ZEIT ONLINE: Mr. Hackett, ist Ihnen Sport Vergnügen oder Qual?

Jeremy Hackett: Ein Vergnügen, wenn ich zuschaue. Eine Qual, wenn ich mitmache.

ZEIT ONLINE: Wann haben Sie zum letzten Mal Sport getrieben?

Hackett: Es ist fast peinlich zuzugeben, aber das ist schon länger her. Ich habe früher an Vielseitigkeitsturnieren teilgenommen, bis ich vor ein paar Jahren vom Pferd fiel und mir das Bein brach. In der Schule war ich in der Rugby-Mannschaft, spielte Tennis. Heute bin ich glücklich, wenn ich nur Zuschauer sein darf.

ZEIT ONLINE: Sie interessiert die Kleidung der Zuschauer bei Sportereignissen wahrscheinlich sowieso mehr als die Sportler?

Hackett: Das stimmt. In England gehört es zu gewissen Sportereignissen dazu, dass man sich dafür zurecht macht. Die Hälfte der ganzen Veranstaltung ist die richtige Kleidung.

ZEIT ONLINE: Sie besuchen unter anderem regelmäßig die Royal Henley Ruderregatta.

Hackett: Wo Männer keine Jeans tragen dürfen. Wenn Sie Zutritt zur sogenannten Stewards' Enclosure – einem Mitgliederempfang – erhalten wollen, müssen Sie ein Jackett überziehen. Ich glaube, diese Regeln machen solche Ereignisse besonders. Jeder versucht, so gut wie möglich auszusehen. Ich sehe auf der Henley Regatta viele Männer mit gestreiften Blazern, cremefarbenen Hosen und ausgefallenen Sommerhüten. Wenn sie so durch die Straßen von London gehen würden, würde es lächerlich wirken – aber nicht in Henley.

ZEIT ONLINE: In den dreißiger Jahren trugen Rudersportler noch weiße kurzärmlige Shirts mit Kragen. Sehnen Sie sich modisch nach dieser "guten alten Zeit"?

Hackett: Sogar im Polosport trugen die Reiter Hemd und Krawatte. Ich bin nicht frustriert, weil sie das nicht mehr tun. Das ist die Evolution des Sports. Was ich aber nicht mag, das sind diese mehrfarbigen Outfits, die man besonders auf Tennisplätzen sieht. Die Sportler sollten Weiß tragen, das passt perfekt zum sattgrünen Rasen. Glauben Sie mir, es ist ästhetisch viel angenehmer, zwei Männer in Weiß spielen zu sehen als in Orange-Rot und Blau-Grün. Diese Farbkombinationen lenken das Auge ab, stören das ästhetische Empfinden und damit die Atmosphäre eines Spiels. Dasselbe gilt übrigens für Cricket. Weiß ist die Mannschaftsfarbe. Ich tue mir kein Match mehr an, bei dem die Sportler mehrfarbige Trikots tragen.

ZEIT ONLINE: Junge Menschen interessieren Kleidervorschriften eben nicht mehr.

Hackett: Ich glaube, das kommt gerade wieder! Junge Menschen tasten sich an traditionelle Kleidung heran. Vor Kurzem war ich auf dem Polo Rundle Cup, den wir als Modemarke unterstützen. Viele der Gäste waren in ihren Zwanzigern, und ich konnte sehen, dass sie sich vorher über den Dresscode informiert hatten. Sie wollten Teil des Ganzen sein.

ZEIT ONLINE: Und wie war der Dresscode?

Hackett: Sehr formell: marineblaue Blazer mit weißen Jeans oder ein Khaki-Leinenanzug oder ein Baumwollanzug mit Hemd und Krawatte. Und jeder trug einen Panamahut. Dieses Interesse an Tradition beobachte ich auch während des Goodwood Revival, das ist ein Autorennen, an dem nur Oldtimer aus den 1950er Jahren teilnehmen. Die Fahrer, die Zuschauer, sogar die Mechaniker kleiden sich wie in den Fünfzigern und Sechzigern. Das Goodwood ist heute eines der größten Sportereignisse in England. Das zeigt doch, dass es ein Bedürfnis danach gibt, Traditionen aufrechtzuerhalten. Interessanterweise erwartet die Welt das auch von uns. Im Frühjahr sind die Menschen zu Abertausenden zum Diamond Jubilee nach London gekommen, aber nicht um die Gegenwart zu feiern. Sie wollten diese romantische Version unseres Landes: mit den verrückten Hüten, der königlichen Familie und den roten Telefonzellen.

ZEIT ONLINE: Und dazu gehört auch, dass sich die Briten in Schale werfen, um Sportlern dabei zuzusehen, wie sie beim Polo oder Rugby in den Dreck fallen.

Hackett: Ist vielleicht ein Widerspruch, aber macht das nicht einen Teil des Genusses aus? Als ich neulich auf dem Polo Cup war, regnete es in Strömen, Sie wissen schon, der gute englische Sommer. Es war ein richtig schmutziger Tag, aber jeder kam im feinsten Sonntagsstaat. Das ist unser Geist des "stay dry and carry on" .