Frauenzeitschrift : "Brigitte" begründet Rückkehr der Profi-Models

Die Revolution ist vorbei: Das Frauenmagazin zeigt wieder professionelle Fotomodelle. Der Anblick normaler, hübscher Frauen sei den Leserinnen zu viel gewesen.
Durchschnittsmodels sind in der "Brigitte" nicht mehr gefragt. © Michael Kappeler/ddp

Drei Jahre lang arbeitete die Frauenzeitschrift Brigitte ohne professionelle Models in ihren Fotostrecken. Damit erregte das Magazin Aufmerksamkeit und genoss große Anerkennung, war es doch eine kleine Revolution, die der Verlag Anfang 2010 begonnen hatte. Die Revolution ist beendet: Künftig sind auch wieder professionelle Models zu sehen, teilte der Verlag Gruner + Jahr mit.

Die Chefredakteure begründen diese Entscheidung mit den Reaktionen der Leserinnen : "Viele von Ihnen sagten in letzter Zeit: 'Die Idee ist ja gut, aber manchmal will man einfach nur die Mode sehen.' Oder : 'Ich fühle mich manchmal von der Mode abgelenkt, wenn eine ganz normale Frau gezeigt wird. Und, ja, auch unter Druck gesetzt: Wenn die Frau von der Straße auf den Fotos in Brigitte schon so schön aussieht, das macht einem ja Minderwertigkeitskomplexe", ist auf Brigitte.de zu lesen.

Die Inititive Ohne Models solle nicht ganz abgeschafft werden, hieß es weiter. Vielmehr werde ein "Mix aus Foto-Produktionen mit professionellen Models und Laien-Models" präsentiert. Size-Zero-Figuren würden auch weiterhin nicht zu sehen sein.

Verkaufszahlen seit fünf Jahren rückläufig

Was in der offiziellen Begründung jedoch nicht zu lesen ist: Schon zu Beginn der Ohne-Models -Kampagne ging es der Zeitschrift wirtschaftlich nicht gut. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre sanken die Verkaufszahlen der Brigitte um 21 Prozent. Noch dazu sei Arbeit mit unerfahrenen Amateur-Models für die Redaktion belastend gewesen. Eine Sprecherin von Gruner + Jahr bekräftigte jedoch, der Schritt zurück zu Profi-Models habe nichts mit Kosten oder möglichem Mehraufwand bei Laienmodels zu tun.

Anfang August gab es einen Wechsel in der Chefredaktion: Statt Andreas Lebert leitet nun Stephan Schäfer das Heft gemeinsam mit der bisherigen Chefredakteurin Brigitte Huber.

Schlankheitswahn im Netz

Frauen wollten keine Kleiderständer und Hungerhaken sehen, sondern sich mit echten Frauen identifizieren, hatte Lebert noch im Oktober 2009 dem Spiegel gesagt. Die Rückkehr zu Profimodels in der Brigitte erscheint auch angesichts der aktuellen Debatte unzeitgemäß: Viel beachtet und diskutiert wird derzeit etwa der Anfang August publizierte Essay auf Journelle.de über den Schlankheitswahn der Mode. Als Reaktion haben sich in den vergangenen Wochen immer häufiger Frauen in ihrer alltäglichen Kleidung fotografiert und die Bilder über Twitter geteilt – zu finden unter #609060.

Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Das ist interessant...

Es ist interessant zu lesen, dass Menschen auch dann Minderwertigkeitskomplexe bekommen können, wenn sie eben den ganzen Tag Laien-Models sehen, die sehr hübsch, natürlich sind und eben nicht auf Hochglanz poliert.

Da stellt sich die Frage, wo Neid, Eifersucht und Minderwertigkeitskomplex anfängt, aufhört und gegenseitig beeinflusst - oder sehe ich das falsch?

Hätte jemand vielleicht weiterführende Links zu diesem Bereich der Medienpsychologie?

Effkte

Tja, jetzt dass man es weiß erscheint es logisch zu sein. Die Psyche arbeitet halt nicht immer so linear und rückkopplungsfrei wie es manche gerne hätten. Es gibt viele Arten von "Anpassungsleistungen" und dazu gehört auch die Suggestion, dass sich in Mode- und Frauenzeitschriften Models zeigen, die irgendwie künstlich und unecht sind. Die sind dann halt außerhalb der Wertung, oder "außer Konkurrenz". Frau muss sich nicht an ihnen messen. Dieser kleine "Selbstbetrug" ist dann aber nicht mehr so leicht aufrecht zu haten, wenn explizit darauf hingewiesen wird, dss es sich bei den abgebildeten Frauen um "ganze normale Frauen" handeln soll. Dann setzt wieder der Mechanismus des Vergleichens ein. Und der fällt meist zu Ungunsten der Leserin aus.
Konsequenterweise müsste die Redaktion für ihre Bilder durchschnittlich attraktive Frauen, oder gar eher unattraktive Frauen auswählen, aber ob das dann nicht wieder ganz ander Effekte hätte, bleibt offen.

die Zeitschrift hat ganz andere Probleme

Die Idee ist und war gut, "normale" Frauen zu zeigen. Jedoch hat diese Entscheidung nichts mit den Verkaufsrückgängen zu tun. Die Zeitschrift hat sich seit Jahren nicht verändert und hat das Image einer Hausfrauenzeitschrift. Etwas mehr Pepp und etwas mehr Zeitmässig würde Brigitte gut tun, statt alle Jahre wieder die Brigitte-Diät. Für meine Generation 30-39 Jahre ohne Minderwertigkeitskomplexe hat es fast keine Themen in dieser Zeitschrift.