Grüne ModeEin schwieriger Stoff

Labels, die nachhaltige Mode anbieten, haben es schwer: Die Anforderungen sind hoch, die Produktionsbedingungen schwierig. Die Branche ist noch im Anfangsstadium. von Marie_Loewenstein

Ein Model zeigt Mode des Labels Luxaa bei der Salonshow des Green Showroom im Juli 2012.

Ein Model zeigt Mode des Labels Luxaa bei der Salonshow des Green Showroom im Juli 2012.  |  © Green Showroom

Kaska Hass ist entnervt. Die Berliner Designerin wollte ihre Mode in großem Rahmen präsentieren, auf der Hauptbühne des Umweltfestivals vor dem Brandenburger Tor. Jetzt steht sie hinter einer winzigen Bühne, die ihr die Veranstalter zugewiesen haben – und seit Stunden regnet es in die Umkleide. Hass stellt Abendmode aus Natur-Textilien her. Ihre Kleider, die jetzt von der Nässe ruiniert zu werden drohen, kosten mehrere hundert Euro das Stück. Das richtige Forum zu finden, um ihre Sachen potenziellen Einkäufern und der Presse vorzustellen, ist gerade für Bio-Modemacher wie Hass immer noch eine große Herausforderung.

Newcomer und Preispolitik

Dabei ist Mode, die weder Umwelt noch Menschen ausbeutet, eigentlich kein Nischenprodukt mehr. Vor zwei Jahren hat eine Studie der Fachzeitschrift Textilwirtschaft ergeben, dass mittlerweile 43 Prozent der Deutschen bereit sind, mehr Geld für nachhaltig produzierte Mode auszugeben. Doch das gewachsene Interesse allein garantiert noch keine reibungslosen Abläufe in Produktion und Vermarktung.

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Magdalena Schaffrin weiß das. Sie war eine der ersten in Deutschland, die nachhaltige Mode und anspruchsvolles Design vereint hat. Seit mehreren Jahren organisiert sie im Hotel Adlon den Green Showroom, ein mittlerweile gut etabliertes Forum für nachhaltige Mode im Rahmen der Berliner Fashion Week . Schaffrins Green Showroom ist bislang die einzige grüne Modemesse, die zur Modewoche konstant präsent ist, während andere kommen und gehen. In diesem Sektor hat sie es hauptsächlich mit jungen Labels und unerfahrenen Modemachern zu tun: "Viele junge Designer müssen sich noch professionalisieren", sagt Schaffrin.

Mode von Kaska Hass

Mode von Kaska Hass  |  © Marie Löwenstein

Wenn Neulinge zum Beispiel mit unrealistischen Verkaufserwartungen zum Green Showroom kämen, seien sie nach der Messe enttäuscht, denn es sei nicht einfach, im deutschen Modemarkt Fuß zu fassen. Nach Schaffrins Einschätzung wird sich das erst ändern, wenn sich einige nachhaltige Labels durchsetzen oder große Unternehmen in den Markt einsteigen. Letzteres sei aber vor allem im Hinblick auf die Preispolitik problematisch. Große Ketten kämen zwar auf lange Sicht an dem Thema Nachhaltigkeit nicht vorbei, bezahlten aber nach wie vor nicht konsequent genug für bessere Umwelt- und vor allem Arbeitsstandards auch mehr, sagt Schaffrin. Damit liegt es an den Branchenneulingen, den Sektor voran zu bringen.

Nachhaltigkeit als Philosophie

Eine Jungdesignerin, die momentan versucht, sich einen Namen zu machen, ist Katrin Wieschenkämper. Unter dem Label Kaethe Maerz vertreibt die Düsseldorferin Prêt-à-Porter-Mode aus Naturtextilien. Von der angeblichen Bereitschaft der Deutschen, mehr Geld für nachhaltige Mode auszugeben, bemerkt sie an ihrem Stand beim Berliner Umweltfestival nichts. Im Gegenteil. Die Passanten mustern erschrocken die Preisschilder: Eine Hose für 200 Euro?

Wieschenkämper muss die Kunden nicht nur von ihren Entwürfen begeistern, sondern auch von der nachhaltigen Philosophie ihrer Mode. "Den Menschen ist einfach das Bewusstsein flöten gegangen, was Kleider in Wirklichkeit kosten", sagt sie. Dieses Bewusstsein wieder herzustellen ist der erste Schritt ihrer Verkaufsstrategie: Ihr Name soll bei potenziellen Kunden im Gedächtnis bleiben. Wenn die Käufer einmal beginnen umzudenken, dann werde auch der Umsatz kommen, hofft Wieschenkämper.

Engpässe bei der Materiallieferung

Kunden, die Öko-Mode kaufen, sind anspruchsvoller geworden. Sie erwarten nicht nur Qualität und ethische Standards, sondern auch ein gutes Design. Dem gerecht zu werden, ist jedoch komplizierter als bei herkömmlicher Mode. Designer wie Kaska Hass haben Schwierigkeiten, innovative und hochwertige Stoffe in Bioqualität aufzutreiben.

Zwei Bio-Seide-Hersteller, mit denen Hass bisher zusammengearbeitet hat, haben kürzlich Insolvenz angemeldet. Der Markt für nachhaltige Edel-Stoffe ist einfach noch zu klein. Auch Baumwolle in der gewünschten Qualität ist nicht leicht zu bekommen. Hass bemängelt besonders das Fehlen von Farbe. In Bio-Qualität sei hauptsächlich weiße und naturfarbene Baumwolle zu haben, sagt sie. So sei es schwierig, sich mit innovativem Design auf dem Markt zu etablieren.

Leserkommentare
    • mp_bdf
    • 23. Oktober 2012 12:45 Uhr

    ... sondern nach München auf die Organic Selection:

    http://www.munichfabricst...

    ... es gibt mittlerweile sehr viele kleine und grössere Labels und Stores. Die haben es nicht einfach aber um einiges leichter als vor ein paar Jahren. Und die Textilbranche ist allgemein, nicht nur in diesem Bereich, ein sehr hartes Pflaster. Der folgende Link ist sicherlich interessant um sich auf dem Laufenden zu halten:

    ... http://netzwerkfairemode....

    Eine Leserempfehlung
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    Der Kommentar hat mir sehr zugesagt! Ich finde, Bio-Baumwolle sollte viel stärker beworben werden. Die Vorteile liegen doch auf der Hand: Bessere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer, faire Bezahlung der Arbeitsnehmer und der abgenommenen Ware, kein Zusatz chemischer Düngemittel wie Pesitizide. Bauern müssen sich nicht in Abhängigkeit der Großbauern begeben, um sich die teuren Düngemittel zu leisten. Kinderarbeit ist strikt untersagt. Die Produktion wird regelmäßig Kontrollen unterzogen. Ich habe seit Jahren meine eigene Kleidung und auch die meiner Kinder auf Naturtextilien umgestellt. Tolle und vor allem auch top modische Kleidung für Kinder gibt es z.B. bei www.hans-natur.de, die viele bekannte Marken führen. Das diese Mode nun mal von haus aus teurer ist, sollte jedem klar sein, wenn man sich o.g. Kriterien vor Augen hält. Zum Schutze der Arbeitnehmer und der Umwelt sollte man in den Medien viel stärker auf die Vorteile der Bio-Mode eingehen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Bio-Mode nicht nur was für "Ökos" ist, sondern wir alle dazu beitragen können, einen Beitrag für Umweltschutz zu leisten. Das bedeutet auch, dass man diesen Unternehmen, die sich für modische Naturtextilien einsetzen, auch Raum gibt, diese Kleidung zu bewerben, denn wir können nicht ewig Rohstoffe sinnlos nutzen. Wir sollten vielmehr nach schonenden Produktionsverfahren und neuen Rohstoffen suchen, die nachhaltig angebaut werden.

    • ASasse
    • 23. Oktober 2012 12:56 Uhr

    Die Darstellung, dass Hess Natur heute einer der wenigen erfolgreich etablierten Akteure der Branche sei kann soweit ich das beurteilen kann als veraltet asn

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    • ASasse
    • 23. Oktober 2012 12:59 Uhr

    Die Darstellung, dass Hess Natur heute einer der wenigen erfolgreich etablierten Akteure der Branche sei kann soweit ich das beurteilen kann als veraltet angesehen werden: Hess Natur wurde von einer Heuschrecke übernommen und die Kunden rennen nun in Scharen davon, da nachhaltiges Wirtschaften und Heuschrecke nicht in aller Augen zusammen passen: http://www.hr-online.de/w...
    http://www.taz.de/!96175/

    PS: bitte den vorherigen post löschen, ich bin aus Versehen an die Enter Taste gestoßen...

    • ASasse
    • 23. Oktober 2012 12:59 Uhr

    Die Darstellung, dass Hess Natur heute einer der wenigen erfolgreich etablierten Akteure der Branche sei kann soweit ich das beurteilen kann als veraltet angesehen werden: Hess Natur wurde von einer Heuschrecke übernommen und die Kunden rennen nun in Scharen davon, da nachhaltiges Wirtschaften und Heuschrecke nicht in aller Augen zusammen passen: http://www.hr-online.de/w...
    http://www.taz.de/!96175/

    PS: bitte den vorherigen post löschen, ich bin aus Versehen an die Enter Taste gestoßen...

    Eine Leserempfehlung
    • MeuLe
    • 23. Oktober 2012 23:26 Uhr

    Danke für diese Darstellung grüner Mode fernab des Stereotyps farbloser Tristesse in Form von Leinenhose und Wollpulli - ein wirklich interessanter Artikel!

  1. Ich denke, dass dieser Artikel eigentlich wenig Schwierigkeiten schildert, die über die ganz normalen Probleme von Einsteigern im Bereich Designer-Mode hinausgehen. Unabhängig vom Stoff.
    Aber aus meiner Sicht ist die Branche, die sich der grünen Mode verpflichtet fühlt, insgesamt sehr umtriebig. Gleichzeitig darf man sich natürlich noch sehr individuell fühlen, wenn man zum Beispiel bei Portalen wie www.avocadostore... oder www.iamfair... etc. einkauft.
    Grün tragen aber nicht öko-naturfarben rumlaufen war z.B. auch die Inspiration von www.kleiderhelden..., die sich seit knapp einem Jahr in der "Noch-Nische" attraktiver, bio-fairer Männerunterwäsche etabliert.
    Schön wäre es, wenn Stoffhersteller bald eine Alternative zu Kunstfasern (z.B. Elasthan) finden, die üblicherweise und in der Regel ja auch aus gutem Grund den guten Stoffen beigemischt werden. Kleidungsstücke, die man auch als Nicht-Ultra-Öko tragen kann und trotzdem komplett kompostierbar sind - das wäre toll! Hat jemand Vorschläge?

  2. Waere das nicht wunderbar: Eine Kunden-Mitarbeiter-Genossenschaft fuer nachhaltige Mode, langfristig orientiert und international.

    Ist leider nichts geworden, weil der Schweizer Finanzinvestor Capvis sich hessnatur geschnappt hat. Dafuer laufen ihm jetzt in Scharen die Kunden davon. Die Kunden-Webseite http://wir-sind-die-konsu... hat bis heute 3745 Kundenkommentare gesammelt, weil die Kunden ihr Geld fuer nachhaltige Mode lieber einer Kooperative ueberlassen wollen als dem derzeitigen Eigner. Auf der Kundenwebseite die Kooperative unterstuetzen, der Kooperative beitreten http://www.hngeno.de/, den Katalog abbestellen, sich aus der Kundendatei streichen lassen, Einkaufsboykott, alles gute Ideen aus meinem Freundeskreis, um der Heuschrecke das Leben zu erschweren - und vielleicht wird es ja doch was mit der Kooperative!

    P.S. Das einzige, was der neuen hessnatur Geschaeftsfuehrung bisher dazu einfaellt, ist eine einstweilige Verfuegung gegen die Kunden-Webseite, damit sie die Verstrickung von Capvis in wenig nachhaltige Felder wie die internationale Ruestungsindustrie nicht mehr veroeffentlichen darf.

    Liebe Zeit, bitte weiterhin dazu berichten!

  3. und deshalb könnte die Bundesregierung doch auch hier einmal eine Subvention geben für die Künstler die sich ernsthaft mit nachhaltiger und gleichzeitig tragbarer Mode befassen und diese in den Handel bringen.

  4. Grüne Mode ist meines Erachtens bei uns in Deutschland viel eher angesagt als bei Modeschauen in Mailand und Paris. Ja, es gibt Anfangsschwierigkeiten, aber wenn man die Blogs zu den Themen durchsieht, hat sich schon viel getan.

    Nachhaltigkeit ist der neue Trend und statt neonfarbener Plastikmode zieht frau doch gerne ein Top in den Farben nude oder greige (neudeutsch für Grau-Beige :-)an.
    Ich teste derzeit einen Cardigan in blau und muss sagen, nach anfänglicher Nörgelei bin ich von der Qualität total begeistert: http://farbenfreundin.de/...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Grüne | Mode | Nachhaltigkeit | Paris
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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