Ohne Jutebeutel geht es nicht. Wer während der Berlin Fashion Week die Schauen für nachhaltige Mode besucht, trägt garantiert eine kleine Sammlung dieser Öko-Insignien nach Hause. Ansonsten aber nähert sich die ökologisch und ethisch korrekte Mode in Ästhetik und Professionalität immer mehr den etablierten Labels an. Und war während der Modewoche so stark vertreten wie nie.

Seit High-End-Labels wie Stella McCartney und große Ketten wie H&M sich zumindest im Ansatz beim Thema ökologische Mode einklinken, ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass Bio-Mode nicht gleichbedeutend mit Abstrichen beim Design sein muss. "Inzwischen kommen immer mehr Leute, die das früher nicht interessiert hat", sagt Jana Keller, die gemeinsam mit Magdalena Schaffrin den Green Showroom im Hotel Adlon organisiert. "Vor allem im gehobenen Segment hat sich vieles getan. Die Leute werden neugierig." Was hier in den Luxus-Suiten gezeigt wird, soll zunächst einmal schöne und interessante Mode sein.

Das kommt gerade in Deutschland gut an, glaubt Keller. Während in Paris Veranstaltungen wie die Ethical Fashion Show wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden, zeigt die Berliner Modewoche mit jeder Saison mehr Programm zum Thema grünes Design. "Nachhaltige Mode gilt in Berlin nicht mehr als uncool", sagt auch Leonie Zijlstra vom holländischen Jeans-Label K.O.I. "Das merken wir an unseren Verkaufszahlen."

Zweites Leben für alte Stoffe

Neue aus alten Kleidern: Das Berliner Modelabel schmidttakahashi schneidert aus Altkleidern feine Unikate wie diese Bluse aus der Sommerkollektion 2013.

Einer der Trends in der nachhaltigen Mode ist das upcyling. Die Idee dahinter: keine neuen Rohstoffe verbrauchen, sondern Altes zu Neuem ummodeln. Zu den Berliner Wiederverwertungspionieren gehört das Designer-Duo schmidttakahashi. In ihrem Atelier zerlegen Eugenie Schmidt und Mariko Takahashi Kleidungsstücke, die andere nicht mehr wollen. Die Bestandteile – Ärmel, Rückenteile, Krägen – setzen sie neu zusammen oder kombinieren sie mit neuen Stoffen. So entstehen geradlinige und mehrfarbige Einzelstücke, die stets eine persönliche Geschichte erzählen: Über eine in den Kleidern eingenähte Registriernummer können die Träger auf der Homepage des Labels mehr über die Herkunft ihres Einkaufs erfahren. Inzwischen produziert schmidttakahashi auch eine kleine Kollektion sogenannter Duplikate. Die Stücke sind den Altkleider-Kreationen nachempfunden und werden teils aus ökologischen, teils aus konventionellen Materialien gefertigt. "Da sind wir nicht so dogmatisch", sagt Schmidt.

Die Designer von aluc setzen noch einen Schritt früher an. Sie nutzen Musterstoffe und Samples, die in der Textilindustrie normalerweise auf dem Müll landen. Diese Reste werden zu klassisch geschnittenen Hemden, Blusen und Kleidern verarbeitet. Eine upcyling-Linie für Männer zeigt Daniel Croh, der mit seinem Label ReCLOTHINGS Anzüge aus alter Arbeitskleidung entwirft. Strenge Schnitte stehen bei ihm im Gegensatz zu groben Stoffen, die noch die Spuren des Gebrauchs tragen.

Reparieren lassen statt wegwerfen

Jeans gelten noch immer als das problematischste Kleidungsstück der Modebranche: Unmengen Wasser werden bei der Produktion verbraucht, Bleichstoffe belasten Umwelt und Arbeiter in den Fabriken. Doch auch Denim-Produzenten denken um und arbeiten an umweltfreundlichen Neuerungen. Das holländische Streetwear-Label Kuyichi setzt schon lange auf Bio-Baumwolle und bringt Waschungen nicht mit Chemikalien, sondern mithilfe von Lasern auf. "Aber ökologische Baumwolle zu benutzen reicht uns nicht mehr. Wir konzentrieren uns immer mehr auf den Recycling-Effekt", sagt Vertriebschef Peter Schuitema. Im März startet Kuyichi in Holland ein Tauschprojekt: Kunden können ihre alten Jeans im Laden abgegeben, die werden wieder zu Garn verarbeitet und finden so ihren Weg in die nächste Kollektion.