Kaska Hass ist entnervt. Die Berliner Designerin wollte ihre Mode in großem Rahmen präsentieren, auf der Hauptbühne des Umweltfestivals vor dem Brandenburger Tor. Jetzt steht sie hinter einer winzigen Bühne, die ihr die Veranstalter zugewiesen haben – und seit Stunden regnet es in die Umkleide. Hass stellt Abendmode aus Natur-Textilien her. Ihre Kleider, die jetzt von der Nässe ruiniert zu werden drohen, kosten mehrere hundert Euro das Stück. Das richtige Forum zu finden, um ihre Sachen potenziellen Einkäufern und der Presse vorzustellen, ist gerade für Bio-Modemacher wie Hass immer noch eine große Herausforderung.

Newcomer und Preispolitik

Dabei ist Mode, die weder Umwelt noch Menschen ausbeutet, eigentlich kein Nischenprodukt mehr. Vor zwei Jahren hat eine Studie der Fachzeitschrift Textilwirtschaft ergeben, dass mittlerweile 43 Prozent der Deutschen bereit sind, mehr Geld für nachhaltig produzierte Mode auszugeben. Doch das gewachsene Interesse allein garantiert noch keine reibungslosen Abläufe in Produktion und Vermarktung.

Magdalena Schaffrin weiß das. Sie war eine der ersten in Deutschland, die nachhaltige Mode und anspruchsvolles Design vereint hat. Seit mehreren Jahren organisiert sie im Hotel Adlon den Green Showroom, ein mittlerweile gut etabliertes Forum für nachhaltige Mode im Rahmen der Berliner Fashion Week . Schaffrins Green Showroom ist bislang die einzige grüne Modemesse, die zur Modewoche konstant präsent ist, während andere kommen und gehen. In diesem Sektor hat sie es hauptsächlich mit jungen Labels und unerfahrenen Modemachern zu tun: "Viele junge Designer müssen sich noch professionalisieren", sagt Schaffrin.

Wenn Neulinge zum Beispiel mit unrealistischen Verkaufserwartungen zum Green Showroom kämen, seien sie nach der Messe enttäuscht, denn es sei nicht einfach, im deutschen Modemarkt Fuß zu fassen. Nach Schaffrins Einschätzung wird sich das erst ändern, wenn sich einige nachhaltige Labels durchsetzen oder große Unternehmen in den Markt einsteigen. Letzteres sei aber vor allem im Hinblick auf die Preispolitik problematisch. Große Ketten kämen zwar auf lange Sicht an dem Thema Nachhaltigkeit nicht vorbei, bezahlten aber nach wie vor nicht konsequent genug für bessere Umwelt- und vor allem Arbeitsstandards auch mehr, sagt Schaffrin. Damit liegt es an den Branchenneulingen, den Sektor voran zu bringen.

Mode - Grüne Mode In ihrem "Green Showroom" im Berliner Luxushotel Adlon zeigen Designer und Hersteller, wie mondän ökologische Mode sein kann.

Nachhaltigkeit als Philosophie

Eine Jungdesignerin, die momentan versucht, sich einen Namen zu machen, ist Katrin Wieschenkämper. Unter dem Label Kaethe Maerz vertreibt die Düsseldorferin Prêt-à-Porter-Mode aus Naturtextilien. Von der angeblichen Bereitschaft der Deutschen, mehr Geld für nachhaltige Mode auszugeben, bemerkt sie an ihrem Stand beim Berliner Umweltfestival nichts. Im Gegenteil. Die Passanten mustern erschrocken die Preisschilder: Eine Hose für 200 Euro?

Wieschenkämper muss die Kunden nicht nur von ihren Entwürfen begeistern, sondern auch von der nachhaltigen Philosophie ihrer Mode. "Den Menschen ist einfach das Bewusstsein flöten gegangen, was Kleider in Wirklichkeit kosten", sagt sie. Dieses Bewusstsein wieder herzustellen ist der erste Schritt ihrer Verkaufsstrategie: Ihr Name soll bei potenziellen Kunden im Gedächtnis bleiben. Wenn die Käufer einmal beginnen umzudenken, dann werde auch der Umsatz kommen, hofft Wieschenkämper.

Engpässe bei der Materiallieferung

Kunden, die Öko-Mode kaufen, sind anspruchsvoller geworden. Sie erwarten nicht nur Qualität und ethische Standards, sondern auch ein gutes Design. Dem gerecht zu werden, ist jedoch komplizierter als bei herkömmlicher Mode. Designer wie Kaska Hass haben Schwierigkeiten, innovative und hochwertige Stoffe in Bioqualität aufzutreiben.

Zwei Bio-Seide-Hersteller, mit denen Hass bisher zusammengearbeitet hat, haben kürzlich Insolvenz angemeldet. Der Markt für nachhaltige Edel-Stoffe ist einfach noch zu klein. Auch Baumwolle in der gewünschten Qualität ist nicht leicht zu bekommen. Hass bemängelt besonders das Fehlen von Farbe. In Bio-Qualität sei hauptsächlich weiße und naturfarbene Baumwolle zu haben, sagt sie. So sei es schwierig, sich mit innovativem Design auf dem Markt zu etablieren.