Manchmal können sich Modemacher trotz aller Raserei in ihrem Geschäft kurz zurücklehnen und durchatmen. Und zwar dann, wenn sie es geschafft haben, mit einer Laufstegkollektion die Straßenmode zu prägen. Ein Moment der Neuerung für Millionen – ein gutes Gefühl muss das sein. Die Pariserin Isabel Marant kann darin in diesem Sommer wieder einmal schwelgen. Vor Kurzem waren es ihre High-Top-Sneaker , Turnschuhe mit Keilabsatz, die tausendfach kopiert wurden. In diesem Sommer ist es Batik.

Die mattbunte, hippieske, volkshochschulgeprüfte Färbetechnik war nach Janis Joplin viele Jahre lang verpönt. Dank Marant aber, die es sich ihrerseits von jungen Trendsettern in Hackney oder Pigalle abgeguckt haben wird, wird Batik nun über alle Modesegmente hinweg wieder gefeiert. Von American Apparel bis Zara und von Elle Macpherson bis Drew Barrymore tut man gut daran, psychedelische Farbverläufe zu zeigen, die augenzwinkernd, aber unmissverständlich die Lockerheit des neuen Do-it-yourself verströmen (Gleiches tun auch Marants Strickpullis, die nach fröhlicher Resteverwertung aussehen).

Doch während Isabel Marant schon für den Herbst auf einen neuen Trend setzt, arbeitet eine junge Frau in Brooklyns kreativster Nachbarschaft Williamsburg beständig daran, Batik von der Folklore zur Kunstform zu erheben. Die Designerin und Künstlerin Shabd Simon-Alexander gilt als Expertin für feine Farbbad-Mode. Ihre Haltung dazu ist eigenwillig: "Ich mag es, wenn es massiv erdig, fast schon widerlich ist", sagt sie und weist dabei auf einen ihrer Entwürfe: ein Kleid, auf dem Braun, Schwarz und Blau gravitätisch wie auf einer Felswand ineinanderfließen.

Obwohl das Zufallselement beim Batiken eine große Rolle spielt, ist der Arbeitsprozess im Studio von Simon-Alexander sehr kontrolliert. Bevor sie in Produktion geht, testet die Designerin jede Farbzusammenstellungen bis zu einhundertmal. Für ihre aktuelle Kollektion sprenkelte sie Muster in Zitronengelb, Apricot und Himmelblau. Das Ergebnis erinnert nicht zuletzt an die Bilder von Mark Rothko oder Jackson Pollock , die in den fünfziger Jahren die Farbe von den Fesseln der Form befreiten.

Ihr Farbgefühl und ihre handwerkliche Präzision kommen nicht von ungefähr. Die Designerin hat Kunst an der renommierten New Yorker Tisch School of the Arts studiert, neben ihrem Modelabel arbeitet sie auch weiterhin als Künstlerin, zuletzt im Rahmen der diesjährigen Biennale des Whitney Museums . Auch ihre Industrieetage teilt sie mit Künstlern, einer ihrer Mitbewohner ist der französische Installationskünstler Antoine Catala , dessen Werke gerade in einer Münchner Galerie zu sehen sind.

Entsprechend konzeptuell muss man den Flirt der Designerin mit dem Stil der Hippies, Ökos und des White Trash verstehen, die die ursprünglich indonesische Färbetechnik Batik vor ihrer Adelung in Paris besetzt hielten. Simon-Alexander lacht viel, wenn sie berichtet, wie sie im Herbst vor knapp drei Jahren bei der Martha-Stewart-Show eingeladen war. "Wie so ein Fernsehbastler habe ich ihr vor laufender Kamera beigebracht, wie man batikt." Bei aller Zartheit ihrer Entwürfe liebt die Designerin die Provokation: Von dem Auftritt mit der Ikone der amerikanischen Mittelschicht erzählt sie besonders gern, wenn sie sich mit den Einkäufern teurer Modeläden in Manhattan trifft, die ihre Sachen verkaufen wollen.