Haute Couture ParisExklusiver geht’s nimmer

Raf Simons gelang mit seiner Couture-Kollektion für Dior ein triumphales Debüt. Er zeigte nicht als Einziger, welche Kraft in der hohen Mode steckt. von Jina Khayyer

Durch ein Meer aus Blumen und Prominenten schritten die Dior-Models.

Durch ein Meer aus Blumen und Prominenten schritten die Dior-Models.  |  © Benoit Tessier / Reuters

Die Mode beschummelt sich ja gerne selbst. Gut klingende Konzepte wecken beim Publikum Erwartungen, die später leider nicht erfüllt werden. Bei den Pariser Haute-Couture-Schauen in der vergangenen Woche war es Karl Lagerfeld , der seine Chanel-Kollektion für den anstehenden Herbst "New Vintage" nannte – und dann im Grand Palais Silhouetten zeigte, die wenig neu waren. Lediglich ein paar neue Farben gab es zu sehen und vielleicht etwas andere Knöpfe als zuletzt.

Das bemerkenswerte ist: Das Konzept Haute Couture stellt diese Innovationsarmut keineswegs infrage, die vollmundigen Ankündigungen könnten sich die Häuser ruhig sparen. Denn der Clou bei der Couture von Chanel und anderen ist, dass es jedes Ensemble nur ein einziges Mal gibt. Die Exklusivität hält die Couture am Leben.

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Auch Valentino setzt auf das Gefühl von ultimativem Luxus. Die Haute-Couture-Schau entführte ihr Publikum in eine Welt, zu der nur wenige Zugang haben: Sommerterrassen mit Blick aufs Meer, die Chromatics legen auf, ein Boot steht bereit, ein Flugzeug auch. Maria Grazia Chiuri und Pier Paolo Piccioli verstehen es, das Haus in die Gegenwart der happy few zu führen. Die beiden Designer gehören zu den eher leisen, bescheidenen Akteuren in der Mode, ihre Silhouetten sind modern, ihre Lieblingsfarbe ist blau. Man sieht den Kleidern an, dass die beiden sich mit der Frage beschäftigen, was es heute für eine Frau bedeutet, weich und sanft zu sein. Romantisch zu bleiben und doch auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Antworten darauf überzeugen moderne, junge Couture-Kundinnen wie beispielsweise Elisabeth von Thurn und Taxis. Die bodenlangen, transparenten Kleider wirken leicht und frisch. Chiuri und Piccioli ist mit ihrer Valentino-Couture ein Hingucker gelungen, trotz der großen Welle um das Debüt von Raf Simons . Keine leichte Übung, denn so einen Aufruhr gab es schon lange nicht mehr in Paris .

Um die erste Haute-Couture-Kollektion zu sehen, die von dem Antwerpener Simons für Dior entworfen wurde, kam nicht nur alles, was Rang und Namen hat im Modejournalismus, sondern auch Simons Stardesignerkollegen. In der ersten Reihe saßen Christopher Kane, Riccardo Tisci, Donatella Versace , Pierre Cardin , Marc Jacobs und Olivier Theyskens sowie die großen Meister Pierre Cardin, Azzedine Alaia und Alber Elbaz . Und natürlich strömte die potenzielle Kundschaft in Scharen herbei, darunter Sharon Stone , Charlotte Rampling , Isabelle Huppert und Charlene von Monaco .

Und Simons schöpfte gleich aus dem Vollem: Allein mit den Kosten für die Blumen ließen sich mindestens vier Modenschauen für Nachwuchsdesigner finanzieren. Die Wände des Kulturzentrums waren mit Hunderttausenden Blüten verkleidet. Einen weißen Salon schmückten Orchideen, Mimosen zierten den gelben Salon und ein blauer Salon war ausgekleidet mit Rittersporn. Nicht nur die Blumen waren als Hommage an Christian Dior zu verstehen, auch die Silhouetten der Kleider erinnerten an Diors legendären New Look . Doch mit der raffinierten Umsetzung hat Raf Simons unmissverständlich klar gemacht, dass Dior jetzt seine Handschrift trägt.

Leserkommentare
    • Hagmar
    • 07. Juli 2012 16:12 Uhr

    Interessanter als das Kleid finde ich die Reihe der Zuschauer dahinter: Gesichtsausdruck des Herrn in Blau sowie der asiatischen Dame daneben deuten eher auf Stress und Abscheu als auf Vergnügen. Und die 2. Dame von links ist auch eine erstaunliche Erscheinung...

  1. 2. Models

    Die Mode will ich hier mal unkommentiert lassen, aber kurz eine Aussage zu den Models machen.
    Auf allen Bildern, die hier zu sehen sieht man absolute Hungerhaken. Das sind keine Frauen mehr, sondern laufende Skelette. Schrecklich wie so etwas geduldet werden kann.

    • meiney
    • 07. Juli 2012 18:59 Uhr

    eher schrecklich, wie in deutschland die hälfte der menschen eindeutig zu fett sind, aber grade mal 2,1% untergewichtig (laut welt.de, 2011). und bei einem bmi >30 kann man wohl ohne übertreibung von "fett" sprechen...

    mein respekt an menschen, die disziplin für angemessene ernährung und sport aufbringen.

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    Und was hat diese Statistik mit dem Thema des Artikels zu tun?
    Die oben gezeigten Models sind nicht diszipliniert, sondern krankhaft untergewichtig und den Modeschöpfern ist das scheißegal. Einfach nur traurig.

  2. Ich bin sehr traurig, dass Simons nicht mehr für das Label Jil Sander arbeitet. Er hat Jil Sanders Linie kongenial weiterentwickelt, seine Entwürfe waren dann am Ende besser als die von Jil Sander selbst.

    Auch bei Dior scheint er die Essenz des Labels begriffen zu haben und interpretiert es neu - ich bin sehr gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird. Obschon: Gallianos opulente Schauen werde ich auch vermissen.

    @2: Ich stimme Ihnen zu, "Hungerhaken" sind nicht mehr zeitgemäß, Mode sollte von Frauen jeden Alters und jeder Größe vorgeführt werden. Auch wenn nicht jeder Entwurf von jedem Figurtyp tragbar ist. Ein Designerwechsel wäre die Chance gewesen, diesbezüglich neue Akzente zu setzen. Schade.

  3. 5. Thema

    Und was hat diese Statistik mit dem Thema des Artikels zu tun?
    Die oben gezeigten Models sind nicht diszipliniert, sondern krankhaft untergewichtig und den Modeschöpfern ist das scheißegal. Einfach nur traurig.

    Antwort auf "schrecklich?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    denn Sie waren es doch, der genau DAS in seinem ersten Kommentar angesprochen hat: das Gewicht der Models und gleichzeitig - ich zitiere - "Die Mode will ich hier mal unkommentiert lassen, aber kurz eine Aussage zu den Models machen. (...)"

    Das Thema hat mit Statistik per se nichts zu tun, wohl aber der Einwand, dass sich in unserer Überflussgesellschaft in der der weit größere Teil der Bevölkerung deutlich zu übergewichtig ist, niemand darüber aufzuregen braucht, wie ein Model (!) aussieht. Soll es sich doch hierbei um ein Körperideal handeln. Dass dies keineswegs die Norm darstellt, behauptet auch niemand. Ob dies ihrer persönlichen Präferenz entspricht spielt hierbei absolut keine Rolle. Viele Berufe sind nicht gerade gesundheitsförderlich; fragen Sie mal Hochleistungssportler, Bergarbeiter, etc. pp. Aber über diese kann man sich wahrscheinlich nicht so gut produzieren, oder werden Sie auch für entsprechende Berufsgruppen aktiv? Die häufig prophezeiten negativen Auswirkungen auf breite Bevölkerungsschichten scheinen sich bisher jedenfalls nicht bewahrheitet zu haben.

  4. denn Sie waren es doch, der genau DAS in seinem ersten Kommentar angesprochen hat: das Gewicht der Models und gleichzeitig - ich zitiere - "Die Mode will ich hier mal unkommentiert lassen, aber kurz eine Aussage zu den Models machen. (...)"

    Das Thema hat mit Statistik per se nichts zu tun, wohl aber der Einwand, dass sich in unserer Überflussgesellschaft in der der weit größere Teil der Bevölkerung deutlich zu übergewichtig ist, niemand darüber aufzuregen braucht, wie ein Model (!) aussieht. Soll es sich doch hierbei um ein Körperideal handeln. Dass dies keineswegs die Norm darstellt, behauptet auch niemand. Ob dies ihrer persönlichen Präferenz entspricht spielt hierbei absolut keine Rolle. Viele Berufe sind nicht gerade gesundheitsförderlich; fragen Sie mal Hochleistungssportler, Bergarbeiter, etc. pp. Aber über diese kann man sich wahrscheinlich nicht so gut produzieren, oder werden Sie auch für entsprechende Berufsgruppen aktiv? Die häufig prophezeiten negativen Auswirkungen auf breite Bevölkerungsschichten scheinen sich bisher jedenfalls nicht bewahrheitet zu haben.

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