So sehen Werbebotschaften von Modedesignerinnen selten aus: Aufnahmen aus indischen Schlachthöfen, Rinder, die gehäutet werden, während sie teilweise noch bei Bewusstsein sind. Mit ihrem schockierenden Video auf YouTube will Stella McCartney im Auftrag der Tierschutzorganisation Peta klarmachen, warum sie kein Leder in ihren Kollektionen verwendet. McCartney, die bekennende Vegetarierin ist, plädiert außerdem für lederfreie Modewochen. Doch bisher ist sie die einzige Designerin von Weltrang, die vegane Mode produziert.

Puma , der fränkische Sportartikelanbieter, macht es der britischen Designerin gleich. Ende Juni dieses Jahres verkündete der Manager Jochen Zeitz , dass die Firma Bälle wie auch Schuhe künftig lederfrei herstellen wolle. "Wir alle sollten weniger Fleisch essen und weniger Leder verwenden", sagte Zeitz auf dem Uno-Umweltgipfel in Rio de Janeiro. "Ich denke, so sieht die Realität aus."

An der Fleischtheke fragen die Kunden seit BSE und Dioxinskandalen zunehmend nach, von welchem Rinderhof das Entrecôte stammt und welcher Geflügelhof die Schenkel lieferte. Immer öfter fällt die Entscheidung für Biofleisch aus. Wer jedoch eine Lederjacke kaufen will, bekommt fast nie Auskunft darüber, woher die Rohware stammt. Das bekannte Ledersiegel bestätigt nur die Echtheit des Materials.

Denn wenn Leder eines ist, dann vor allem ein Luxusgut. In Italien , wo es europaweit die meisten Gerbereien gibt, lebt eine ganze Industrie davon. Ledertaschen und -schuhe "Made in Italy" von Tod's, Gucci oder Fendi, stehen für Wertarbeit.

Ein Blick in die Herbst-/Winterkollektionen von beispielsweise Alexander McQueen oder Rick Owens zeigt: Leder ist das Material der Saison . Beide Labels, deren Mode ganz unterschiedlich ist, zeigen einen erweiterten Einsatz von Leder – als Minirock oder Kleid. Das beeinflusst auch Massenproduzenten wie H&M, die immer häufiger günstige Echtware anbieten.

Nach Angaben des Verbands der deutschen Lederindustrie (VDL) wurden mit Leder in Deutschland 2011 höhere Umsatzsteigerungen erzielt als noch im Vorjahr; inklusive der üppigen Ausstattung von Fahrzeugen und Mobiliar. 408,1 Millionen Euro beträgt der Umsatz mittlerweile. Grund dafür ist vor allem das Umsatzwachstum durch Exportwaren. "Lederkleidung wird zu 99 Prozent aus dem Ausland importiert", sagt Reinhard Schneider, Geschäftsführer des VDL. Die wichtigsten Exportländer sind laut Information des VDL und des Statistischen Bundesamtes Italien , Brasilien, Polen, Österreich, Uruguay und Indien .

Handelt es sich bei diesem Leder um Nebenprodukte der Fleisch verarbeitenden Industrie? Lediglich zu 60 Prozent, sagt Peta. 40 Prozent der weltweiten Schlachtungen landen nicht auf dem Teller, sondern dienen einzig der Lederherstellung . Die Gleichung Leder als Abfallprodukt gilt vor allem in Indien nicht – viele Hindus essen dort kein Rindfleisch. Da sich die Lederindustrie die günstigen Lohn- und Warenkosten in Schwellenländern wie Indien zunutze macht, geht auch dort inzwischen Rentabilität vor Rinderschutz. Heilig sind die Kühe also auch in Indien längst nicht mehr, wenn der wirtschaftliche Druck und die Nachfrage aus Europa und Amerika wachsen.