Leserartikel

Skandinavische ModeDänemark trägt Pelz gelassen

Pelz war in Dänemark nie verpönt, schreibt die Leserin Christina Brinch-Møller. Ermuntert durch einen Nachwuchspreis entwerfen nun sogar junge Designer wieder Fellmode. von 

In den vergangenen Jahrzehnten gab es auf Catwalks Aktionen mit blutbespritzten Pelzmänteln, Horrorbilder von Massakern an unschuldigen Tieren gingen durch die Presse. Die Botschaft: Pelztragen ist unverantwortlich.

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Die Skandinavier aber, insbesondere die Dänen, gehen anders mit dem Thema um. In Dänemark gelten Pelze als modische Accessoires und erfreuen sich hoher Akzeptanz. Pelz gehört zum Straßenbild in Kopenhagen, Aarhus und Odense. Die dänische Modeindustrie steht dem umstrittenen Material nicht so abweisend gegenüber wie anderswo, Pelzverarbeitung wird an dänischen Designschulen gelehrt. Es gibt sogar eine Preisverleihung für den kreativen Umgang des Design-Nachwuchses mit Pelz.

Vor Kurzem wurde in Kopenhagen zum vierzehnten Mal in Folge die Goldene Pelznadel verliehen, Den Gyldne Pelsnål. Veranstalter des Events ist das weltgrößte Pelzauktionshaus, Kopenhagen Fur. Die Preisverleihung kommt bei den dänischen Studenten und Modebegeisterten extrem gut an.

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Kein Wunder, den Siegern winkt ein Praktikum, eine Parisreise inklusive Messebesuch auf der Premiere Vision und eine Stippvisite bei Le Cuir und Mod A'Mont. Außerdem arbeiten die dänischen Designschulen daran, dass sich ihre Studenten für die Teilnahmen an Preisausschreiben Punkte anrechnen lassen können. Genügend Anreize also für die junge dänische Designergeneration.

In der dänischen Bevölkerung gibt es aber auch kritische Stimmen. Das Management von Magasin etwa, Kopenhagens größtem Einkaufszentrum, hat Pelze im April 2012 aus dem Sortiment gestrichen – zur großen Freude von Anima, der dänischen Tierschutzorganisation. Die Kooperation von Kopenhagen Fur mit Tivoli, dem Freizeitpark in der Hauptstadt, hat die Bevölkerung sehr kritisch kommentiert.

Solange aber die Schlüsselfiguren der dänischen Modeindustrie, wie Stine Goya oder Eva Kruse, in der Jury der Goldenen Pelznadel sitzen oder selbst im Nerz über den roten Teppich stolzieren, haben kritische Stimmen wenig Einfluss. Dänisches Design mag zwar hip sein, in Sachen Pelz aber folgt die dänische Modebranche nicht dem Trend.

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Leserkommentare
  1. Schuhe und Bekleidung aus Leder tragen und in Ledergarnituren zuhause im Auto oder sonst wo sitzen empfinde ich das Kritisiren von Pelzen blöd, ausser es wäre ein Artenschutztier.
    Versuchen sie doch einmal in Ländern mit strengem Winter der Bevölkerung die Pelze wegzunehmen.
    Und zum Glück geht die Dänische Vorstellung nicht gleich mit denen der anderen Länder, sonst wäre ja auch ein nationaler Modeevent völlig überflüssig.

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    Ihre Kritik an Leder ist absolut berechtigt. Ich will Leder keineswegs schönreden. Aber es ist auch eine Frage der Zahlen: Aus einer Kuhhaut bekommt man - sagen wir 5 Lederjacken. Für einen Pelzmantel werden hingegen 2 Dutzend Tiere umgebracht. Zugegeben, die Zahlen sind aus der Luft gegriffen, aber ich denke, Sie verstehen worauf ich hinaus will.

    Es ist das Gleiche bei Fleisch: Eine Kuh macht viele Menschen viele Tage lang satt. Um die gleiche "Sättigung" mit Hühnern zu erreichen müssen jedoch hunderte Vögel dran glauben.

    Beide Male ein x-Faches an Leid...

  2. ... wäre gegen das Tragen von Pelzen nichts einzuwenden. Leider ist das Gegenteil der Fall. Deshalb bleibt festzuhalten: wenn die Dänen "anders mit dem Thema umgehen", sind sie entweder schlecht informiert oder haben keine Gewissensbisse. Wenn ein Inuit Pelz trägt: o.k. Wenn jemand Pelz als modisches Accessoire braucht, um hip zu sein: nein!
    Wer immer noch glaubt, sich in Pelz kleiden zu müssen:
    http://www.peta.de/pelzinfo/

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  3. Ich finde es schon lange erstaunlich, dass das Tragen von Pelzen bei uns so verpönt ist - in einer Gesellschaft, die jährlich allein ca 60 Millionen Schweine schlachtet und in der männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet werden...

    Bei bedrohten Tieren oder solchen, die als besonders intelligent gelten (Wale, Menschenaffen...) kann man sicherlich noch argumentieren, aber was macht das Leben eines Fuchses wertvoller als das eines Ferkels? Zumal das Tragen von Tierhaut in Form von Leder in Schuhen und Jacken als normal empfunden wird...

    Etwas unehrlich bzw. willkürlich, oder?

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    • cielo
    • 29. Oktober 2012 15:32 Uhr

    dass es "unehrlich" ist, zumal diese Tiere dann extra dafür gequält, ähh gezüchtet werden. Und das obwohl es mit Baumwolle pflanzliche und mit z.B. Coretex chemische alternativen gibt.

    Wenn man es dennoch "unehrlich" findet, könnte man ja konsequenterweise auch tierfrei Schuhe und Kleidung kaufen, und sich vegetarisch ernähren. Dann wär man aus dem "unehrlichen" raus und würde vie gutes tun. Aber wer verzichtet schon auf sein Stück Schwein aus Massentierhaltung???

    Sie meinen also, weil hierzulande noch andere Tiere grob fahrlässig ums Leben gebracht werden, haben Pelzgegner nichts zu sagen? Diese Alles-oder-Nichts-Mentalität wiegt ein Leben gegen das andere ab und ist logisch falsch: Demnach könnte nur wer absolut frei von Schuld ist das Recht besitzen, andere zu kritisieren. Solch absolute Fleckenlosigkeit ist aber Utopie — kritisieren dürfte demnach also niemand. Und wenn Sie jetzt noch etwas nachdenken, werden Sie wohl auch zu dem Schluss kommen, dass jedes gerettete bzw. in Würde leben gelassene Tier die Mühe wert gewesen sein sollte.

    • xpeten
    • 30. Oktober 2012 9:10 Uhr

    dass "männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen getötet werden", das "erstaunlich" zu finden, halte ich persönlich auch für etwas sinn- und verantwortungsvoller als andersherum.

    Und: intelligente Tiere sind schützenswert, andere nicht?
    Solche "Argumente" wird man wohl benötigen, dass einem nicht schlecht wird, wenn man sich täglich mit unter unsäglichen Bedingungen erzeugtem Billigfleisch vollstopft.

    Und noch nicht einmal Ihr Lederschuh-Argument ist haltbar, ist Leder doch ein Abfallprodukt der Nahrungsmittelproduktion, die Pelzlieferanten werden dagegen ausschließlich für ihren Pelz aus dem Wald herausgeschossen bzw. gezüchtet und getötet, ihre Körper werden dann, je nach dem, wie und wo diese Sauerrei stattfindet, im Wald liegengelassen oder in der Abdeckerei entsorgt.

    • cielo
    • 29. Oktober 2012 15:21 Uhr

    Pelz ist wieder in...
    Ich weiß nicht, ob ich jetzt die Videos von Pelzfarmen und deren Tierquälereien posten soll, oder ich davon ausgehen soll, dass die Leser hier vernünftig genug sind und das grenzenlose Leid dahinter selber sehen.

    Schade, dass jede sinnvolle Errungenschaft, wie das ächten von Pelz, wieder hops genommen wird, sobald damit wieder Kasse gemacht werden kann.

    Eine Dame aus der Werbung meinte mal vor Jahrzehnten, dass wir uns schon immer in Pelz gekleidet haben und das selbst für die Höhlenbewohner selbstverständlich und notwendig war... Na dann ab in Höhle mit euch!!!

    5 Leserempfehlungen
    • cielo
    • 29. Oktober 2012 15:32 Uhr

    dass es "unehrlich" ist, zumal diese Tiere dann extra dafür gequält, ähh gezüchtet werden. Und das obwohl es mit Baumwolle pflanzliche und mit z.B. Coretex chemische alternativen gibt.

    Wenn man es dennoch "unehrlich" findet, könnte man ja konsequenterweise auch tierfrei Schuhe und Kleidung kaufen, und sich vegetarisch ernähren. Dann wär man aus dem "unehrlichen" raus und würde vie gutes tun. Aber wer verzichtet schon auf sein Stück Schwein aus Massentierhaltung???

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    Antwort auf "unerhlich"
  4. ... ist genauso pervers wie Fleisch fressen und Leder auf der Haut! Da nützt keine Diskussion was, nur moralischer Fortschritt. Aber den werden wir alle hier nicht mehr erleben.

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    • NyNome
    • 03. November 2012 22:55 Uhr

    Was anderes kann es hier nicht geben.

    • xpeten
    • 29. Oktober 2012 19:13 Uhr

    Der Preis wird ganz sicher von der Pelzlobby ins Leben gerufen worden sein, muss man eigentlich auf jeden Schwachsinn hereinfallen?

    Solche Berichte werden ganz sicher trotzdem nicht dazu beitragen, Pelze wieder gesellschaftsfähig zu machen.

    Überall laufen noch ein paar Gestrige über die Promenaden, denen Tierschutz und Polital Correctness an ihrem, zumeist umfangreichen Hinterteil vorbeigehen, und die meisten Pelze werden dort getragen, wo die Rücksichtslosigkeit zum Lebensstil gehört.

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  5. "schicken" neuen Pelzjacken, - mäntel, - assecoires überall sehe.
    Die eine Bestialität macht nicht die andere Bestialität weniger schlimm.
    Ja, ja, man steht zu seiner/ihrer Skrupellosigkeit oder macht sich gleich gar keine Gedanken, wie das "geerntet" wird, was da so neu designt "schmückt".
    Besonders hübsch: die bei lebendigem Leib gehäuteten Tiere in China.
    Und ich möchte nicht wissen, wie oft auch anderswo.

    http://www.peta.org/issue...
    Übrigens trage ich tatsächlich noch meine Lederschuhe und Lederjacken, z.T. seit mehr als 10 Jahren, aber neues mit solchem Material wird es nicht mehr sein!

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Dänemark | Mode | Bevölkerung | Pelz | Accessoire | Design
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