Haute Couture SchauenParis erleben zwischen Defilee und Biskuit

Für alle, die keine Einladung zur Haute Couture haben: Die Modestadt Paris lässt sich genauso gut erleben im Hotel La Maison, bei Davé und Yves Saint Laurent. von Ulf Lippitz

Im Café de Flore kann man bei Erdbeer-Biskuit die Trends vorbeiflanieren sehen.

Im Café de Flore kann man bei Erdbeer-Biskuit die Trends vorbeiflanieren sehen.  |  © Fred Dufour/AFP/Getty Images

Durch die Pariser Rue Saint-Honoré zu spazieren, das ist selbst an trüben Abenden ein wahres Schaulaufen. So viele Modehungrige auf einen Fleck, so viele Geschäfte mit verführerischen Auslagen. Das steigert sich in diesen Tagen ins hundertfache, wenn bis zum 5. Juli die Herrenschauen und die Haute-Couture-Präsentationen an der Seine stattfinden. Wo atmet der Pariser Mode? Wo verstecken sich die Kreativen der Branche zwischen Defilee und Nervenzusammenbruch? Und wo hat der Besucher eine reelle Chance, selbst einmal den Geist der ewigen Jeunesse dorée nachzuspüren? Fünf Vorschläge, um die Stadt der Mode zu erleben.

Auf Geisterstühlen schweben im Hotel Margiela

Das Hotel La Maison gehört seit Juli 2011 zu den neuen Attraktionen der Stadt. Das Vier-Sterne-Zimmer in Spucknähe des Grand Palais bietet für Modefans ein einmaliges Design: Siebzehn Zimmer und Suiten hat nämlich das belgische Modehaus Maison Martin Margiela entworfen – ein für seine avantgardistischen Kreationen berühmte Marke, zu deren Fans der REM-Sänger Michael Stipe und die Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton gehören.

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Das Konzept der Inneneinrichtung heißt: Täuschung. An den Wänden geben Tapetendruck Tiefe vor, auf dem Teppich sind andersfarbige Läuferstrukturen eingewebt, im Restaurant sitzt der Gast auf ghost chairs – die wie in der Luft schweben, weil sie auf einem mittleren Standbein ruhen. Farblich erlaubt das Design nur zwei Töne: Schwarz und Weiß, der minimale Konsenskontrast der Mode.

Der Gast geht durch nachtdunkle Korridore, um in hellen und großzügigen Zimmern zu nächtigen. Weiße Daunenbetten, indirekte Lichtstrahler, die wie Raumschiff-Bordklappen in die Wand eingebaut sind, ein weißgekacheltes Bad, gestaltet nach dem Vorbild eines Chemielabors. Für nostalgische Margiela-Liebbhaber, bevor der große Ausverkauf mit der H&M-Kooperation im Herbst beginnt.

Hotel La Maison des Champs Elysées, 8 rue Jean Goujon, 8. Arrondissement, DZ ab 220 Euro, Tel. +33-1-4074 64 65

Unter strengen Blicken heimlich Kalorien schmausen

Hoffentlich satt: Kate Moss verlässt die Brassierie Lipp (Archivbild 2010).

Hoffentlich satt: Kate Moss verlässt die Brassierie Lipp (Archivbild 2010).  |  © Marc Piasecki/Getty Images

Wolfram Siebeck hat einmal über das Essen im Lokal geschrieben: "Es werde nur das allernötigste getan, um den Notarzt draußen zu halten." Dafür tun sie hier alles mögliche, um das moderne Leben auf Abstand zu halten. Handys sind verboten, sagt ein Schild, das aussieht, als wäre es bereits in den Fünfzigern entworfen worden.

Die Brasserie Lipp ist ein Ort wie die Stadt: ein bisschen snobistisch und trotzdem gerade gastfreundlich genug. Vor allem scheinen nicht die Gäste die Könige zu sein, sondern die Kellner. Vielleicht auch deshalb heißt das 1880 gegründete Lokal in Saint-Germain "jedermanns Intimfeind".

Das hat dann ungewollt etwas von der Hierarchie in DDR-Gaststätten. Nur dass die Herren – und es sind nur Herren – viel schicker in ihren bodenlangen Schürzen und gestärkten Hemden servieren. Einmal auf dem Stammplatz von Jean-Paul Belmondo sitzen, wie Tom Cruise die Art-Decó-Einrichtung bestaunen und den Atem der Geschichte spüren.

In der Brasserie trafen sich 1965 Valery Giscard d’Estaing und Georges Pompidou zu einem politischen Versöhnungsgespräch. Inzwischen kehren Models und Designer zum heimlichen Kalorienschmaus ein. Denn das Essen ist deftig, französische Landhausküche, Kartoffelsalat und Schweinefuß. Und erst wenn man drei Gänge verspeist hat, lächelt der Kellner anerkennend.

Brasserie Lipp, 151 Boulevard Saint-Germain, 6. Arrondissement, Tel. +33-1-4548 5391

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