Öko-Jeans : Die voll korrekte Hose

Ob maßgeschneidert in Wien, recycelt in Schweden oder komplett gefertigt in Italien: Der "Good Jeans Guide" hilft, fair und umweltschonend produzierte Jeans zu finden.
Die schwedische Marke Nudie Jeans fertigt alle Hosen aus Bio-Baumwolle oder recycelten, alten Nudie Jeans. © Nudie Jeans

Weniger als fünf Prozent. Höher sei der Anteil der Konsumenten, die sich vor dem Kauf einer neuen Jeans über deren Herstellung informieren, nicht, schätzt Mark Starmanns. Der 38-Jährige forscht und lehrt an der Universität Zürich zu Produktionsketten in der Modeindustrie und ist Mitbetreiber des Online-Portals Netzwerkfairemode.com . Die Seite will Konsumenten dabei helfen, ökologisch und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellte Mode zu finden. "Noch bedienen wir mit dem Portal eine Nische", sagt Starmanns. Doch zuletzt steigt das Interesse in regelmäßigen Abständen sprunghaft an.

Immer dann nämlich, wenn es Journalisten gelingt, Zugang zu Kleiderfabriken in China , El Salvador oder Bangladesch zu bekommen und aus erster Hand über Löhne und Arbeitsbedingungen zu berichten. In der vergangen Woche erschien in der Wirtschaftswoche eine Reportage über die Zustände in den Fabriken von Dhaka , in denen auch deutsche Firmen produzieren lassen – unter anderem Jeans. Die ARD strahlte im März die 45-minütige Dokumentation Der Preis der Blue-Jeans aus. Der Film zeigt, in welcher Armut die Arbeiter im chinesischen Xintang leben, wo ein Großteil der weltweiten Jeansproduktion stattfindet.

Wer solche Enthüllungsberichte liest und sieht, sucht hinterher oft im Internet nach Alternativen. "Sobald eine kritische Dokumentation zur Textilproduktion ausgestrahlt wird, vervielfachen sich die Klickzahlen unseres Portals", sagt Starmanns. Bei Jeans ist der Informationsbedarf besonders hoch. Bislang, so Starmanns, gäbe es weltweit gerade einmal 20 bis 30 Jeanshersteller, die strenge Umwelt- und Produktionsrichtlinien einhalten. Eine verschwindend geringe Zahl, der zigtausend herkömmliche Anbieter der Massenware Jeans gegenüberstehen. Deswegen stellt Starmanns auf Netzwerkfairemode Anbieter, die großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, in einem Good Jeans Guide vor, der gerade um sieben Hersteller erweitert wurde.

Insgesamt führt der Guide nun 15 Marken, darunter bekannte Namen wie Hess Natur , Kuyichi und den Röhrenjeanspionier Nudie Jeans, der seine Produktion in diesem Jahr komplett auf Bio-Baumwolle umgestellt hat. Daneben finden kleinere Firmen Platz wie die Gebrüder Stitch, die in Wien Maß-Jeans aus Bio-Baumwolle produzieren oder die niederländische Firma Kings of Indigo (K.O.I.). Deren Chef Tony Tonnaer stand lange Zeit hinter der Marke Kuyichi und setzt mit K.O.I. nun vorrangig auf recycelte Baumwolle.

Auf dem Weg zur Drei-Liter-Jeans

Starmanns nimmt nur Marken in seinen Good Jeans Guide auf, die ihre Hosen überwiegend aus Biobaumwolle oder recycelten Stoffen herstellen. Auch müssen sie vertrauenswürdige Zertifikate von Organisationen vorweisen, die die Weiterverarbeitung überprüfen. Die gängigsten sind der Global Organic Textile Standard (GOTS) und das Siegel des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN).

Kommentare

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Alles hat seinen Preis

So auch hier. Obwohl ich zwar mit meinen Nudie-Jeans sehr zufrieden bin, muss man eben auch anmerken, dass regulär unter 100-120 Euro keine zu haben ist. Bei bestimmten Waschungen wirds dann noch mal teurer. Wenn ich mir die anderen Preise so ansehe, liegen die auch im Medium-Preisrahmen (zwischen 100 und 200 Euro), andere noch mal deutlich drüber.

Insofern sprechen wir hier von einem "Luxusproblem" mit dem man sich auseinandersetzen kann, wenn man "es sich leisten kann". Deshalb find ich auch den letzten Abschnitt problematisch, denn klar kauft "die Masse billig", was aber nicht daran liegt, dass "die Masse" ggf. kein Interesse an anders hergestellten Jeans/Hosen hätte, sondern dass "die Masse" im Schnitt keine 100 Euro + für ne Jeans auf den Tisch legen kann.

Merkwuerdig

Ich weiss, ich weiss, von frueher reden ist opa-maessig uncool.
Aber ich tus trotzdem: Frueher kam man mit weniger Neukaeufen aus, seit wann muessen es jedes Jahr zwei, drei neue Jeans sein?

Ich kaufe sehr selten neue Jeans ein, nach Moeglichkeit greife ich zu einer Second-Hand-Hose, aber auf diese Weise kann ich mir auch Biobaumwolle- oder gar Hanf-Klamotten leisten.

Ausserdem sollte man die Jeanspreise nicht absolut, sondern relativ zur Kaufkraft bewerten. Mir kann niemand erzaehlen, dass er sich zwar fuer 600-800€ ein iPhone, aber nicht fuer 100€+ menschenwuerdig produzierte Jeans leisten kann.

120 € zahle ich auch für eine ganz normale Jeans

von G-Star oder einer sonstigen "In"-Marke.

Mit den Preisen hätte ich daher das geringste Problem. Mein Problem bestand bisher immer darin, dass ich entweder keine Hosen finde, deren Schnitt mir gefällt oder aber - in den allermeisten Fällen - keiner eine Hose in meiner Größe hat (36er Länge).

Gebraucht ist gut wenns passt

Bei Secondhand muss aber erstmal ein Angebot da sein. In Größe 38-40 und normaler Länge ist das eher kein Problem. Ich hab Größe 44 und benötige Kurzgrößen, da sieht es echt mau aus bei gebrauchten Klamotten. Außerdem gibt es in meiner Nähe kaum gute Secondhand-Läden. Um etwas tragbares zu bekommen muss aber auch irgendwer eine Hose in kürzester Zeit abgelegt haben ggf um sich was neues zu kaufen :-(