Das erste halbe Jahr fuhr er mit seinem Auto durch Europa und suchte nach den richtigen Materialien für seine Taschen. Er besuchte die kettenrauchende Inhaberin einer Messingmanufaktur in der Toskana, sah sich in Belgien Schautafeln zum Verarbeitungskreislauf von Flachs an und verglich Lederhäute, die in Gerbereien von der Decke hingen.

Unisex-Taschen von PB 0110 © PB 0110 e.K.

Wie immer bei gutem Design sind es die Details, auf die es ankommt. Philipp Bree will, dass seine Taschen mit der Zeit schöner werden wie all die alten Taschen, die er noch von seinem Vater hat. Er überlegt genau, ob die Messingbeschläge und Verbindungstücke für die Griffe aus gegossenem und geschnittenen Messing sein sollen. Philipp Bree hat eine Designerin extra für die Verbindungsstücke engagiert. Friederike Daumiller feilte lange am perfekten Winkel, bis Bree sagte, so bleibt das jetzt. Das Leder kommt aus einer italienischen Gerberei, die Häute von Rindern werden mit pflanzlichen Farbstoffen gegerbt. Das Leinen bestellt er in Belgien, die Reißverschlüsse in Deutschland.

Für 15 Taschen und drei Kleinteile hat er drei Designer angeheuert: Die Münchnerin Ayzit Bostan – die schon lange erfolgreich eine eigene Taschenkollektion für das Mutterunternehmen Bree entwirft – entwickelt die Damenmodell, eine andere Designerin die für die Herren und Christian Metzner, der gerade im hintersten Raum des Hauses sitzt und die Dekoration für den Messestand in Berlin entwirft.

Auf der kleinen Messe Seek in Berlin zeigt Philipp Bree seine Produkte in dieser Woche zum ersten Mal. Seine Frau Vivica wird auch dabei sein, sie arbeiten zusammen an PB 0110. Bree sagt: "Es war alles von Anfang an da." Immer wieder hat er versucht, das Thema in der Firma zu platzieren, aus der Grundidee seines Vaters die ideale Tasche zu machen – beste Materialien und reduzierte, aber sinnvolle Form. Wenn er die blaue Tasche aus stabilem Leder, die aussieht wie ein Puppenkoffer, auf seinen Schreibtisch stellt und betrachtet, wird sie einfach zu einem schönen Gegenstand.

So wie der Skihelm seiner besten Freundin, der hinter ihm im Regal liegt. Er ist rund, blau mit einem Sternen- und Streifenmuster und hat ein rotes Innenfutter und Kinnriemen aus weißem Leder. "Geliebte Objekte" nennt Philipp Bree das: "Auch Schraubenzieher können mich begeistern." Nicht dass eine seiner Taschen nur im Entferntesten an diesen Helm erinnern würde, aber er war wichtig, um ihn daran zu erinnern, was er mit PB 0110 vorhat: aus Altem Neues machen.

Es gibt eine neue Tasche, die sieht einer der alten, die weich und speckig geworden ist, sehr ähnlich. Aber sie ist handlicher, reduzierter, sie hat einen festen Boden und die Trageriemen ziehen sich über die ganze Tasche nach unten. Und vor allem ist das Leder hell, fast roséfarben. Dagegen hebt sich das graubraune Leinen dunkel ab. In ein paar Jahren wird es andersherum sein. Ein Gegenstand, der sich verändert, wenn man ihn benutzt, Gebrauchsspuren bekommt und damit zu einem gehört. Für Bree ist das das Normalste der Welt. Und er hofft, dass es auch anderen Menschen so geht.

Erschienen beim Tagesspiegel