ZalandoDie Eroberung der Welt des Onlineshoppings

Der Online-Modehändler Zalando veröffentlichte erstmals seine Umsatzzahlen: 510 Millionen Euro verdiente die Berliner Firma in diesem Jahr. Kritiker zweifeln am Wachstum. von Simon Frost

In diesen Kisten kommt nach Hause, was der Kunde bei Zalando bestellt hat.

In diesen Kisten kommt nach Hause, was der Kunde bei Zalando bestellt hat.   |  © Zalando 2012

Schuhe, Schuhe, Kleidung, Accessoires. Das ist in Kurzform die Geschäftsbilanz des Berliner Internetversands Zalando für das abgelaufene Geschäftsjahr. Erstmals legte das 2008 gegründete Unternehmen am Donnerstag Umsatzzahlen vor. Der Erlös von 510 Millionen Euro (Vorjahr 150 Millionen) verteile sich zur Hälfte auf das Kerngeschäft mit Schuhen sowie den Absatz der hinzugekommenen Sortimente, in der Masse Bekleidung und Accessoires, sagte Geschäftsführer Robert Gentz. Ob von der halben Milliarde Euro unter dem Strich etwas übrig bleibt, sagte er nicht.

Doch mit seinem aggressiven Wachstumskurs setzt das von den in der Start-Up-Szene bekannten Samwer-Brüdern geförderte Unternehmen die Branche unter Druck. "An Otto, der Nummer eins im deutschen Markt, kommt Zalando zwar nicht heran", sagt Hansjürgen Heinick vom Kölner Institut für Handelsforschung. "Aber fest steht auch: Nach den beiden kommt zunächst nichts."

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Mehr als 100.000 Artikel hat Zalando im Sortiment. Die bestellte Ware wird in Deutschland aus zwei Logistikzentren in Brieselang und Großbeeren bei Berlin verschickt. Anfang kommenden Jahres öffnet ein weiteres, 100 Millionen Euro teures Lager in Erfurt. In zwölf europäischen Ländern hat das Unternehmen inzwischen Online-Shops eröffnet, weitere sollen noch dieses Jahr folgen.

Geschäftsführer Gentz spricht von einem "nachhaltig angelegten Aufbau". Kritiker bezweifeln genau das. Die Expansion gehe zu schnell, aufwändige Werbekampagnen kosteten viel Geld, ebenso die geschätzt 70-prozentige Retourenquote. Laut dem im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss 2010 lag der Fehlbetrag damals bei 20 Millionen Euro.

Altes Geschäftsmodell für ein junge Zielgruppe

Versand- und Modeexperte Heinick will sich an Spekulationen über die Wirtschaftlichkeit nicht beteiligen. Das Umsatzwachstum bei Zalando sei in dieser Stärke und Geschwindigkeit zwar erstaunlich. Die Ursachen dafür könnten aber durchaus mit dem Versandhandelsmarkt selbst zusammenhängen. "Ausgerechnet im Modebereich, wo es vor Jahren noch sehr wichtig war, die Sachen vor Ort anzuprobieren, funktioniert der Versandhandel über das Internet", erläutert Heinick. Nach Berechnungen des IFH wurden in Deutschland im vergangenen Jahr Modeartikel im Volumen von 7,3 Milliarden Euro im Internet umgesetzt. Verglichen mit 2010 ist das ein Plus von mehr als einem Viertel. Der Internetumsatz entspricht den Angaben zufolge rund 14 Prozent der Modemärkte bundesweit insgesamt.

Hinzu kommt, dass das Berliner Versandhaus mit seinen Produkten in eine Marktlücke stößt. Zalando spreche eine junge, urbane Zielgruppe an, sagt der Handelsexperte. Das entspricht nicht eben der Klientel der klassischen Versandhäuser. Schließlich hätten einige Wettbewerber das Internet-Unternehmen, das der Firmenlegende nach in einem Berliner Keller seinen Ursprung hat, wohl zu lange unterschätzt. Die einen hätten nicht folgen wollen, die anderen nicht folgen können: "Versandhändler mit reinem Fokus auf den Internetvertrieb sind flexibler und schneller", sagt der Experte. Und weist damit auf die Probleme von Quelle oder Neckermann hin. Für letzteres Unternehmen blieb in dieser Woche nur noch der Gang zum Amtsgericht, um die Insolvenz zu beantragen. Ein letzter Investor war kurzfristig abgesprungen. Marktbeobachter meinen, einer der Gründe für den Misserfolg sei gewesen, dass Neckermann zu lange am gedruckten Katalog festgehalten habe. Die Strukturen bei reinen Internetversendern wie Zalando seien schlanker.

Die Otto-Gruppe kann noch reagieren und tat dies jüngst, indem sie Preise senkte. Aber die Konkurrenz für Zalando kommt nicht nur aus dem eigenen Land. Seit dem Frühjahr hat auch Amazon das Schuhgeschäft als großen Markt für sich entdeckt. Der weltgrößte Internet-Händler ködert Kunden beim Ableger Javari.de: zweiwöchige Tiefpreisgarantie, ein Jahr Rückgabe. Und auch die Offline-Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Für stationäre Händler sei ein Online-Shop inzwischen ein Muss, sagt Heinick. Zalando kontert: Im April eröffnete ein Outlet in Berlin.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • Olivar
    • 22. Juli 2012 13:27 Uhr

    Zalando war eines der schnellsten Unternehmen bei der Erreichung des ersten Platzes bei Google. Dank SEO. Die letzten Updates haben es herunter geholt, offenbar waren einige der Links gekauft. Mittlerweile befindet es sich zumindest wieder auf der ersten Seite.

    Antwort auf "SEO ?"
  1. lässt den Kommentator schön blöd aussehen.
    Danke.

    Antwort auf "verdient?"
  2. In der Unterüberschrift steht immer noch:
    "510 Millionen Euro verdiente die Berliner Firma in diesem Jahr."
    Was ja schlichtweg falsch ist.

    Antwort auf "verdient?"
  3. Laut Fernabsatzgesetz gibt es bei jedem Onlinehandel ein 14-tägiges Rückraberecht. Und ab 40 EURO muss der Kunde auch keinen Cent für den Rückversand bezahlen. Die "Hinversandskosten" bekommt er sowieso zurück.

    Zalando verkauft dieses Recht also als eigene Leistung. Eigentlich keine schlechte Idee.
    Beim Kleiderversand musste der Händler schon immer den Rückversand mit einkalkulieren. Das ist bei Zalando also auch nicht anders.

    Antwort auf "Retourenverhalten"

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  • Schlagworte Neckermann | Accessoire | Amazon | Bekleidung | Euro | Zielgruppe
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