NachhaltigkeitDie voll korrekte Lederjacke

Bei Fleisch spielt Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Bei Lederkleidung weiß der Käufer dagegen kaum, woher das Material kommt. Einige Labels versuchen das zu ändern. von Julia Stelzner

Das Label Deepmello hat sich auf eine pflanzliche Gerbmethode mit Rhabarberwurzel-Extrakt spezialisiert.

Das Label Deepmello hat sich auf eine pflanzliche Gerbmethode mit Rhabarberwurzel-Extrakt spezialisiert.  |  © deepmello - Rooters UG

So sehen Werbebotschaften von Modedesignerinnen selten aus: Aufnahmen aus indischen Schlachthöfen, Rinder, die gehäutet werden, während sie teilweise noch bei Bewusstsein sind. Mit ihrem schockierenden Video auf YouTube will Stella McCartney im Auftrag der Tierschutzorganisation Peta klarmachen, warum sie kein Leder in ihren Kollektionen verwendet. McCartney, die bekennende Vegetarierin ist, plädiert außerdem für lederfreie Modewochen. Doch bisher ist sie die einzige Designerin von Weltrang, die vegane Mode produziert.

Puma , der fränkische Sportartikelanbieter, macht es der britischen Designerin gleich. Ende Juni dieses Jahres verkündete der Manager Jochen Zeitz , dass die Firma Bälle wie auch Schuhe künftig lederfrei herstellen wolle. "Wir alle sollten weniger Fleisch essen und weniger Leder verwenden", sagte Zeitz auf dem Uno-Umweltgipfel in Rio de Janeiro. "Ich denke, so sieht die Realität aus."

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An der Fleischtheke fragen die Kunden seit BSE und Dioxinskandalen zunehmend nach, von welchem Rinderhof das Entrecôte stammt und welcher Geflügelhof die Schenkel lieferte. Immer öfter fällt die Entscheidung für Biofleisch aus. Wer jedoch eine Lederjacke kaufen will, bekommt fast nie Auskunft darüber, woher die Rohware stammt. Das bekannte Ledersiegel bestätigt nur die Echtheit des Materials.

Denn wenn Leder eines ist, dann vor allem ein Luxusgut. In Italien , wo es europaweit die meisten Gerbereien gibt, lebt eine ganze Industrie davon. Ledertaschen und -schuhe "Made in Italy" von Tod's, Gucci oder Fendi, stehen für Wertarbeit.

Nachhaltige Lederprodukte

Beim Thema Nachhaltigkeit, muss man bei Lederprodukten differenzieren zwischen dem Ursprung der Häute aus ökologischer Nutztierhaltung, veganen Alternativen und der ökologischen Gerbung ohne giftige Chromsalze. An einem ressourcenschonenden Umgang mit Leder orientieren sich die vier folgenden Labels.

Deepmello:
Deepmello arbeitet bei seinen Lederprodukten mit jungen Designern wie der Berlinerin Esther Perbandt zusammen. Die Gerbung ist rein pflanzlich, das Material weitgehend aus freilebender Nutztierhaltung.

Beliya:
Das neue Hamburger Taschenlabel will mit seinen Accessoires Schulbesuche in Dritte-Welt-Ländern finanzieren. Das Leder dafür stammt aus Restbeständen der Polstermöbelproduktion.

Free People:
Cool und trendbewusst präsentieren sich die Kollektionen von Free People. Darunter sind auch mehr Stücke aus veganem Leder. Zum Beispiel Bikerjacken, Skinny Pants oder Faltenröcke aus Leder-Imitat.

Honest-by:
Der ehemalige Hugo-Boss-Designer Bruno Pieters setzt mit seinem neuen Onlineshop auf Transparenz und Nachhaltigkeit. So erfährt der Käufer, wie sich der Preis und die Beschaffenheit im Einzelnen zusammensetzen. Die Materialien sind großenteils biologisch. So sind die drei einzigen Frauenschuhe bei Honest-by, zum Beispiel weinrote, spitze Lackstiefeletten, vegan. Kostenpunkt: ca. 560 Euro.
 

Ein Blick in die Herbst-/Winterkollektionen von beispielsweise Alexander McQueen oder Rick Owens zeigt: Leder ist das Material der Saison . Beide Labels, deren Mode ganz unterschiedlich ist, zeigen einen erweiterten Einsatz von Leder – als Minirock oder Kleid. Das beeinflusst auch Massenproduzenten wie H&M, die immer häufiger günstige Echtware anbieten.

Nach Angaben des Verbands der deutschen Lederindustrie (VDL) wurden mit Leder in Deutschland 2011 höhere Umsatzsteigerungen erzielt als noch im Vorjahr; inklusive der üppigen Ausstattung von Fahrzeugen und Mobiliar. 408,1 Millionen Euro beträgt der Umsatz mittlerweile. Grund dafür ist vor allem das Umsatzwachstum durch Exportwaren. "Lederkleidung wird zu 99 Prozent aus dem Ausland importiert", sagt Reinhard Schneider, Geschäftsführer des VDL. Die wichtigsten Exportländer sind laut Information des VDL und des Statistischen Bundesamtes Italien , Brasilien, Polen, Österreich, Uruguay und Indien .

Handelt es sich bei diesem Leder um Nebenprodukte der Fleisch verarbeitenden Industrie? Lediglich zu 60 Prozent, sagt Peta. 40 Prozent der weltweiten Schlachtungen landen nicht auf dem Teller, sondern dienen einzig der Lederherstellung . Die Gleichung Leder als Abfallprodukt gilt vor allem in Indien nicht – viele Hindus essen dort kein Rindfleisch. Da sich die Lederindustrie die günstigen Lohn- und Warenkosten in Schwellenländern wie Indien zunutze macht, geht auch dort inzwischen Rentabilität vor Rinderschutz. Heilig sind die Kühe also auch in Indien längst nicht mehr, wenn der wirtschaftliche Druck und die Nachfrage aus Europa und Amerika wachsen.

Leserkommentare
  1. und veggie meat?
    Warum muss man bis zum wording nachmachen, was man doch angeblich nicht braucht.
    Wenn Ihr wollt, kleidet Euch gern in Stoff und Kunstsoff, esst Obst, Gemüse und Sojaprodukte, aber warum muss man das dann XY-Leder und XY-Fleisch nennen?

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    das vielen einfacher macht, sich daran zu gewöhnen, selbe Form, selbes Aussehen. Zu genau dem Zweck sind sie ja als Imitate konzipiert.

    @Grellseher:
    also den meisten Menschen schmeckt Fleisch und Leder sieht auch echt gut aus, aber wenn man etwas hat das genauso schmeckt und genauso aussieht OHNE dass dabei ein Tier getötet werden musste, dann ist das doch ideal oder? Mir schmeckt Fleisch auch wahnsinnig gut, aber ich genieße den Geschmack nun ohne Teil einer Mordmaschinerie zu sein...das ist der Unterschied!

    Man braucht es ja gerade deshalb nicht, WEIL man es nachmachen kann.

    Hilft immer wieder gerne nach...

    Cellular Automaton

  2. Mir war schon immer schleierhaft, warum sich so viele Leute Lederjacken zulegen und die dann auch regelmäßig tragen. Sie sind schwer und unbequem, sie fühlen sich komisch an, nicht wenige müffeln auch nach Jahren noch. Und viele geben ganz seltsame Geräusche von sich bei jeder Bewegung.

    • Polyp
    • 15. November 2012 19:07 Uhr

    daß zwischen Bericht und Kommentaren die Anzeige für Lederjacken von Hugo Boss erscheint.Das ist der fatale Automatismus von Google, dem leitwort wird sofort eine Anzeige zugeordnet.Und da gibt es noch schlimmere Kombinationen.

  3. 4. Weils

    das vielen einfacher macht, sich daran zu gewöhnen, selbe Form, selbes Aussehen. Zu genau dem Zweck sind sie ja als Imitate konzipiert.

    Antwort auf "vegan leather"
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    wenn kein Fleisch aussieht und schmeckt wie Fleisch, weil ich zwar kein Fleisch will, aber das was ich essen will trotzdem wie Fleisch aussehen und schmecken soll.
    Warum? Na weil ich kein Fleisch brauche, um mich wohlzufühlen.
    Ist klar.

    Ich esse keine tierischen Produkte, weil ich das für falsch halte. Nicht, weil ich sie nicht mag. Ganz einfach, oder? Das hat nix mit "wohl fühlen" zu tun, was ich will, ist da vollkommen egal. Nicht so schwer zu verstehen, oder? Und Leder hat nunmal praktische Eigenschaften und viele mögen das Aussehen von Lederklamotten. Also stellt man halt ein Imitat her. Wo hier das Problem sein soll, ist mir doch schleierhaft.

  4. wenn kein Fleisch aussieht und schmeckt wie Fleisch, weil ich zwar kein Fleisch will, aber das was ich essen will trotzdem wie Fleisch aussehen und schmecken soll.
    Warum? Na weil ich kein Fleisch brauche, um mich wohlzufühlen.
    Ist klar.

    Antwort auf "Weils"
  5. @Grellseher:
    also den meisten Menschen schmeckt Fleisch und Leder sieht auch echt gut aus, aber wenn man etwas hat das genauso schmeckt und genauso aussieht OHNE dass dabei ein Tier getötet werden musste, dann ist das doch ideal oder? Mir schmeckt Fleisch auch wahnsinnig gut, aber ich genieße den Geschmack nun ohne Teil einer Mordmaschinerie zu sein...das ist der Unterschied!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "vegan leather"
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    Mir schmeckt Fleisch auch wahnsinnig gut, aber ich genieße den Geschmack nun ohne Teil einer Mordmaschinerie zu sein...

    Sie bilden sich ein, Fleischgeschmack zu genießen (wie auch immer der erzeugt wird) und behaupten Fleisch schmeckt Ihnen wahnsinnig gut ... während Sie sonstwas essen, aber kein Fleisch.
    Das ist für micht etwas ... seltsam.
    Wenn ich Tofu esse nenne ich das Tofu, Saitan ist Saitan und gut. Ich muss mich doch nicht selbst beruhigen und vom Fleisch reden wenn es kein Fleisch ist.

    Hin und wieder allerdings bin ich auch ganz gern Teil der Mordmaschinerie und dann schmeckt mir auch ein Fetzen Fleisch.

  6. Man braucht es ja gerade deshalb nicht, WEIL man es nachmachen kann.

    Hilft immer wieder gerne nach...

    Cellular Automaton

    Antwort auf "vegan leather"
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    Wenn man es nicht braucht, weil man es nachmachen kann, warum muss man das Nachgemachte nennen wie das Original (das man ja nicht mag und vermeiden will, ja ssgar verabscheut).
    Das hat was arg Seltsam Fixiertes an sich.

  7. Produktion und Kauf von Leder ist ethisch super schwierig. Wer sagt, dass es in Ordnung ist schmerzempfindende Lebewesen zu produzieren um ihre Haut zu nutzen?

    Es gibt viel bessere Alternativen, vegane Schuhe, Handtaschen, Jacken in Lederoptik gibt es alles..

    Danke für den Artikel!

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