Catrine Val: "Victoria, 12, 06, 11 // 38", 2012

ZEIT ONLINE: Die Bilder der Feminist-Serie zeigen dagegen Mode abseits plakativer Schönheit.

Val: Der Unterschied zu meinen früheren Arbeiten ist, dass ich den Körper und das Alter akzeptiere. Ich habe nichts vertuscht. So wurden die Bilder authentisch, liebenswert, skurril und zerbrechlich. Es geht einmal nicht um das erotisch angehauchte menschliche Abbild. Ich wollte Visionen präsentieren, die nicht auf den Konsum ausgerichtet sind, sondern zum Nachdenken anregen. Stellvertretend steht dabei meine Person als Schablone vergangener und zukunftsorientierer Rollenbilder: Wer bin ich, wer möchte ich sein? Ich gebe in dem Buch keine These vor – das Abweichen von einer solchen ist mein Ziel. Frei interpretiert nach Jean-Paul Sartre: "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt, er muss sich täglich neu erfinden."

ZEIT ONLINE: Was ist Ihnen persönlich so wichtig daran, Mittelpunkt der Bilder zu sein?

Val: Ich wollte zeigen, dass ich als Künstlerin auch Frau sein kann. Das ist immer noch nicht selbstverständlich. Ich habe damals als junge Mutter von zwei Kindern bei der Medienkünstlerin Valie Export in Köln studiert. Ihr eigener Kampf um Anerkennung als Frau steht für Künstlerinnen als Mahnmal. Fürchterlich aufgeregt hat sie die Geburt meines dritten Kindes. Sie fragte, ob ich mich denn als Künstlerin eigentlich noch ernst nehme.

Um die Fotostrecke zu sehen, klicken Sie bitte auf das Bild

ZEIT ONLINE: Was war Ihre Antwort?

Val: Schließt das eine das andere aus? Ich war eine junge Frau mit Hoffnungen. In der gesellschaftlichen Norm musste ich sehr für meinen Status als Künstlerin kämpfen. Ich wollte keine Antihaltung aufbauen, aber wie zum Trotz habe ich damals die Mode als Sprachrohr wiederentdeckt und mich mehr und mehr zu meiner Biographie bekannt. Heute weiß ich, wovon ich spreche. Feminismus lebe ich mit all der Weiblichkeit, die für mich dazu gehört.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch schon Männer verkörpert?

Val: Ich bin bislang nur in die Rolle des Modeschöpfers Valentino geschlüpft. Er war die Schlüsselfigur einer sich zu Ende neigenden glamourösen Ära des Femininen, und wurde gegen seinen Willen vorzeitig in den Ruhestand getrieben. Dagegen versuchen alternde Design-Ikonen wie Karl Lagerfeld oder Wolfgang Joop zwanghaft bis zum Grotesken ihren eigenen Idealen zu entsprechen. In meinem neuen Projekt Power Drift werde ich mich in männliche Ikonen medialer Macht verwandeln. Mit viel Humor untersuche ich deren Mimik, Pose und Kleiderdiktat.