ModeketteH&M will eine neue Erfolgsgeschichte erzählen

Mit der neuen Modekette "& Other Stories" will H&M sich im Premiummodemarkt etablieren. Die ersten Läden sollen im Frühjahr eröffnen, unter anderem in Berlin. von Jana Gioia Baurmann

Stilkollage aus der Welt des neuen H&M-Ablegers

Stilkollage aus der Welt des neuen H&M-Ablegers  |  © H&M

In der Neuen Schönhauser Straße in Berlin Mitte, dort, wo die Straße einen Knick macht, versperrt ein Bauzaun den Bürgersteig. Ein blauer Bauwagen und Container stehen da, Zementsäcke liegen ordentlich aufeinandergestapelt, daneben ein Sandhaufen und jede Menge Schutt. Hier, an der Hausnummer 15, baut H&M gerade seine deutsche Vorzeigemeile aus. Schon bald, im Frühjahr, wird der schwedische Weltkonzern den Laden "& Other Stories" eröffnen. Und Monki, eine weitere Marke des Unternehmens, wird Anfang April auch hierherkommen. Filialen von COS und Weekday, die ebenfalls zu H&M gehören, gibt es in der Straße bereits.

Bis vor sechs Jahren war H&M einfach nur H&M. 2007 kam COS (Collection of Style) dazu, 2008 übernahm H&M 60 Prozent der Aktien an dem schwedischen Modeunternehmen Fabric Scandinavien AB, mit den Marken Monki, Weekday und Cheap Monday. 2010 erwarb der Konzern die übrigen Anteile. H&M ist ein globales Unternehmen, rund 2.800 Filialen gibt es weltweit, aber nicht Weltmarktführer. 2011 wurden die Schweden vom spanischen Rivalen Inditex überholt, zu dem die Modeketten Zara und Bershka gehören. Inditex hat inzwischen rund doppelt so viele Läden wie H&M, 6.000 weltweit.

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Nun rüstet H&M auf. Unternehmenssprecherin Jenni Tapper-Hoel sagt: "& Other Stories wird H&M und die anderen Marken unseres Unternehmens ergänzen. Auch wenn es noch immer Platz für mehr Läden von H&M und den anderen existierenden Marken gibt, ist eine neue Marke ein Weg, langfristiges Wachstum für unsere Unternehmensgruppe zu ermöglichen." Berlin gehört neben London, Barcelona, Kopenhagen, Mailand, Paris und Stockholm zu den sieben Städten, in denen "& Other Stories" startet. Andere deutsche Städte sollen folgen.

Für die H&M-Marken ist Deutschland der größte Markt

1980 eröffnete die erste H&M-Filiale in Deutschland, inzwischen sind es 387. COS hat zwölf Läden, Weekday vier und Monki drei. Für die H&M-Marken ist Deutschland der größte Markt, hier gibt es die meisten Filialen und den höchsten Umsatz, "auch 2012", sagt H&M-Sprecherin Tapper-Hoel, eine Zahl nennt sie noch nicht. 2011 betrug der Umsatz 29,7 Milliarden Schwedische Kronen, umgerechnet rund 3,4 Milliarden Euro, etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes von H&M.

Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Läden von H&M-Marken, die fast alle in derselben Straße liegen, wie in Berlin-Mitte. Nur wenige Schritte von der Baustelle entfernt ist Weekday – Musik, bunte Jeans, überladene Regale und Kleiderständer. Ein paar Schritte weiter: COS. Am Eingang steht ein Wachmann, die Einrichtung ist puristisch, die Preise höher als beim Nachbarn. Blickt man in die andere Richtung, kann man die roten Lettern "H&M" erkennen, den Laden in der Rosenthaler Straße. Anfang April wird auch Monki hierherkommen, wo genau, steht noch nicht fest.

Fünf verschiedene Marken, fünf verschiedene Läden, alle in direkter Nachbarschaft. Warum nicht alle Marken in einem Laden? Percy Smend, Strategy-Group-Geschäftsführer der Werbeagentur Scholz & Friends, sagt: "Ein eigener Shop schafft eine vollständige – und bewusste – Trennung der einzelnen Marken. Gleichzeitig speisen sie sich gegenseitig sogar Kunden zu, da sie alle auf der Neuen Schönhauser Straße liegen."

Leserkommentare
  1. >> Percy Smend von Scholz & Friends weiß, dass die wesentliche Herausforderung darin besteht, die Marken so stark voneinander abzugrenzen ... <<

    ... solche Artikel gern. Was ist die Modebranche doch für eine putzige Welt, in der das neue Smaragdgrün und die Abgrenzung von Marken zwecks Verwirrungsbekämpfung für *wesentlich* gehalten wird.

    Nein, das ist keine Kritik am Autor, auch nicht am Text. Diese Leute sind ja nun einmal wirklich so, und das darf man auch schreiben. Man muss es ja nicht unbedingt selbst für wesentlich halten ;-)

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    • scoty
    • 14. Januar 2013 15:57 Uhr

    erst billig und nach dem Motto
    " bei uns steht der Kunde im Vordergrund "
    und dann wird später an dem Preis hochgedreht nur mit einem anderen Namen.

    Natürlich ist es von der Qualität und dem Fairness vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer abhängig ob diese Marke positiv einschlägt aber der Hersteller sollte nicht vergessen das der Kunde jederzeit nachverfolgen kann wo die Ware herkommt und unter welchen Bedingungen die Arbeiter diese herstellen.

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  2. Was soll das sein?
    Vielleicht sowas wie "Premiumautomobile"; also teuer bezahlter schöner Schein?
    Nach den Brandkatastrophen in Bangladesh bin ich dazu übergegangen, sehr genau auf die Herkunft meiner Bekleidung zu achten. Daher subsumiere ich inzwischen unter "Premiummode" die Klamotten, die aus einem "Premiumland" kommen. Tut mir leid für China, Bangladesh und Indien, aber ich werde kein Bekleidungsunternehmen mehr durch den Kauf seiner Produkte unterstützen, welches in der 3. Welt die Menschen versklavt und krank macht, um sich bei uns die Taschen füllen zu lassen.
    Und das erste Unternehmen, welches durch mein Raster gefallen ist, war H&M.

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    >> Tut mir leid für China, Bangladesh und Indien, aber ich werde kein Bekleidungsunternehmen mehr durch den Kauf seiner Produkte unterstützen, welches in der 3. Welt die Menschen versklavt und krank macht, um sich bei uns die Taschen füllen zu lassen. <<

    ... daran ist ja, dass der Lohnanteil bei Kleidung so lächerlich gering ist, dass sich höhere Löhne auf den Endpreis kaum auswirken würden - Beispiel Aldi-Shirt für 4,95 EUR:
    "Weil der Lohnanteil am Preis eines 4,95-Euro-T-Shirts vielleicht 13 Cent beträgt, würde selbst die Verdoppelung der Bezahlung den Verbraucherpreis kaum erhöhen."
    http://www.taz.de/!90236/

    Jetzt wäre eine Verdoppelung zwar immer noch lächerlich wenig, aber bei Shirts für 30, 40, 50 Euro sieht es in der Produktion häufig nicht wirklich besser aus. Da wäre also reichlich Luft vorhanden, und noch nicht einmal zu Lasten der Verbraucherpreise, sondern minimal zu Lasten der Margen.

    Die Absicht, auf Herkunftsländer auch bei Mode zu achrten ist lobenswert. Das ist ähnlich wie mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Region.

    Und H&M fällt da durch's Raster. So weit, so gut. Viel interessanter ist doch: Wer fällt nicht durch Raster? Und bleiben wir dabei gern mal bei der Näherei und lassen die Baumwollproduktion aussen vor.

    Wo gibt es die "guten" Modeunternehmen? Und wie erkennen Sie sie? Haben Sie da einen Königsweg gefunden oder schreiben Sie die Häuser an?

  3. Ich werde sehr laut lachen, wenn einfach das jetzige zu Premium wird und es H&M so macht wie die Designer mit ihrem Jeans oder blue-Label.

    Also einfach auf jedes günstigere Teil an jede erdenkliche Stelle ihren Namen pappen.

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  4. >> Tut mir leid für China, Bangladesh und Indien, aber ich werde kein Bekleidungsunternehmen mehr durch den Kauf seiner Produkte unterstützen, welches in der 3. Welt die Menschen versklavt und krank macht, um sich bei uns die Taschen füllen zu lassen. <<

    ... daran ist ja, dass der Lohnanteil bei Kleidung so lächerlich gering ist, dass sich höhere Löhne auf den Endpreis kaum auswirken würden - Beispiel Aldi-Shirt für 4,95 EUR:
    "Weil der Lohnanteil am Preis eines 4,95-Euro-T-Shirts vielleicht 13 Cent beträgt, würde selbst die Verdoppelung der Bezahlung den Verbraucherpreis kaum erhöhen."
    http://www.taz.de/!90236/

    Jetzt wäre eine Verdoppelung zwar immer noch lächerlich wenig, aber bei Shirts für 30, 40, 50 Euro sieht es in der Produktion häufig nicht wirklich besser aus. Da wäre also reichlich Luft vorhanden, und noch nicht einmal zu Lasten der Verbraucherpreise, sondern minimal zu Lasten der Margen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Premiummodemarkt?!?"
  5. Die Absicht, auf Herkunftsländer auch bei Mode zu achrten ist lobenswert. Das ist ähnlich wie mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Region.

    Und H&M fällt da durch's Raster. So weit, so gut. Viel interessanter ist doch: Wer fällt nicht durch Raster? Und bleiben wir dabei gern mal bei der Näherei und lassen die Baumwollproduktion aussen vor.

    Wo gibt es die "guten" Modeunternehmen? Und wie erkennen Sie sie? Haben Sie da einen Königsweg gefunden oder schreiben Sie die Häuser an?

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    Antwort auf "Premiummodemarkt?!?"
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    "Wo gibt es die "guten" Modeunternehmen? Und wie erkennen Sie sie?"

    Erster Punkt: Bei Modeunternehmen handelt es sich direkt schon, wie bei H&M um globale Großunternehmen, also eine Massenindustrie. Wanderarbeiter werden ausgebeutet und die Bezahlung ist miserabel.

    Zweiter Punkt: Um auf ihre Fragen zurückzukommen, gute Modemanufakturen, gibt es auf der ganzen Welt. Der Schneider in Indien ist genauso wie der Schuhmacher in China vorhanden. Allerdings wäre es am sinnvollsten, wenn man sich auf den Internetseiten der jeweiligen Modemanufakturen über die Herstellung informiert. Wenn die Hemden handgemacht sind, die Schuhe rahmengenäht sind, oder der Kaschmir-Pullover ein Fair-Trade Produkt sind, dann habe ich eine gute Modemanufaktur erkannt.

    Ein Modeunternehmen erkenne ich daran, dass es Dumpingpreise veranschlagt und Menschen ausbeutet.

    ... ist es einfacher als man denkt.
    Das Internet ist beispielsweise eine prima Quelle.
    Ich beanspruche für mich keineswegs Perfektion in Sachen Bekleidungskauf, aber in Sachen Unterwäsche bin ich durch eine fünfminütige Recherche darauf gestoßen, daß Unternehmen wie Schiesser oder Mey in Deutschland und Europa fertigen lassen. Seitdem stammen meine Unterhosen von Schiesser. Gut, da kostet eine blöde Unterhose nunmehr so viel wie ein Dreierpack bei H&M. Aber die Qualität stimmt und die Investition ist überschaubar.

  6. "Manche Modelabel, haben durch die Einführung von Billig-Linien stark gelitten" ?
    H&M ist eine Billig-Linie, Zara ist eine Billig-Linie, auch COS und Other Stories wird eine Billig-Linie werden. Der höhere Preis bei COS ist nicht gerechtfertigt, die Schuhe werden doch auch aus indischem Leder in China hergestellt. Schlussendlich führt der Preisunterschied nur dazu, dass blinde "Luxuskonsumenten" ein billiges T-Shirt kaufen, dass künstlich hochgehandelt wurde. Für mich ist das also rausgeschmissenes Geld.
    Lieber sollte man warten bis Sale bei Acne ist, und dort die Jeans kaufen, anstatt sich bei Cheap Monday zu bedienen, deren Design auch wie bei Acne aus Schweden stammt, aber in China produziert wird, anstatt in Italien!

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  7. "Wo gibt es die "guten" Modeunternehmen? Und wie erkennen Sie sie?"

    Erster Punkt: Bei Modeunternehmen handelt es sich direkt schon, wie bei H&M um globale Großunternehmen, also eine Massenindustrie. Wanderarbeiter werden ausgebeutet und die Bezahlung ist miserabel.

    Zweiter Punkt: Um auf ihre Fragen zurückzukommen, gute Modemanufakturen, gibt es auf der ganzen Welt. Der Schneider in Indien ist genauso wie der Schuhmacher in China vorhanden. Allerdings wäre es am sinnvollsten, wenn man sich auf den Internetseiten der jeweiligen Modemanufakturen über die Herstellung informiert. Wenn die Hemden handgemacht sind, die Schuhe rahmengenäht sind, oder der Kaschmir-Pullover ein Fair-Trade Produkt sind, dann habe ich eine gute Modemanufaktur erkannt.

    Ein Modeunternehmen erkenne ich daran, dass es Dumpingpreise veranschlagt und Menschen ausbeutet.

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