische Dramadiva-Robe. Diesen drei Stilrichtungen waren dann doch eine ganze Reihe modischer Identitätsangebote zuzuordnen.

Pariser in Castrop-Rauxel

Enger, schwarzer Anzug, Bikerboots, dazu höchstens mal ein weißes Obenherum: Wie Hedi Slimane 2006 den Dior homme erdacht hat, so stellten ihn die Männer aus Malta, Serbien, Norwegen und Island noch immer zur Schau. Dazu gab es den achsoangesagten Materialmegatrend Leder in Form kurzer Jäckchen (Norwegen) oder im Mantel-Hosen-Komplettlook (Ungarn), weil Mode eben längst auch Männersache ist. Nichts davon stört besonders, so kann man auch in Castrop-Rauxel ein vermeintlich kantiger Pariser sein. Roman Lob hatte dagegen die anhaltende, deutsche Popsängerfeigheit in Strick auf dem Kopf. Dass Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers stolz so ein Mützchen trug, ist doch schon ein paar Jahre her.

Die dänische Straßenmusikanten-Tochter Soluna Samay trat mit einer Band an, die alle Spielarten jugendlicher Straßen- und Partyklamotte präsentierte. So stellt man sich den FC Hipster Copenhagen vor. Die Bassistin trug das Haar seitlich kurzgeschoren und die Leggins eng wie Rihanna, das Fräulein am Schlagzeug steckte in zerfetzten Jeans, Soluna Samay selbst sang in Lederhose und Zirkusjäckchen und der Cellist strich im weiten Hip-Hop-Kapuzenpullover.

Das urbane Yoga-Capoeira-Mädchen

Beim Anblick der Siegerin Loreen fühlte sich der ARD-Kommentator an eine Waldfee erinnert – wohl das einzige Attribut, das der Rundfunkjargon für eigensinnige Skandinavierinnen findet. Dabei entspricht die Schwedin mit marokkanischen Eltern viel eher dem urbanen Yoga-Capoeira-Mädchen, das heute noch in der Werbeagentur jobbt und morgen den Rucksack packt, um im Zuccotti Park gegen die Übermacht des globalen Finanzkapitalismus anzucampen. Ihr Barfuß-Boheme-Chic steht nur scheinbar im krassen Gegensatz zum Wasserwellen-Girlie im kurzen Glitzerkleid (vertreten durch die Kandidatinnen aus Zypern, Griechenland und Rumänien), hat ihn sich der Konsumkapitalismus doch längst einverleibt und zur reinen Geste degradiert.

Wer auf der Suche nach einem Fünkchen Eigenwilligkeit war, landete am Ende ausgerechnet bei Rona Nishliu aus Albanien. Sie gilt als heißeste Anwärterin auf den Barbara Dex Award, mit dem ESC-Fans jedes Jahr das grauenvollste Kostüm auszeichnen. Sowohl optisch als auch musikalisch war sie doch, nun ja, verwirrend, alles andere als alltagstauglich. Ihr Wursthaarturm wird wohl keine Sommermode werden.

 
Leserkommentare
  1. "Was verraten die Kostüme beim Eurovision Song Contest über Trends und Massengeschmack? "

    Stil hat man mit der Lupe gesucht und dann doch in Nina Zillis Auftritt gefunden in Vivienne Westwood Designer Kleid..

    http://www.youtube.com/wa...

    Grüße
    Montessori

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    Geschmack macht Einsam...Die Zeit spricht von Mode, welche denn?

    Saluti from Italy
    Montessori

    Geschmack macht Einsam...Die Zeit spricht von Mode, welche denn?

    Saluti from Italy
    Montessori

  2. Geschmack macht Einsam...Die Zeit spricht von Mode, welche denn?

    Saluti from Italy
    Montessori

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Schrottig "
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    Wer die Vertreterinnen Italiens, Griechenlands und Zypern gesehen hat, weiss warum man im Süden besser lebt.

    Sei also nicht so kritisch....Geschmack kann man nicht kaufen! :)

    Wer die Vertreterinnen Italiens, Griechenlands und Zypern gesehen hat, weiss warum man im Süden besser lebt.

    Sei also nicht so kritisch....Geschmack kann man nicht kaufen! :)

  3. Wer die Vertreterinnen Italiens, Griechenlands und Zypern gesehen hat, weiss warum man im Süden besser lebt.

    Sei also nicht so kritisch....Geschmack kann man nicht kaufen! :)

  4. bin ja sonst immer bei Dir..diesmal aber nicht ganz :)

    Griechenland und Zypern ...ist ja echt Weltmusik pur..Gelle?

    und modische Ländern sind das auch, nicht wahr?

    Ansonsten gebe ich Dir völlig recht.

    Schöne Pfingsten Amico
    Montessori

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    Hier ist aber erst nächste Woche.....julianischer Kalender zur Osterberechnung usw, Du weisst ja.

    Über die "Musik" brauchen wir nicht reden... :)

    Hier ist aber erst nächste Woche.....julianischer Kalender zur Osterberechnung usw, Du weisst ja.

    Über die "Musik" brauchen wir nicht reden... :)

  5. Hier ist aber erst nächste Woche.....julianischer Kalender zur Osterberechnung usw, Du weisst ja.

    Über die "Musik" brauchen wir nicht reden... :)

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  6. Das Kleid von Gaitana aus der Ukraine erinnert mich irgendwie an diese Lederfransen in der Autowaschanlage...

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  7. Das nenne ich doch mal international: Eine bodenturnende Marokkanerin im chinesischen Seidenkleidchen mit einem hüftschwingenden Hintergrundturner aus den Staaten mit Indianerfrisur gewinnen den europäischen Gesangs- und Hüpfwettbewerb in der asiatischen Stadt Baku. Beeindruckend...

    3 Leserempfehlungen
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    musste echt mächtig grinsen...

    Grüße
    Montessori

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    Grüße
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