Yves Saint LaurentRadikal puzzeln in Paris

Hedi Slimane baut das französische Haus Yves Saint Laurent um. Statt ein Erbe zu verwalten, verwebt der Designer seine eigenen Ideen mit denen des Gründers. von Jina Khayyer

Der Designer Hedi Slimane

Der Designer Hedi Slimane  |  © Y.R.

Das puzzeln begann mit der Vertragsunterschrift im April. Hedi Slimane , verkündete damals der Vorstand des Luxuskonzerns PPR , sei ab sofort allein verantwortlich für das Modehaus Yves Saint Laurent . Alle Kollektionen, die Kampagnenbilder, die Boutiquen, das Marketing – alles legte PR-Chef François-Henri Pinault vor gut sechs Monaten in die sehnigen Hände des Parisers, der seit seinem Weggang von Dior Homme im Jahr 2007 mit seinem Lebensgefährten, Pool und Rolls-Royce-Fuhrpark in Los Angeles lebt.

Seitdem versuchte die Branche sich ein Bild von dieser neuen Allianz zu machen. Die ausgeleierte Metapher vom Zögling des Monsieur – es war Saint Laurent selbst, der Slimane 1996 seine Herrenlinie anvertraute und damit dessen Karriere anstieß – der nun ehrfürchtig das Erbe antritt, zertrümmerte Slimane gleich nach besagter Unterzeichnung: Er behielt seinen Wohnsitz in Los Angeles, statt zurück nach Paris zu ziehen. Warum Heimat, Haus und Sonnenschein für einen neuen Job aufgeben? Slimane pendelt lieber. Auch einige Mitarbeiter von Saint Laurent arbeiten nun in Kalifornien, weit entfernt und unbekümmert von der stetigen Selbstbeobachtung der europäischen Modezentren.

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Mit dem sturen Beharren auf seine eigenen Bedingungen, eckte Slimane schnell an. Modekritiker wie Cathy Horyn von der New York Times und Imran Ahmed von der einflussreichen US-Website Business of Fashion lieferten sich einen ordentlichen Schlagabtausch mit dem Designer . Doch umso heftiger die Artikel Slimane der Arroganz und Selbstherrlichkeit bezichtigten, umso fleißiger zerstob der das alte Bild der Marke Yves Saint Laurent. Bereits Monate vor der Präsentation seiner ersten Frauenkollektion bildeten sich zwei Fronten, ein Spektakel, das sich wunderbar auf der Facebook-Seite von Saint Laurent beobachten ließ.

Die Kampagne, die Boutiquen – alles wurde schwarzweiß

Kampagnenbild mit Sänger Chris Owens

Kampagnenbild mit Sänger Chris Owens  |  © Hedi Slimane

Als erstes änderte Slimane den Markennamen und das Firmenlogo. Er nahm den Schwung aus den großen, weißen Lettern und ersetzte sie durch eine schlichte Typografie auf schwarzem Hintergrund. Die Marke heißt jetzt Saint Laurent Paris, die Kollektion Saint Laurent, nur das verschlungene YSL-Logo blieb. Dann bekam die Website ein neues Gesicht, statt starker Frauen zeigten die ersten Kampagnenfotos den Sänger Chris Owens – vom Designer selbst fotografiert – mit vielen Tattoos und viel nackter Haut.

Dann präsentiert Slimane sein Boutiquenkonzept. Kühl und reduziert auf das Wesentliche zeigt sich der erste neue Saint-Laurent-Shop, der gerade in Shanghai eröffnet hat. Slimane spielt in den Räumen, wer hätte etwas anderes erwartet, nur zwei Farben: schwarz und weiß. Jeden Schritt, jedes Puzzleteile stellt Slimane auf Facebook zur Schau, die Einträge kassieren oft mehr als 3.000 Likes und Kommentare. Auch in der radikalen Kommunikation an seine Fangemeine, und nur an die, gilt: Was Slimane antreibt, ist die Suche nach intensiver Auseinandersetzung fernab des Üblichen.

Während er Kunstgeschichte und Politik an der École du Louvre studierte, verliebte Slimane sich in den Indie-Rock, suchte die Nähe zu Musikern und Jugendkultur. Dann in den Neunzigern, als alle anderen das große Geld in New York und London witterten, zog es Slimane nach Berlin . Dort begann er zu fotografieren, immer schwarzweiß. Sein Motive: Blasse Jungs und Musiker.

Leserkommentare
  1. es sinnvoll wenn der Schöpfer stirbt das Ding zu schließen.

  2. Modeschopfer (allein schon die bezeichnung Schoepfer,soll irgentwie an die "Schoepfung"anlehnen?)sind ausgesprochen Uberfluessig,jeder Strassenfeger,Muellwerker usw. ist von groesseren Nutzen fuer die Allgemeinheit.

    Stofffetzen produziern von der groesse eines Taschentuches&dass kostet Tausende Dollars,also nur was fuer ein paar die sich so einen Unsinn leisten koennnen.

    Mal gespannt,ob jemand auch hier mit dem *Neid-Argument kommt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mode gehört zur Kunst und darf damit ganz außen vor sein, wenn es um den "Nutzen" geht, wie Sie ihn definieren.
    Die Modeschöpfer als Künstler der Haute Couture ist weder einem Nutzen, noch einer Beschränkung, sondern ganz seiner Kreativität verpflichtet und muß daher überhaupt keine alltagstaugliche preiswerte Kleidung herstellen, sondern schafft eine Art Skulptur.

    Wenn Ihnen das nicht gefällt, möchte ich Sie dennoch darauf hinweisen, daß auch Ihre vermeintlich günstige und frei von Unsinn produzierte Alltagskleidung eine kulturelle Aussage trifft und in Schnitt, Farbe und Form undenkbar wäre ohne die Ideen der Modeschöpfer, die letztlich auch Massenbekleidungsketten inspirieren.

    Nach Ihrem Nutzenbegriff dürfte es darüber hinaus aber keine Form der Hochkultur geben, weder Musik, noch Theater, noch bildende Künste oder Literatur, denn all diese Kunst kehrt uns nicht die Straße, kocht kein Essen und baut keine Häuser.

    Wollen Sie in so einer Welt leben?

  3. Die Alltagskleidung ist durch die Jahrtausende ganz ohne Modeschoepfer entstanden,sie wuchs mit der aus dem Volk kommenden Kultur&Bedarf,
    Was ich meinte ist diese Ueberspannte Mode,die doch nur fuer Zahlungskraeftige Kunden ist,welscher Durchschnitts verdiener kann sich schon z.B.eine Stoffknappe Bluse leisten die Tausnde Kostet?Ueberhaupt,Kleidung muss immer auf den Koerper passen,schraenkt die "CREATIVITAET"schon etwas ein,nehmen wir mal Brillen,die wichtige Arbeit leistet der Optiker,wenn dann von Dior oder sonst ein Mode Kuenstler angegeben ist,ist es meist nur auf Lizens vergeben,irgentwer anders entwirft das Modell,die *Creativen*moeglichkeiten sind auch hier begrenzt,Brille muss immer vor den Augen sein.Dummheit,mir vorzuwerfen mein Begriff lisse keinerlei Kultur zu,nochmal zur "Kunst" wurden doch kuerzlich erst sogar MUELLHAUFEN als Kunstwerke dageboten.
    So einiges was da als Kunst Bezeichnet wird(wo man an Anleitung brauch die sagt,was das sein soll) Erinnert so ein Bisschen an das Maerchen von"Des Kaisers neue Kleider",bei so manchem Kunstwerk ist die eigentliche Kunst,es als Kunst verkaufen zu koennen--es Kaeufern als Kunst andrehen zukoennen.
    Ich habe nichts gegen Kunst,schauen sie sich z.B.mal nen Rembrandt an,man erkennt was dagestellt wird,nichts gegen,Kultur,schoene Kleidung muss aber nichts von Egozentrischen"Creatoren"sein ,ach was solls.........

    Antwort auf "Überschrift"
    • habe8
    • 30. Oktober 2012 23:23 Uhr

    von "Stil" zu beurteilen, ist doch zwecklos.
    Egal.
    Mir gefallen die Fotos, die Hedi Simane gemacht hat, zum Beispiel die von Kate Moss.
    Und:
    Gut geschriebener Artikel.

    • habe8
    • 31. Oktober 2012 0:11 Uhr

    In @5 hatte ich nur nicht nur einen Buchstaben unterschlagen, sondern auch eine Link auf ein Bild, das mir gefällt:
    http://polpix.sueddeutsch...

    • tomtom7
    • 05. November 2012 12:01 Uhr

    Hedi Slimane hat die lange Abwesenheit sichtlich nicht sehr gut getan. Ja, als YSL Herrendesigner und später bei Dior Homme hatte er großen Erfolg. Aber wie schon Cathy Horyn schrieb - und das ist der wahre Grund für Slimanes Streit mit ihr: die schmale Herrensilhouette, die Slimane so viel Erfolg bescherte, stammte eigentlich eher von Raf Simon. Nach Dior widmete sich Slimane der Fotokunst - schwarz/ weiß, oft mit Musik-Assoziationen. Er hätte dabei bleiben sollen. Denn egal, ob Pierre Berge ihn schätzt oder nicht - die neue Frühjahr-Sommerkollektion, die Slimane kürzlich für Saint Laurent Paris präsentierte, war alles andere als inspirierend. Stark vom Leben in LA geprägt, trugen die Models große Schlapphüte, lange Kleider, Capes etc. Sehr "Lady of the Valley" à la Stevie Nicks und Jonie Mitchell in den 70ern. Im Grunde besseres Styling und nicht viel mehr. Bei Zara kann man ähnliche Stücke viel günstiger finden. Und dafür, dass Herr Slimane sich im Damenmodenbereich erst mal beweisen muss, hat der Designer viel zu viele Allüren. Wenn er so dünnhäutig ist, wird er den Stress des Modezirkus nicht lange aushalten.Pinault hat nicht so ein gutes Händchen bei der Wahl seiner Designer wie Arnault. Das Gastspiel von Slimane bei YSL wird deshalb auch ziemlich kurz ausfallen.

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  • Schlagworte Hedi Slimane | Yves Saint Laurent | Dior | Allianz | PPR | Tom Ford
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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