Designerin Fiona Bennett"Der Hut ist der König der Accessoires"

Damit einem der Himmel nicht auf den Kopf fällt: Die Designerin Fiona Bennett erzählt im Video-Interview, warum der Hut uns wieder wichtig ist – nicht nur im Herbst. von 

Nieselregen, eisige Böen, ist der Herbst nicht die arbeitsreichste Saison für eine Hutmacherin? Fiona Bennett wiegt den Kopf. "Der Herbst ist zwar wichtig, weil unsere Kunden jetzt zum neuen Mantel auch einen neuen Hut aussuchen. Aber der Hut an sich hat immer Saison." Im Winter sind es die Festtage, im Frühjahr die Hochzeiten und im Sommer die Strandurlaube, die im Menschen das Bedürfnis wecken, sich zu behüten. Wer dann einen Kopfschmuck sucht, der perfekt sitzt und kleidet statt zu verkleiden, findet schnell den Weg zu der Berliner Designerin Fiona Bennett.

Durch die hohen Fenster ihres schneeweißen Ladens in Schöneberg können Passanten Bennett und ihre Mitarbeiterinnen bei jedem Stich beobachten. Auf weißen Porzellanköpfen ruhen Filz- und Strohhüte, Baskenmützen und Schirmkappen. In Bullaugen buhlen Schiffchen aus feingewebter Sinamay-Faser und Haarreifen, auf denen sich winzige Trommeln türmen, um Aufmerksamkeit. Erst vor Kurzem ist die 43-Jährige hergezogen. Die smarte Eleganz des Geschäfts steht im Gegensatz zum Rauschen, Hupen und Geschwätz draußen auf der Potsdamer Straße. Genau so will es Bennett. "Meine Arbeit gehört für mich mitten rein ins Leben", sagt sie. Deswegen nach mehr als 15 Jahren die Flucht aus Berlin-Mitte, wo Modeketten den Platz von selbständigen Kreativen wie Bennett eingenommen haben . "Die Umgebung wurde mir zu eindimensional."

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Bennetts Hüte sind genau das nicht. Jedes Modell ist genauso Ausdruck des von leiser Ironie, tadellosem Handwerk und gezügelter Verspieltheit geprägten Stils der Designerin wie der Persönlichkeit des Trägers. In einer Stadt – und einem Land – dessen Bewohner bei Kleidung vor allem auf das Praktische achten, gab Bennett einem verpönten Zeichen bürgerlichen Anstands eine neue Daseinsberechtigung. "Mir geht es um einen feinen Humor," erklärt Bennett ihren Anspruch. "Der Hut steht in der Tradition des Surrealismus. Er hat immer etwas damit zu tun, die Dinge ad absurdum zu führen." Von den Anfängen in der Berliner Theater- und Kunstszene der späten Achtziger hat Bennett sich damit bis in Brad Pitts Kleiderschrank vorgearbeitet. Immer wieder finden sich ihre Hüte auf den Modeseiten der Vogue . Aber erlebt der Hut wirklich ein Comeback? "Weil die Mode so uniform geworden ist, wächst die Sehnsucht nach einer persönlichen Note," sagt Bennett. "Und der Hut ist schließlich der König der Accessoires."

Die Berlinerin mit englischen Wurzeln ist nicht nur eine Erzählerin mit den Händen, sie will die Dinge auch in Worte fassen. Gemeinsam mit Eva Sichelschmidt schrieb Bennett deshalb Vom Locken der Feder , eine Biographie des Hutmachens in Berlin . Das Buch erscheint im März. "Ich wollte die besonderen Bedingungen für Kreativität im Berlin der Vor- und Nachwendezeit beschreiben, die ich erlebt habe. Was ich auf die Beine gestellt habe, das wäre so in keiner anderen Stadt möglich gewesen."

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Leserkommentare
  1. In der Kunst: Künstler-Selbstporträt mit Hut http://passagenproject.co...
    Frau mit Hut in der Kunst http://passagenproject.co...
    Frau mit Hut bei August Macke http://passagenproject.co...

  2. Wahrhaftig, wir haben viel Freude mit unseren Hüten und Mützen. Wir Protagonisten der kleinen Talkshow aus Offenbach
    - Zwei Männer, ein Sofa - sind passionierte Hut und Mützenträger. Wir senden im Offenen Kanal Offenbach/Frankfurt und im Internet. Wir tragen den Kampf gegen die Einfallslosigkeit der Baseballkappen in die Wohnzimmer. Wer sich anschließen möchte, googelt: Zwei Männer - ein Sofa.
    http://www.youtube.com/wa...
    Grüßchen aus Offenbach
    U + K

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Accessoire | Herbst | Hochzeit | Hut | Saison | Surrealismus
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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