Ähnliche machen es das junge Jeans-Label K.O.I. und die Schweden von Nudie. Beide bieten einen Reparaturservice für alte Jeans an oder tauschen die abgelegten Hosen gegen einen Gutschein für den nächsten Einkauf. "Die Leute merken, dass es besser ist, wenige gute Teile zu kaufen und später zu reparieren als viele billige Produkte, die man schnell wieder wegwirft", sagt Andreas Åhrman von Nudie. Das Göteburger Label hat im letzten Jahr seine ganze Denim-Linie auf Bio-Rohstoffe umgestellt – von der Baumwolle bis zum Knopf. Auf Material-Innovationen setzen die Labels aber nicht nur bei den Jeans. K.O.I. präsentiert auf der Berliner Bread&Butter schlichte Basics aus Bio-Rohstoffen und Cardigans aus Wolle, die aus zerkleinerter Vintage-Kleidung gewonnen wird. Kuyichi verarbeitet Garne aus alten PET-Flaschen und der Naturfaser Tencel.

Fasern aus Bambus und Soja

Alternative Materialien nutzt auch das Label Umasan. Für ihre "veganen" Kollektionen verwenden die Zwillingsschwestern Anja und Sandra Umann Fasern, die aus Buchenholz, Eukalyptus, Bambus oder Sojaprotein hergestellt werden. Rohstoffe also, die schnell nachwachsen und ohne den hohen Wasserverbrauch angebaut werden können, der in der Baumwollproduktion anfällt.

Anja Umann war früher Designerin bei Yohi Yamamoto – bis ihr klar wurde, dass viele Abläufe der Modebranche ihren eigenen Ansprüchen widersprechen. Die stilistische Schnittmenge mit High-End-Labels wie Ann Demeulemeester, Rick Owens oder Yamamoto ist bei Umasan deutlich. Die Kollektionen sind vor allem in schwarz und grau gehalten, setzen auf eine japanische Ästhetik und Multifunktionalität. "Wir sprechen womöglich eine ähnliche Zielgruppe an wie zum Beispiel Rick Owens", sagt Sandra Uman. "Wer eine Lederjacke kauft, freut sich bei uns aber vielleicht, dass er auch noch etwas Gutes für die Umwelt tut."

Minimalistische Formen, lokale Produktion

Die meisten grünen Designer zeigen ihre Entwürfe bei der Fashion Week offsite, abseits des Laufstegs am Brandenburger Tor. Doch Isabell de Hillerin zeigte die Kollektion ihres nachhaltig orientierten Labels ganz selbstverständlich an der Seite anderer Nachwuchsdesigner im Studio des Fashion Week Zelts. Die 27-Jährige navigiert zwischen Moderne und folkloristischer Tradition und verbindet in ihren Entwürfen reduziertes Design mit osteuropäischer Handarbeitskunst.

De Hillerin, gebürtige Münchnerin mit rumänischen Wurzeln, hat in Barcelona studiert und lebt mittlerweile in Berlin. Auf der Modewoche zeigte sie weich fallende Blusen und Kleider, Oversized-Jacken und kantige Blazer in Petroltönen, Schwarz und Beige. Ihre strukturierten Schnitte kombiniert sie mit kunstvollen Stickereien, die von einer kleinen Gruppe Frauen in Moldawien und Rumänien von Hand angefertigt werden. Das Ziel: eine vom Aussterben bedrohte Tradition bewahren und die Wertschätzung für lokale Produktionen steigern.

ZEIT Online und ZEITmagazin twittern von der Berliner Fashion Week auf dem Kanal: @zeitonline_live