In den vergangenen Jahrzehnten gab es auf Catwalks Aktionen mit blutbespritzten Pelzmänteln, Horrorbilder von Massakern an unschuldigen Tieren gingen durch die Presse. Die Botschaft: Pelztragen ist unverantwortlich.

Die Skandinavier aber, insbesondere die Dänen, gehen anders mit dem Thema um. In Dänemark gelten Pelze als modische Accessoires und erfreuen sich hoher Akzeptanz. Pelz gehört zum Straßenbild in Kopenhagen, Aarhus und Odense. Die dänische Modeindustrie steht dem umstrittenen Material nicht so abweisend gegenüber wie anderswo, Pelzverarbeitung wird an dänischen Designschulen gelehrt. Es gibt sogar eine Preisverleihung für den kreativen Umgang des Design-Nachwuchses mit Pelz.

Vor Kurzem wurde in Kopenhagen zum vierzehnten Mal in Folge die Goldene Pelznadel verliehen, Den Gyldne Pelsnål. Veranstalter des Events ist das weltgrößte Pelzauktionshaus, Kopenhagen Fur. Die Preisverleihung kommt bei den dänischen Studenten und Modebegeisterten extrem gut an.

Kein Wunder, den Siegern winkt ein Praktikum, eine Parisreise inklusive Messebesuch auf der Premiere Vision und eine Stippvisite bei Le Cuir und Mod A'Mont. Außerdem arbeiten die dänischen Designschulen daran, dass sich ihre Studenten für die Teilnahmen an Preisausschreiben Punkte anrechnen lassen können. Genügend Anreize also für die junge dänische Designergeneration.

In der dänischen Bevölkerung gibt es aber auch kritische Stimmen. Das Management von Magasin etwa, Kopenhagens größtem Einkaufszentrum, hat Pelze im April 2012 aus dem Sortiment gestrichen – zur großen Freude von Anima, der dänischen Tierschutzorganisation. Die Kooperation von Kopenhagen Fur mit Tivoli, dem Freizeitpark in der Hauptstadt, hat die Bevölkerung sehr kritisch kommentiert.

Solange aber die Schlüsselfiguren der dänischen Modeindustrie, wie Stine Goya oder Eva Kruse, in der Jury der Goldenen Pelznadel sitzen oder selbst im Nerz über den roten Teppich stolzieren, haben kritische Stimmen wenig Einfluss. Dänisches Design mag zwar hip sein, in Sachen Pelz aber folgt die dänische Modebranche nicht dem Trend.