Magazin "DIS" : An den Rändern des Modesystems
Seite 2/2:

Ein Liebling der Kunstszene

Ursprünglich haben die vier Kunst studiert. Entsprechend soll das von kommerziellen Interessen weitgehend freie DIS Magazine inhaltlich und ästhetisch nichts mit der etablierten, verkaufsorientierten Modewelt zu tun haben. Um Schönheit im landläufigen Sinn, um hübsche, junge Frauen und Männer und die möglichst stilvolle Präsentation von Statussymbolen geht es hier einmal nicht. "Gerade weil wir selbst in der Mode arbeiten, ist uns das zu langweilig", sagt Chase. "Wir forschen mit Dis ausschließlich an den Rändern des Modesystems", ergänzt Roso. "Dort, wo die Grenzen unklar sind."

Dank dieses Ansatzes hat DIS in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt. Aus dem Freizeitprojekt wurde ein Liebling der internationalen Kunstszene, das Magazin wurde für Ausstellungen und Performances in das New Yorker New Museum , die PS1-Dependance des MoMa und auf die Frieze Art Fair in London eingeladen. Von dort schwappte der DIS -Kult schließlich auf die Modebranche über. Irgendwann klopfte das New Yorker Modemagazin V bei Roso, Boyle, Chase und Toro an und bot dem Quartett die Betreuung der Online-Ausgabe V-Files an, um den Flair des Unangepassten ins eigene Haus zu holen. Seither pflegt dort vor allem die Video-Reihe TMI den kantigen Humor von DIS .

Mit Kenzo hat vor Kurzem nun das erste Modelabel DIS um ein Kooperation gebeten. Dabei heraus kam ein Video-Clip, in dem College-Studenten sich immer wieder die Hände schütteln, einander umarmen, ätherisch lächeln und ihre Hosentaschen nach außen stülpen.

Das Ganze wirkt, als hätte das Team von Ralph Lauren mit den Zeugen Jehovas einen Modespot gedreht. Kenzos Saubermann-Image wird geschickt ironisiert und zugleich die Verschuldung amerikanischer Studenten thematisiert. Bislang sieht es ganz so aus, als könnten die kommerziellen Fans der schrägen Ästhetik von DIS nichts anhaben.

Kommentare

3 Kommentare Kommentieren