Wiebke Goos war kurz davor ihren Traumberuf aufzugeben. Schmuckdesignerin wollte die 26-Jährige werden, doch während des Studiums erfuhr sie, welche fatalen Nebenwirkungen der Abbau von Gold, Silber und Edelsteinen hat. "Ein System aus Umweltverschmutzung und Ausbeutung – für mich war klar, dass ich unter diesen Bedingungen keinen Schmuck machen kann", sagt Goos.

Eine Zeit lang liebäugelte Goos mit anderen Karrieren – und machte sich dann doch innerhalb der Schmuckbranche auf die Suche nach einem alternativen Weg. Nach einigen Monaten der Suche fand sie schließlich einen Zulieferer, der ihr Edelmetalle und Edelsteine aus unbedenklicher Herstellung verkaufen konnte. Damit gründete die junge Frau noch im Studium ihr Label Goos jewellery, heute führt sie in Karlsruhe mit der Galerie Goldaffairs den deutschlandweit ersten Laden, in dem ausschließlich Bio-Schmuck verkauft wird. In der kleinen, aber wachsenden Gruppe deutscher Goldschmiede, die zugunsten der Umwelt und besserer Arbeitsbedingungen nur noch mit ökologischem Material arbeiten, gehört Goos damit zu den Pionieren.

Auch in anderen Ländern tut sich was. Seit Anfang 2011 gibt es in Großbritannien das weltweit erste Siegel-System für sozial und ökologisch gewonnenes Gold. In den USA wirbt Livia Firth, Filmproduzentin und Ehefrau des Schauspielers Colin Firth, für Schmuckstücke aus nachhaltiger Produktion. Beim diesjährigen Filmfestival in Cannes trug Firth ein 18-karätiges Weißgoldcollier der britischen Goldschmiedin Anna Loucah, die ausschließlich mit Material arbeitet, das mit dem Siegel Fair Trade and Fair Mined Ecological Gold ausgezeichnet ist.

Die Schmuckdesignerin Wiebke Goos

Für den Goldschmied Jan Spille wurde es höchste Zeit, dass nach der Lebensmittel- und der Modebranche nun auch Schmuckhersteller anfangen, über die Bedingungen nachzudenken, unter denen die Rohstoffe für ihre Ringe, Colliers und Brillantstecker abgebaut werden. "In westlichen Ländern machte man sich darüber lange gar keine Gedanken oder neigte dazu, den Goldbergbau zu romantisieren. Die Realität sieht aber gänzlich unromantisch aus", sagt Spille, der selbst in seiner Hamburger Manufaktur Trauringe und Schmuck aus recyceltem oder fair-gehandeltem und ökologisch-gewonnenem Gold und Silber anbietet.

Die Realität, von der Spille spricht, sieht so aus: Der Abbau in großen Goldlagerstätten wie beispielsweise dem Witwatersrand-Gebiet in Südafrika ist dominiert von Großunternehmen. Für sie graben Minenarbeiter in einer Tiefe von bis zu 3.500 Metern, um auf goldhaltige Stellen zu stoßen. Das dabei abgetragene Gestein bleibt auf riesigen Halden liegen und verwandelt die Umgebung der Minen in eine Mondlandschaft. Das Gold selbst ist in kleinsten Partikeln im Gestein verteilt und wird – vor allem dort, wo kleine Gruppen von Minenarbeitern Reste aus schon ausgebeuteten Minen oder wenig ertragreichen Vorkommen herausholen – mit giftigen Chemikalien wie Quecksilber oder Zyanid herausgelöst. Zyanid löst aber auch andere Schwermetalle wie beispielsweise Uran aus dem Erz. Dieser Gift-Cocktail sickert in der Umgebung vieler Minen ins Trinkwasser oder weht als Staub in die angrenzenden Wohngebiete. Hinzu kommen die schlechten Arbeitsbedingungen der Bergleute: Eine gerechte Entlohnung erhalten die wenigsten, in kleinen, oft illegalen Minen kommen viele ungeschützt mit Giftstoffen in Kontakt. Auch Kinderarbeit ist keine Seltenheit – und der derzeit hohe Goldpreis stachelt die Nachfrage nach dem seltenen Edelmetall zusätzlich an.

Dieser Umstände sind sich mittlerweile nicht nur einzelne Goldschmiede bewusst. Auch große Schmuckhäuser wie Cartier bemühen sich, "die Herausforderungen unserer Branche besser zu verstehen, um für Probleme im Massenabbau wie auch bei kleineren Minen relevante Lösungen zu finden", wie das Unternehmen auf seiner Homepage schreibt. Als Gründungsmitglied des Responsible Jewellery Council arbeitet Cartier seit 2009 nur noch mit Zulieferern zusammen, deren Abbaumethoden die Standards des Council einhalten. Dazu gehört die Einhaltung der Menschenrechte und ethische, soziale und umweltfreundliche Unternehmensführung. Zudem deckt Cartier einen Teil seines Goldverbrauchs mit dem Ertrag der Eurocantera-Mine in Honduras, die von dem italienischen Unternehmen Goldlake betrieben wir. Das dort gewonnene Gold wird in einer italienischen Raffinerie weiterverarbeitet, um über den gesamten Herstellungsprozess eine Einhaltung zumindest sozialer Standards zu gewährleisten.