Drei Jahre lang arbeitete die Frauenzeitschrift Brigitte ohne professionelle Models in ihren Fotostrecken. Damit erregte das Magazin Aufmerksamkeit und genoss große Anerkennung, war es doch eine kleine Revolution, die der Verlag Anfang 2010 begonnen hatte. Die Revolution ist beendet: Künftig sind auch wieder professionelle Models zu sehen, teilte der Verlag Gruner + Jahr mit.

Die Chefredakteure begründen diese Entscheidung mit den Reaktionen der Leserinnen : "Viele von Ihnen sagten in letzter Zeit: 'Die Idee ist ja gut, aber manchmal will man einfach nur die Mode sehen.' Oder : 'Ich fühle mich manchmal von der Mode abgelenkt, wenn eine ganz normale Frau gezeigt wird. Und, ja, auch unter Druck gesetzt: Wenn die Frau von der Straße auf den Fotos in Brigitte schon so schön aussieht, das macht einem ja Minderwertigkeitskomplexe", ist auf Brigitte.de zu lesen.

Die Inititive Ohne Models solle nicht ganz abgeschafft werden, hieß es weiter. Vielmehr werde ein "Mix aus Foto-Produktionen mit professionellen Models und Laien-Models" präsentiert. Size-Zero-Figuren würden auch weiterhin nicht zu sehen sein.

Verkaufszahlen seit fünf Jahren rückläufig

Was in der offiziellen Begründung jedoch nicht zu lesen ist: Schon zu Beginn der Ohne-Models -Kampagne ging es der Zeitschrift wirtschaftlich nicht gut. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sanken die Verkaufszahlen der Brigitte um 21 Prozent. Noch dazu sei Arbeit mit unerfahrenen Amateur-Models für die Redaktion belastend gewesen. Eine Sprecherin von Gruner + Jahr bekräftigte jedoch, der Schritt zurück zu Profi-Models habe nichts mit Kosten oder möglichem Mehraufwand bei Laienmodels zu tun.

Anfang August gab es einen Wechsel in der Chefredaktion: Statt Andreas Lebert leitet nun Stephan Schäfer das Heft gemeinsam mit der bisherigen Chefredakteurin Brigitte Huber.

Schlankheitswahn im Netz

Frauen wollten keine Kleiderständer und Hungerhaken sehen, sondern sich mit echten Frauen identifizieren, hatte Lebert noch im Oktober 2009 dem Spiegel gesagt. Die Rückkehr zu Profimodels in der Brigitte erscheint auch angesichts der aktuellen Debatte unzeitgemäß: Viel beachtet und diskutiert wird derzeit etwa der Anfang August publizierte Essay auf Journelle.de über den Schlankheitswahn der Mode. Als Reaktion haben sich in den vergangenen Wochen immer häufiger Frauen in ihrer alltäglichen Kleidung fotografiert und die Bilder über Twitter geteilt – zu finden unter #609060.