Berlin Fashion WeekNach Öko sehen nur noch die Beutel aus
Seite 2/2:

 Fasern aus Buchenholz, Eukalyptus, Bambus

Isabell De Hillerin, Herbst/Winter 2013

Isabell De Hillerin, Herbst/Winter 2013  |  © Frazer Harrison/Getty Images for Mercedes-Benz

Ähnliche machen es das junge Jeans-Label K.O.I. und die Schweden von Nudie. Beide bieten einen Reparaturservice für alte Jeans an oder tauschen die abgelegten Hosen gegen einen Gutschein für den nächsten Einkauf. "Die Leute merken, dass es besser ist, wenige gute Teile zu kaufen und später zu reparieren als viele billige Produkte, die man schnell wieder wegwirft", sagt Andreas Åhrman von Nudie. Das Göteburger Label hat im letzten Jahr seine ganze Denim-Linie auf Bio-Rohstoffe umgestellt – von der Baumwolle bis zum Knopf. Auf Material-Innovationen setzen die Labels aber nicht nur bei den Jeans. K.O.I. präsentiert auf der Berliner Bread&Butter schlichte Basics aus Bio-Rohstoffen und Cardigans aus Wolle, die aus zerkleinerter Vintage-Kleidung gewonnen wird. Kuyichi verarbeitet Garne aus alten PET-Flaschen und der Naturfaser Tencel.

Fasern aus Bambus und Soja

Alternative Materialien nutzt auch das Label Umasan. Für ihre "veganen" Kollektionen verwenden die Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann Fasern, die aus Buchenholz, Eukalyptus, Bambus oder Sojaprotein hergestellt werden. Rohstoffe also, die schnell nachwachsen und ohne den hohen Wasserverbrauch angebaut werden können, der in der Baumwollproduktion anfällt.

Anja Umann war früher Designerin bei Yohi Yamamoto – bis ihr klar wurde, dass viele Abläufe der Modebranche ihren eigenen Ansprüchen widersprechen. Die stilistische Schnittmenge mit High-End-Labels wie Ann Demeulemeester, Rick Owens oder Yamamoto ist bei Umasan deutlich. Die Kollektionen sind vor allem in schwarz und grau gehalten, setzen auf eine japanische Ästhetik und Multifunktionalität. "Wir sprechen womöglich eine ähnliche Zielgruppe an wie zum Beispiel Rick Owens", sagt Sandra Uman. "Wer eine Lederjacke kauft, freut sich bei uns aber vielleicht, dass er auch noch etwas Gutes für die Umwelt tut."

Minimalistische Formen, lokale Produktion

Die meisten grünen Designer zeigen ihre Entwürfe bei der Fashion Week offsite, abseits des Laufstegs am Brandenburger Tor. Doch Isabell de Hillerin zeigte die Kollektion ihres nachhaltig orientierten Labels ganz selbstverständlich an der Seite anderer Nachwuchsdesigner im Studio des Fashion Week Zelts. Die 27-Jährige navigiert zwischen Moderne und folkloristischer Tradition und verbindet in ihren Entwürfen reduziertes Design mit osteuropäischer Handarbeitskunst.

De Hillerin, gebürtige Münchnerin mit rumänischen Wurzeln, hat in Barcelona studiert und lebt mittlerweile in Berlin. Auf der Modewoche zeigte sie weich fallende Blusen und Kleider, Oversized-Jacken und kantige Blazer in Petroltönen, Schwarz und Beige. Ihre strukturierten Schnitte kombiniert sie mit kunstvollen Stickereien, die von einer kleinen Gruppe Frauen in Moldawien und Rumänien von Hand angefertigt werden. Das Ziel: eine vom Aussterben bedrohte Tradition bewahren und die Wertschätzung für lokale Produktionen steigern.

ZEIT Online und ZEITmagazin twittern von der Berliner Fashion Week auf dem Kanal: @zeitonline_live

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. diese Art on Mode zu entwickeln und zu fertigen ist super.

    Der Verbraucher ist in der Mehrzahl sicherlich noch nicht in diese Richtung orientiert doch jeder Verbraucher mehrist bereits ein Erfolg.

    Dem Thema medial und auch auf dem 17.Juni Laufsteg eine noch grössere Beachtung einzuräumen wäre toll bei der nächsten Week.

    Auch in Berlin gibt es sicherlich noch genug Platz für die Textilkleinproduktion und auch geeignete Näherinnen die eine solche Arbeit gerne ausführen würden, insbesondere um Hartz4 zu verhindern, da wäre eine Förderung durch den Senat sinnvoll und nachhaltig.

    Das wäre doch ein neuer noch besserer Anstrich für das Berlinimage, entworfen und gefertigt in Berlin mit alternativen Rohstoffen. Ein speziell dafür geschütztes Label könnte auch nur alleine in Berlin für guten Umsatz sorgen so dass nicht mehr auf Bekleidung einmal Berlinaufdrucke sind und ein made in china etc. sondern dieses Label angeboten wird.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    diese Art Mode gibt es seit langem.
    Man nannte es früher Änderungsschneiderei.

  2. diese Art Mode gibt es seit langem.
    Man nannte es früher Änderungsschneiderei.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "die Idee"
    • negve
    • 19. Januar 2013 19:30 Uhr

    Ich finde diese Ansätze mehr als seltsam.

    An einer Sportmesse in München lernte ich vor Jahren mal ein Mädel kennen. Voller Tatendrang und Ideologie war sie Schneiderin, "nachhaltig und ökologisch".

    Nach mehrfachem Nachfragen kam folgendes dabei heraus: Das Mädel kaufte alte Klamotten bei der Caritas, voller Schwermetalle, Bleifarben, Kinderarbeit und unsinniger Transporte. Das ganze wurde dann auseinander geschnitten und zu einem Hoodie neu zusammengesetzt. Aus 10 Euro Wareneinsatz wurden über 200 Euro Verkaufspreis.

    Ganz zu schweigen, dass wirklich Bedürftige diese warmen Anziehsachen nicht mehr kaufen konnten.

    Diese Luxus-"Grossmutter" zu russisch fand ich dann eher hirnrissig.

    Eine Leserempfehlung
  3. Ich finde es immer wieder traurig, dass die wenigsten Designer, die durch Öko und Nachhaltigkeit Aufmerksamkeit und Verkaufzahlen erhöhen wollen, dabei aber völlig übersehen oder verschweigen, das z.b. schwarze Stofffarbe eine höchst giftige und umweltbelastende Chemikalie ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service