Fotograf Hiroshi SugimotoSeine Bilder sind bunt und seidenweich

Bislang arbeitete der japanische Fotograf Hiroshi Sugimoto ausschließlich in Schwarz-Weiß. Seine erste Farbserie stellt er in Form von Mode vor – als Seidenhalstuch.

Der japanische Fotograf Hirosho Sugimoto im Hermès-Showroom in Paris

Der japanische Fotograf Hirosho Sugimoto im Hermès-Showroom in Paris

"Ich habe immer nur in Schwarz-Weiß fotografiert, langsam wird es für mich Zeit, etwas modischer zu werden", sagt der japanische Fotograf Hiroshi Sugimoto mit einem verschmitzten Lächeln und führt weiter durch sein Meer aus Licht, Farben und wellenschlagender Seide. Der gesamte Raum ist in weiche Farbnuancen getaucht, in eine Flut von Blau-, Gelb-, Grün- und Rottönen, die sanft ineinanderfließen. Es herrscht eine Ruhe wie in einem japanischen Zen-Tempel. Tatsächlich befinden wir uns im sechsten Stock des Hermès-Headquarters im 1. Arrondissement von Paris, nur wenige Meter von der hektischen Luxusmeile Faubourg Saint Honoré entfernt, im Showroom des Modehauses.

Normalerweise ist der lichte Raum mit Kleiderstangen gefüllt. Jetzt verraten einzig zwei Mannequins, dass es sich bei den Seidentableaus, die hier von der Decke hängen, möglicherweise um Mode handelt. Oder etwa doch um Kunst? Dazu will Hiroshi Sugimoto, der mit großer Gelassenheit seine erste Zusammenarbeit mit dem Luxusunternehmen Hermès präsentiert, vorerst nichts sagen. "Allerdings", meint er nach kurzem Überlegen, "wären das doch wirklich sehr günstige Kunstwerke." Das liegt im Auge des Betrachters: Ein Tuch der auf 140 Exemplare limitierten Carré-Edition "Couleurs de l’ombre" kostet stolze 7.000 Euro. Für ein Werk des international gefeierten Fotografen ist das in der Tat ein Spottpreis, denn seine Fotos kosten mitunter mehr als eine Million Dollar.

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Seit 2008 bittet Pierre-Alexis Dumas, der Kreativdirektor des Hauses, alle zwei Jahre einen Künstler, das Carré zu interpretieren. Wer mit dem Werk Sugimotos vertraut ist, wird von dem bunten Ergebnis dieser Zusammenarbeit überrascht sein, schließlich ist der in New York lebende Japaner bisher mehr für seine konzeptuellen Schwarz-weiß-Fotografien als für seine Leidenschaft für knallige Farbexperimente bekannt.

Seinem Ruf als "Künstlerphilosoph" mit starkem Forscherdrang macht er allerdings auch im frivolen Modegeschäft alle Ehre: Mit "Colors of Shadow", dem fotografischen Projekt, auf dem die Carrés beruhen, untersuchte er zehn Jahre lang die Natur der Farben.

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 06/12

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe 06/12

Pierre-Alexis Dumas erzählt begeistert von seinem ersten Besuch in Sugimotos Studio in Tokio: "In der Mitte des Raums stand ein glasklares Kristallprisma. Sobald das Morgenlicht hineinfiel, brach es sich darauf und bespielte die weiße Studiowand mit tanzenden Farbschatten." In dem Moment zückte Sugimoto seine Polaroidkamera und fixierte den bunten Schattentanz. Für Hermès wurden zwanzig dieser Bilder selektiert und mit einer komplexen Inkjettechnik auf die feinen Tücher gedruckt.

Und wie soll man die Carrés nun bezeichnen? Pierre-Alexis Dumas und Hiroshi Sugimoto überlegen noch einmal kurz, dann schöpfen sie spontan ein passendes Wort: "Als Art-Wear!" 

Erschienen in Weltkunst

 
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    • Schlagworte Flut | Hermès | Kunstwerk | New York
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